21.06.2020 - 15:56 Uhr
StörnsteinOberpfalz

Faszination Wetter: Hobby zwischen den Extremen

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Wenn es draußen in Strömen regnet und der Wind ums Haus pfeift, freuen sich die meisten Menschen nicht über das Wetter. Ganz anders Wetterbeobachter David Frahnow: Erst dann wird sein Hobby so richtig spannend.

Alle drei Jahre ist eine Wartung fällig: Der gebürtige Störnsteiner David Frahnow kümmert sich auch nach seinem Umzug in die Hansestadt Hamburg noch regelmäßig um seine Wetterstation in der Oberpfalz.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Immer Schietwetter in Hamburg – diesen Irrglauben kann David Frahnow nicht bestätigen. Den gebürtigen Störnsteiner hat es schon vor rund 15 Jahren beruflich in die norddeutsche Hansestadt verschlagen. Warum er sich mit dem Wetter in der Oberpfalz und im Norden besonders gut auskennt? David Frahnow hat ein außergewöhnliches Hobby: Er ist Wetterbeobachter. An beiden Standorten hat er Wetterstationen installiert – in Hamburg drei, in Störnstein eine. Ein paar Mal im Jahr verschlägt es den 36-Jährigen noch in die Heimat, um Freunde und Familie zu besuchen. Aber auch um sich um seine Wetterstationen zu kümmern.

Alle drei Jahre Wartungsarbeiten

Im Juni war es wieder Zeit für Wartungsarbeiten in Störnstein: "Nach rund drei Jahren tausche ich alle Messinstrumente aus, da sonst Messfehler auftreten können." Die Wetterstationen bestehen aus drei wesentlichen Teilen: Einem Temperaturfühler, einem Wind- und einem Niederschlagsmesser. Das knifflige beim Windmesser: "Eigentlich misst man Wind in zehn Metern Höhe. Für alles was höher als acht Meter ist, braucht man hier aber eine Baugenehmigung. Deshalb messe ich den Wind etwas niedriger." Regelmäßig müsse man die empfindlichen Geräte außerdem reinigen, da Staub und Pollen die Fühler für Temperatur und Luftfeuchtigkeit schnell verkleben.

David Frahnows Messwerte der vergangenen Monate

Störnstein

Nach der aktuellen Überholung kann David Frahnow den Niederschlag noch genauer messen: "Ab jetzt mit einer Auflösung von 0,05 mm pro Quadratmeter. Da ändert sich die Technik Jahr für Jahr. Der Regen wird in einer Wippe gewogen. Daraus kann man dann errechnen, wie viel Niederschlag auf den Quadratmeter gefallen ist." Das gleiche beim Windmesser: "Ich habe den alten Schalenanemometer durch einen Ultraschall-Windsensor ersetzt." Der Vorteil daran sei, dass im Winter nichts einfrieren könne, weil sich nichts mehr dreht. "Dazu ist der Windsensor – genau wie der Niederschlagsmesser – beheizt. Niederschlag wird immer flüssig gemessen."

Interesse dank Oma

Vor rund 20 Jahren, im Milleniumsjahr 2000, beginnt David Frahnow mit der Entdeckung seines Hobbys. "Damals gab es vor allem analoge Technik. Man musste viele Kabel verlegen. Heute geht das meiste per Funk." Über seine Oma und sein eigenes Interesse ist der Wahlhamburger zur Wetterbeobachtung gekommen: "Damals gab es auch in Weiden noch eine Wetterstation. Da bin ich dann oft hingefahren und habe meine Werte verglichen. Peu à peu habe ich mich dann an die Norm angenähert." Ein Thermometer in den Garten stellen, könne schließlich jeder, aber die Werte wären dann nicht sehr zuverlässig.

David Frahnow belegt: Rekordsommer 2019 in Störnstein

Störnstein

Faszination Wetter

Was für ihn die Faszination am Wetter ausmacht, kann Frahnow schnell erklären: "Es ist jeden Tag anders. Wetterextreme sind das Spannende." Aus Sicht der Wetterbeobachter ist vermeintlich schlechtes Wetter nämlich gerade gut: "Jeder hat ja so sein Lieblingswetter, für viele ist das Sonnenschein und blauer Himmel. Für uns Wetterbeobachter sind viel Schnee, Regen oder Wind interessant. Etwas, wo man Daten oder Zahlen ablesen und mit anderen Werten vergleichen kann."

So sieht das Equipment aus, wenn Wetterbeobachter David Frahnow seine Wetterstation in Störnstein wartet.

Seine Daten erhebt David mittlerweile sogar nach der WMO-Norm (Weltorganisation für Meterologie). Oft würden dann schon mal Leute bei ihm anklopfen, die für einen Versicherungsschaden bei Hagel einen Beweis bräuchten. "Das besondere an der Norm sind zum Beispiel die Uhrzeiten. Wir erheben das nicht nach der MEZ sondern der UTC, der Weltuhrzeit. Niederschlag misst man deshalb von 8 Uhr früh bis zum nächsten Morgen. Die Temperatur von 2 Uhr nachts bis zur nächsten Nacht."

Bis jetzt keine Extreme

In diesem Jahr gab es noch keine spannenden Wetterkapriolen in Störnstein. Nur eine gewisse Kühle fiel auf: "Der Mai und Juni waren recht kühl. Das kennen wir so gar nicht mehr. Ob das an Corona und weniger Flugzeugen liegt, werden erst die Beobachtungen der nächsten Monate zeigen." Grundsätzlich sei eine Klimaveränderung aber auch in Bayern deutlich spürbar: "Man merkt, dass es extremer wird. Häufiger hohe Temperaturen über 30 Grad und mehr Regen auf einmal. Dann wieder längere Trockenperioden." Auch der Winter würde laut den Daten milder werden. "Es fällt weniger Schnee." Für David Frahnow sind diese Veränderungen "in der kurzen Zeit von 20 Jahren" durchaus bemerkenswert.

Als letzte wichtige Wartungsarbeit in diesem Jahr hat der 36-Jährige die alte Klimahütte aus Holz durch einen belüfteten Strahlungsschutz aus Kunststoff ersetzt. "Man kann den Staub leichter wegwischen und sie ist deutlich witterungsbeständiger." Die Unterhaltungskosten und der Zeitaufwand seien bei einer Kunststhoffhütte einfach geringer als bei Holz. Dann musste nur noch die Messtechnik kalibriert werden. "Nun läuft es wieder für drei Jahre", freut sich der Hamburger, der sich bald wieder auf in Norden macht zu seinen anderen Wetterstationen.

Info:

Die WMO

Die Weltorganisation für Meterologie (WMO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Sie hat 193 Mitglieder in Form von Staaten und Territorien. Ihr Sitz liegt in Genf in der Schweiz. Ihre Aufgaben und Ziele sind die weltweite Kooperation zwischen Wetterstationen zu unterstützen, Systeme zum schnellen Austausch meterologischer Daten zu fördern, die Standardisierung und einheitliche Veröffentlichung von Beobachtungen zu sichern und die Forschung und Ausbildung in der Meterologie zu stärken. Sie hat außerdem die sogenannte "Normalperiode"(häufig auch Klimatologische Referenzperiode genannt) als Zeitraum der Klimabeobachtung auf 30 Jahre festgesetzt. Damit ist ein internationaler Vergleich des Klimas möglich. Voraussichtlich bis zum Jahr 2020 ist die Referenzzeitspanne der WMO 1961 – 1990. Diese Normalperiode wird noch mindestens bis 2020 gelten und dann durch 1991–2020 ersetzt.

David Frahnows Wetterstation im elterlichen Garten in Störnstein. In seiner Wahlheimat Hamburg hat der 36-Jährige sogar drei Stationen.

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