30.11.2020 - 16:40 Uhr
StörnsteinOberpfalz

Dr. Markus Wittmann vom Bezirksklinikum Wöllershof: "Natürlich hat nicht jeder die gleiche Angst vor einer Infektion"

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Wie sehr wirkt sich die Coronapandemie auf die psychische Gesundheit der Patienten am Bezirksklinikum Wöllershof aus? Ärztlicher Direktor Dr. Markus Wittmann gibt Antwort.

Das Bezirksklinikum Wöllershof der Medbo (Medizinische Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz) aus der Luft.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

An Patientenzahlen lassen sich die Auswirkungen der Coronakrise im Bezirksklinikum Wöllershof noch nicht ablesen. „Für den Standort Wöllershof sind – wie bei vielen anderen Klinika – Fallzahlvergleiche mit den Vorjahren schwierig, da das Jahr 2020 aufgrund der Pandemie durch eine reduzierte Aufnahmekapazität und veränderte Verweildauern im stationären Bereich gekennzeichnet ist“, erklärt der Ärztliche Direktor Dr. Markus Wittmann. Bundesweit werde ein leichter Trend zu mehr Erkrankungen im Zusammenhang mit der Epidemie vermutet. Allerdings sei die Auswertung von Zahlen auch deshalb schwierig, weil manch einer eine Krankenhausbehandlung aufschiebe. Es könne sein, dass erst zum Ende der Pandemie erhöhte Fallzahlen sichtbar werden.

Bemerkbar gemacht hat sich die Krise am Bezirksklinikum Wöllershof laut Wittmann in der ambulanten Behandlung, zumindest in einigen Fällen. „Es traten mitunter verstärkte Ängste auf oder auch reaktive Verschlechterungen bestehender Erkrankungen.“ Vereinzelt seien persönliche Krisen durch weniger soziale Kontakte entstanden, unter anderem bei älteren Menschen. Nicht wenige Patienten hätten allerdings keine Probleme wegen der Kontaktbeschränkungen, „wobei die Dunkelziffer derjenigen, die Hilfe benötigen, aber nicht in Anspruch nehmen, im Unklaren bleibt“.

Laut Wittmann sind Bevölkerungsgruppen, die schon vor der Krise psychische Beschwerden hatten, im Durchschnitt etwas anfälliger. Dennoch sei es vereinzelt zu Neuerkrankungen gekommen, die durch die Krise ausgelöst wurden. Die Menschen seien aber unterschiedlich stark von der Krise betroffen. Wer beispielsweise in einem stark gebeutelten Wirtschaftszweig arbeite, könne mehr Angst vor Jobverlust haben als andere.

Für Patienten, die stationär in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie untergebracht sind, können die Hygienevorschriften laut Wittmann eine besondere Herausforderung sein. „Die psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung verfolgt im Wesentlichen ein grundsätzliches Ziel: dem Patienten Autonomie und eine gesunde Selbstfürsorge zurückzugeben oder zumindest zu fördern. Die sicherlich nötige und strikte Umsetzung der Hygienevorschriften schafft daher vor allem in einer psychiatrischen Klinik teilweise einen Widerspruch zu primär verfolgten Therapiezielen.“ Gruppentherapien seien nur eingeschränkt möglich und die Maske nehme Betroffenen sowie Therapeuten den Blick auf die wichtige Mimik. Hohen Respekt verdiene, wie diszipliniert Personal und Patienten diese Herausforderungen meistern.

Mit Blick auf die kommenden Monate und verschärfte Beschränkungen zeigt er sich besorgt: „Je länger die Pandemie anhält und die damit verbundenen Einschränkungen, desto schwerer fällt es den Menschen, ihren Alltag darauf auszurichten.“ Verstärkt werde dies durch die sich stetig verändernde Lage, „weil dies neben der Dauereinschränkung eine anhaltende Veränderungsbereitschaft erfordert“. Krisenbedingte Ängste entwickelten sich zudem in unterschiedliche Richtungen. „Natürlich hat in der Krise nicht jeder Einzelne die gleiche Angst vor einer Infektion. Bei einigen wiegen Ängste vor sozialer oder beruflicher Unsicherheit schwerer.“ Die Folge seien unterschiedliche Toleranzen zum Beispiel bei der Akzeptanz der Schutzmaßnahmen. „Je größer somit kollaterale Probleme wie wirtschaftliche oder soziale Probleme werden, desto heterogener entwickeln sich Ängste in der Bevölkerung und damit auch inhaltliche Auseinandersetzungen über das Für und Wider vieler Maßnahmen“, so sein Ausblick.

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