17.10.2019 - 17:00 Uhr
StullnOberpfalz

Lebensmittel retten "to go"

Am Ende wartet der Müllcontainer. Meistens. Aber nicht im Geschäft von Bäckermeister Christoph Ritz. Der befolgt eine ganz neue Idee, wie man überschüssige Lebensmittel kurz vor Geschäftsschluss sinnvoll los wird.

Der junge Bäckermeister Christoph Ritz schwört auf die Smartphone-App "Too Good To Go", mit deren Hilfe sich die Vernichtung überschüssiger Lebensmittel deutlich reduzieren lässt.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Christoph Ritz ist erst 23 Jahre alt und so verwundert es nicht, dass er nicht nur im traditionellen Geschäftsleben zu Hause ist, sondern auch keine Scheu vor dem Internet und seinen Möglichkeiten hat. Mit einer neuen App für das Handy lässt sich nämlich das Problem lösen, was mit den Backwaren geschieht, die sich am Ende des Tages noch in der Auslage befinden. "Bei uns wird ja alles jeden Tag frisch gemacht, so kommen am Abend üblicherweise die überschüssigen Brote, Semmeln, Kuchen und was sonst noch da ist, weg." Darum kümmert sich ein Bio-Umweltservice, der die Ware kompostiert.

Aber es gibt noch einen anderen Weg, auf den der junge Bäcker von seiner Freundin aufmerksam gemacht wurde: die Smartphone-App "Too Good To Go". Dahinter steht eine bundesweite Initiative mit dem Ziel, Lebensmittel zu retten, die sonst vernichtet würden. "Global wird mehr als ein Drittel aller produzierten Lebensmittel weggeworfen, in Deutschland sind das 18 Millionen Tonnen pro Jahr", sagt Victoria Prillmann, Pressesprecherin von "Too Good To Go". So wurde ein Konzept erarbeitet, das gastronomische Betriebe mit Kunden vernetzt. "Auf diese Weise können überproduzierte Lebensmittel zum reduzierten Preis über unsere kostenlose App vermittelt werden".

In der Oberpfalz sind es laut Prillmann derzeit acht Betriebe, die mitmachen. Das ist natürlich noch steigerungsfähig: "Der Großteil unseres Teams beschäftigt sich täglich damit, Läden in ganz Deutschland von unserem Konzept zu überzeugen. Je bekannter "Too Good To Go" ist, desto höher ist auch die Beteiligung."

Christoph Ritz, der Juniorchef der Bäckereikette Ritz, ist genauso wie seine Mutter Martina von der Idee überzeugt. "Das kommt gut an, das hätten wir nicht gedacht", versichert Martina Ritz. Vor zwei Monaten hat der Betrieb "Too Good To Go" eingeführt und verkauft pro Tag maximal sieben Portionen, wie der Bäcker das nennt. Und das funktioniert so: Wenn Waren übrig bleiben, stellt Ritz quasi "Lebensmittel-Wundertüten" zusammen, jeweils im Wert von zehn Euro. "Die Kunden wissen nicht, was drin ist, denn das hängt davon ab, was noch da ist." So eine Portion wird für drei Euro verkauft, kurz vor Ladenschluss. Man muss die App herunterladen, dann findet man auch das Angebot der Bäckerei Ritz, die im nördlichen Landkreis drei Läden betreibt. Das Hauptgeschäft ist an der Kirchstraße in Stulln, Filialen befinden sich in Dürnsricht (Fensterbach) und Trisching (Schmidgaden). Das Angebot ist für alle drei Geschäfte abrufbar. Man kann über die App schon tagsüber sein Interesse bekunden, die drei Euro werden dann automatisch abgebucht. Sollte am Abend wider Erwarten nichts übrig sein, gibt's das Geld retour. Und weil Christoph Ritz keine Scheu vor den sozialen Medien hat, macht sein Betrieb auch auf Facebook und anderen Plattformen Werbung für die gute Sache. Dort finden sich auch die Öffnungszeiten der drei Bäckereien.

So funktioniert's:

Über die App "Too Good To Go" können Restaurants, Bäckereien, Cafés, Hotels und Supermärkte ihr überschüssiges Essen zu einem vergünstigten Preis an Selbstabholer anbieten. Die Kunden bestellen und bezahlen direkt über die App und brauchen ihre Portion dann nur im angegebenen Zeitfenster im Laden abzuholen. Der Preis einer Portion beträgt maximal die Hälfte des Originalpreises und durchschnittlich drei Euro.

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