13.07.2021 - 10:07 Uhr
StörnsteinOberpfalz

Bauern sauer: Bohrungen für Süd-Ost-Link zerstören Felder

Etliche Gegner hoffen weiterhin, die geplante Stromtrasse Süd-Ost-Link verhindern zu können. Doch gerade haben bereits erste Vorarbeiten begonnen: Probebohrungen. Das führt zu Verwirrungen, die sogar die Polizei auf den Plan rufen.

Für Landwirte zeigt dieses Weizenfeld bei Störnstein so etwas wie die klassische "Schneise der Verwüstung". Sie soll auf die von Tennet veranlassten Probebohrungen für den Süd-Ost-Link zurückgehen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Derzeit läuft die Planfeststellung für den Süd-Ost-Link. Die Leitung soll einmal Strom von der Küste nach Süden transportieren. Konkret heißt das: Bis Mitte 2022 soll feststehen, wo innerhalb eines einen Kilometer breiten Korridors die Trasse genau verläuft. Den Landkreis Neustadt kreuzt dieser Korridor kurz hinter Plößberg bis hinunter nach Wittschau.

Im Zuge der Planfeststellung hat Netzbetreiber Tennet Fachfirmen mit Bodenuntersuchungen beauftragt, die sich bis in den Spätherbst ziehen sollen. Mitarbeiter einer dieser Firmen wurden vergangene Woche von einem erbosten Landwirt bei Störnstein angegangen. Er stritt lautstark mit den Technikern und schlug die Tür eines Firmenwagens so fest zu, dass sie sich verzog. Zudem wurde über Nacht der Schlüssel für die Hauptstromversorgung des Bohrgeräts gestohlen. Die Arbeiter mussten unverrichteter Dinge abziehen. Im Verdacht sind nun Trassengegner. So steht es auch im Polizeibericht.

Kritik an Sabotage

Monika Werner gefällt das gar nicht. Sie stammt aus dem bekannten Meiler-Hof in Störnstein, der auf fünf bis sieben Hektar von der Trasse betroffen sein soll. Sie fühlt sich kriminalisiert. "Alle fragen uns jetzt, ob wir das jemand von uns war. Das hat ja bayernweit Schlagzeilen gemacht. Aber ich möchte mich als Trassengegnerin eindeutig von solchen Aktionen distanzieren."

Denn dabei gehe unter, dass die Probebohrungen massive Schäden verursachen. Wie Bilder zeigen, die Oberpfalz-Medien vorliegen, zog in der Tat zwischen Störnstein und Floß ein Laster samt Kettenfahrzeug vergangene Woche tiefe Schneisen in ein Weizenfeld am Rand des Bocklwegs.

So erging es der Familie Prölß aus Diepoltsreuth. "Wir wurden schon vorab informiert, dass da untersucht wird, aber nicht auf den Tag genau. Und wir haben gedacht: Bei dem Regen kommen die eh nicht." Aber plötzlich waren sie da. Mitten im Feld. "Da fehlt ein bisschen das Fingerspitzengefühl", findet Störnsteins Bürgermeister Markus Ludwig. So sieht es auch Werner: "Wären die zwei Wochen später gekommen, wäre das Getreide wohl schon gedroschen gewesen." Im pitschnassen Feld sei nun aber das Malheur umso größer. Robert Prölß will Tennet und die Bohrfirma zur Verantwortung ziehen.

Monika Werners Vater Hubert Meiler hat die Situation miterlebt: "Die sind von einem Bohrloch zum anderen gefahren, vier Bohrpunkte alle 400 Meter", erzählt er. "Der Boden war völlig wassergesättigt." Er habe gefragt: "Wie wollt ihr da wieder rauskommen?" Der Bauleiter, angeblich ein Geologe, hätte sehen müssen, wie tief der Boden war: "Man ist schon auf dem Feldweg bis zu den Knöcheln eingesunken." Die schwere Maschine sei schließlich erwartungsgemäß eingesunken.

Tennet will zahlen

Auf diese Weise seien weitere Wege und Getreidefelder mit noch nicht geerntetem Hafer zerstört worden: "Muss man da ausgerechnet kurz vor der Ernte reinfahren?", fragt Meiler kopfschüttelnd. So habe man jetzt die meiste Arbeit damit, das Getreide da wieder raus zu bekommen. "Wenn man mit uns geredet hätte, hätten wir ihnen einen Weg zeigen können, wie sie ohne großen Schaden anzurichten zum Bohrort gekommen wären." Bei Tennet ist man auf so etwas bereits eingestellt. "Flurschäden wie Ernteausfall oder Bodenverdichtung werden reguliert nach Sätzen einer Tabelle des Bayerischen Bauernverbands", sagt Bürgerreferent Johannes Prechtl. Im Bereich zwischen Marktredwitz und Pfreimd sei jedoch noch kein einziger Fall eingegangen. Ebenso wenig bei der Bohrfirma BOG aus Thüringen, die zurzeit im Landkreis zugange ist, erklärt ein Sprecher. Er berichtet davon, dass Grundeigentümer rechtzeitig angeschrieben und über die Bohrung informiert werden, die Eigentümer aber nicht unbedingt ihren Pächtern Bescheid sagen. Einen ähnlichen Fall kennt Robert Prölß. Er fürchtet, dass er zwar für den Aufwuchs seines Winterweizens entschädigt wird, nicht aber für den Schaden am Boden. Meiler stimmt ihm zu: "Bodenverdichtung ist schwer festzustellen. Und vorher wurde nie der Ist-Zustand erfasst."

All dies könnte auch zur Sprache kommen bei einer "Stromtrassenwanderung", zu der Kreisrat Karl Meier (Freie Wähler) aus Neustadt einlädt. Der Süd-Ost-Link-Gegner bittet Mitstreiter und Interessierte, am Sonntag, 18. Juli, um 14 Uhr in die Flosser Straße nach Störnstein zu kommen. Dort steht eine "Widerstandseiche". Zum Teil ist sie gesäumt mit Kreuzen und Infotafeln, auf denen Aktivisten ihre Ablehnung kundtun. Das ist manchen offenbar ein Dorn im Auge. "Die Kreuze werden regelmäßig umgeworfen oder beschädigt", sagt Monika Werner. Anzeige gegen unbekannt ist erstattet.

Landwirt attackiert Fahrzeug von Bohrfirma

Störnstein

Südost-Link: Die Einwände der Bürgermeister im Landkreis Neustadt/WN

Neustadt an der Waldnaab
Mit schwerem Gerät fahren die Fachfirmen über morastigen Boden.
Hintergrund:

Der aktuelle Stand beim Südost-Link

  • Verlauf: Von Wolmirstedt (Sachsen-Anhalt) bis Landshut, Länge 523 Kilometer, davon 260,3 km in Bayern.
  • Der Bund hat 2021 seinen Bedarfsplan nachgebessert. Statt Erdkabel mit 2 Gigawatt Übertragungsleistung soll die Kapazität auf insgesamt 4 GW erhöht werden. In den Kabeln soll bis spätestens 2035 Strom transportiert werden.
  • Die beiden Kabelgräben sind laut Tennet innerhalb eines Schutzstreifens geplant. Er ist auf freier Fläche 16 Meter und im Wald 20 Meter breit. Der umliegende Arbeitsstreifen soll bis zu 45 Meter breit werden.
  • Der Kreistag des Landkreises Neustadt fordert seit 2019 einen Planungsstopp für die Stromtrasse. Sollte dies nicht möglich sein, soll sie entlang bestehender Autobahnen verlegt werden.
  • Der aktuell von der Bundesnetzagentur festgelegte Trassenkorridor ist laut Bundesverwaltungsgericht rechtlich nicht anfechtbar. Dies ist erst nach Abschluss der Planfeststellung möglich.

 

 

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