29.07.2021 - 10:17 Uhr
StörnsteinOberpfalz

"Zeitbombe" Reiserberg: Neustadt und Störnstein grübeln über Entschärfung

Reiserdorf gehört zu Störnstein. Die Straße, die aus der Senke in der Dorfmitte bergan Richtung Süden führt, ist indes Eigentum der Stadt Neustadt. Das bringt beide Kommunen nun in eine Zwickmühle.

Die Straße nach Reiserdorf gehört der Stadt Neustadt. Darunter und daneben verläuft die Wasserleitung Richtung Wöllershof. Die muss die Gemeinde Störnstein so bald wie möglich erneuern. Wie kann man das eventuell gemeinsam stemmen und bezahlen? Darüber beraten die Bauausschussmitglieder aus Neustadt und Störnstein bei einem Ortstermin.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Solche Ortstermine gibt's nicht alle Tage. Die Bauausschussmitglieder aus Neustadt und Störnstein treffen sich miteinander am Reiserberg, neudeutsch würde man sagen zum gemeinsamen Brainstorming. Darum geht's: Wer von der Ortsumgehung Neustadt Richtung Reiserdorf abbiegt, fährt eine schmale Straße hinunter, die über eine Brücke ins Dorf und weiter nach Wöllershof führt. Was kaum einer weiß: Die 160 Meter Fahrbahn sind Neustädter Grund. Darunter verläuft aber die Wasserleitung, die Reiserdorf und einen Großverbraucher, das Bezirksklinikum Wöllershof, versorgt.

Diese Leitung gehört der Gemeinde Störnstein. Die Rohre müssen dringend erneuert werden, erläutert Bürgermeister Markus Ludwig: "Das stammt alles noch aus den 50er Jahren und ist marode. Wenn wir das nicht spätestens nächstes Jahr angehen, droht im schlimmsten Fall, dass das Bezirksklinikum mal kein Wasser hat. Das ist eine tickende Zeitbombe."

Wo liegt die Leitung?

Um die Leitung zu erneuern, muss man allerdings erst einmal schauen, wo sie genau verläuft. Da die Unterlagen das nicht eindeutig hergeben, muss dazu die Fahrbahn geöffnet werden. In dieser Sache war Ludwig bereits mit seinem früheren Neustädter Amtskollegen Rupert Troppmann bei der Regierung der Oberpfalz. Dabei kam die Idee auf, dass die Störnsteiner ihre Wasserleitung erneuern und die Neustädter im Zuge dessen gleich die Straße auf Vordermann bringen und mit einem Geh- und Radweg versehen. Die Kosten könnten Regierung, Neustadt und Störnstein zu je einem Drittel übernehmen.

Doch der Teufel steckt im Detail. Neustadts neuer Rathauschef Sebastian Dippold kann sich schon vorstellen, sich an den Kosten zu beteiligen, er macht aber klar, dass es eine Schmerzgrenze gibt. Wo die liegt, weiß er nicht, da noch keine Schätzung vorliegt. Dippold sagt aber: "Für uns ist die Straße von untergeordneter Bedeutung. Wie erkläre ich meinen Bürgern, dass ich eine Straße in Reiserdorf neu mache, wenn in Neustadt ebenfalls Straßen zu erneuern wären?"

Ludwig gefiele daher die Drittelung der Kosten, allerdings auch nicht um jeden Preis. Denn: Um Förderung von der Regierung zu erhalten, müsste die Straße breiter und sicherer werden. Dazu zählen auch ein baulich abgesetzter Rad- und ein Gehweg. Trotz allen Fördergeldes könnte dies teurer kommen als eine einfache Fahrbahnerneuerung. Außerdem wollen die Störnsteiner, dass der Reiserberg eher weniger statt mehr Verkehr anzieht, also für Autos und Laster eher unattraktiver wird.

Gemeinderätin Beate Gmeiner bringt daher den Vorschlag ins Spiel, die Straße auf nur eine Spur zu verengen. Hintergrund: Reiserdorf hat ohnehin eine andere Hauptverbindung, die sogenannte Ostanbindung über die B 15. Die sollten die Einwohner und Besucher doch bitte auch nutzen. Apropos Alternative: Die gibt es in Sachen Wasserleitung nicht, erklärt Bürgermeister Ludwig. Zwar bekämen die Störnsteiner Ortsteile Lanz und Oberndorf Wasser von der Steinwaldgruppe, die Mengen für Reiserdorf und Wöllershof könnte dieser Versorger aber nicht zusätzlich stemmen. Das Reiserdorfer Wasser kommt bislang aus Neustadt, zuverlässig und zu anständigen Konditionen. Daran will Ludwig nicht rütteln.

Nicht mehr Verkehr anlocken

Auch der Vorschlag der Regierung, die Brücke über den Reiserbach zu öffnen und zu verbreitern, schmeckt den Störnsteiner Gemeinderäten nicht recht. Auch das würde mehr Verkehr ins Dorf locken.

Nur ein Fußweg ohne Radweg neben der Straße entlang des Bergs? Schon eher. Die Strecke wird gern von Zoiglwanderern Richtung Neuhaus oder Wurz genutzt oder von Besuchern des Bezirksklinkums. In umgekehrter Richtung gehen Reiserdorfer gerne über den Anstieg Richtung Aldi am Ortseingang von Neustadt. Vielleicht wäre auch ein Fußweg im angrenzenden Wäldchen parallel zur Straße denkbar, vorausgesetzt dort müsse sowieso gearbeitet werden, falls dort die Wasserleitung verläuft.

Um all dies zu klären, hoffen die Störnsteiner auf Ingenieur Gunther König, der in die Planung eingebunden ist. Er ist vorsichtig bei den Kosten. Die könne man erst beziffern, wenn der Baugrund abschließend untersucht sei und die genaue Trassenführung der Straße und der Leitung feststehe. Davon werden wohl auch die Neustädter abhängig machen, in welchem Umfang sie sich an der Erneuerung beteiligen werden.

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