09.06.2021 - 18:58 Uhr
StörnsteinOberpfalz

71-Jähriger dankt seinen Pflegerinnen: "Ich habe Respekt ohne Ende"

Seit einem Schlaganfall vor acht Jahren benötigt Andreas Pilz im Alltag Hilfe. Die bekommt er unter anderem von der Ambulanten Krankenpflege der katholischen Kirchenstiftung St. Georg Neustadt. Und dafür möchte er sich öffentlich bedanken.

Andreas Pilz und Sabine Schwanitz, eine seiner Pflegerinnen von der Ambulanten Krankenpflege der katholischen Kirchenstiftung St. Georg Neustadt/WN. Der 71-Jährige hatte vor acht Jahren einen Schlaganfall.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Andreas Pilz hat seinen Pflegerinnen einen Danke-Brief geschrieben. „Ihr seid immer gut drauf, und das tut mir sehr gut“, steht darin. Doch ein Brief reicht dem 71-Jährigen, der seit fünf Jahren in Störnstein im betreuten Wohnen lebt, nicht. Auf den Aufruf zur Danke-Kampagne der Gesundheitsregion plus Nordoberpfalz, der unter anderem bei Oberpfalz-Medien erschienen ist, meldete sich Pilz, um öffentlich laut und deutlich „Danke“ zu sagen. „Ich fühle mich durch die Truppe wirklich gut betreut und super versorgt. Baden, Bettwäsche wechseln, einkaufen. All das ist nicht selbstverständlich, und ich weiß das zu schätzen“, erzählt er. Seine Pflegerinnen hat er ins Herz geschlossen. Ihre Namen stehen auf einem Spickzettel, den er vorzeigt: „Das sind meine Mädels. Jede von ihnen ist spitzenmäßig.“

"Habe alles neu lernen müssen"

Vor acht Jahren hatte Pilz – „für gute Freunde heiße ich ,de Schwammerl‘“ – einen Schlaganfall, ist seitdem linksseitig gelähmt. Seine Aussprache ist noch leicht verwaschen, der Gang etwas gebückt, an der linken Hand hat der Zeigefinger seinen eigenen Willen. „Ich habe alles neu lernen müssen, trinken, essen, reden“, erinnert sich der Senior. Dass er heute selbstbewusst, voller Humor und mit einem kleinen Schelm im Nacken ein Gespräch führen kann, ist nicht selbstverständlich. „Es gibt einen Spruch, der mich mein ganzes Leben lang begleitet: Wer aufgibt, hat schon verloren.“ Aufgeben kam für den zweifachen Vater und vierfachen Großvater nicht infrage. Doch er lässt, wenn man genau hinhört, durchblicken, dass er manchmal in eine depressive Stimmung verfällt.

„Meine Mädels bauen mich immer wieder auf. Das tut einfach gut“, sagt er. Die Frauen kommen zwei Mal pro Tag, helfen beim Baden und bei der Medikamentengabe, „weil ich da manchmal schlampere“. Sie bringen ihm aber nicht nur Tabletten, sondern auch Freude: „Wir lachen viel und haben viel Spaß. Das ist der absolute Pflegeservice, mit drei Ausrufezeichen.“ Von sich selbst sagt Pilz, er sei eine „Badezicke“: „Ich mag’s nicht zu warm und habe meine Schwimm-Ente und mein Seepferdchen immer dabei. Außerdem bade ich nur mit Musik.“ Aus dem Radio ertönen Lieder von Peter Maffay, Karat oder Klaus Lage. „Wellness-Baden“ nennt Andreas Pilz das. „Meine Mädels kommen gerne her. Ich habe immer Unsinn und einen Spruch im Kopf.“ Manches verarbeitet er in Kurzgeschichten, Märchen, selbstgebauten Kreuzworträtseln und Zeichnungen. Wenn seine Knochen knacken, sagt er: „Ich bin ein alter Knacker.“

Zeit "sehr, sehr knapp bemessen"

Eines ist ihm besonders wichtig bei seinem öffentlichen Danke: „Die Zeit, die den Pflegerinnen vonseiten der Krankenkassen zur Verfügung steht, ist nicht machbar. Wer so etwas festlegt, sollte mal eine Woche lang diese Arbeit machen.“ Sabine Schwanitz, eine seiner Pflegerinnen, erklärt, für die Medikamentengabe stünden fünf Minuten zur Verfügung. „Im Spätdienst sind bis zu 30 Patienten zu betreuen. Das ist sehr, sehr knapp bemessen. Man kennt sich ja und merkt sofort, ob es jemandem gut geht. Wenn es Redebedarf gibt – vor allem im Winter, wenn es dunkel ist – bleibt man auch mal länger da.“ „Man will ja auch mal Fragen stellen“, ergänzt Pilz. „Das geht einfach nicht in so kurzer Zeit.“

Er habe Hochachtung vor Annette Scherb, sagt der 71-Jährige über die Pflegedienstleiterin. „Ich habe selber einen Job gehabt, wo ich mit vielen Mitarbeitern arbeiten musste.“ Damit meint er seine Arbeit als Küchen- und Service-Meister, bei der er zeitweise für 28 Lehrlinge verantwortlich war. Anfang der Neunziger arbeitete der gebürtige Sachse fünf Jahre lang als Filialleiter der Delikatessenabteilung im damals neuen Markthaus in Weiden. Heute liefert die AWO sein Mittagessen. Doch an den Wochenenden kocht er selber, und das offenbar nicht schlecht. „Mein Nachbar kommt abends manchmal schnüffeln“, verrät er.

Pilz ist es wichtig, seine Anerkennung weiterzugeben. „Ich habe Respekt vor den Leuten, die diesen Beruf ausüben. Respekt ohne Ende.“ Er dreht sich um, holt eine Mütze, setzt sie auf und verbeugt sich: „Chapeau!“

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Hintergrund:

Die Danke-Kampagne

  • Teilnahme: Schicken Sie uns Ihre Geschichte, danken Sie einer bestimmten Pflegekraft oder Person aus dem Gesundheitsbereich oder schreiben Sie ein allgemeines Danke per E-Mail an redaktion[at]onetz[dot]de, Stichwort: Danke.
  • Danke-Kampagne: Initiative der Gesundheitsregion plus Nordoberpfalz mit den Landkreisen Tirschenreuth und Neustadt/WN sowie der Stadt Weiden. Gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie und das Regionalmanagement Bayern. Medienpartner: Oberpfalz-Medien, OTV, Radio Ramasuri und Oberpfalz Echo.
  • Gesundheitsregion plus Nordoberpfalz: Netzwerk aus Vertretern der Kommunalpolitik und Akteuren aus der gesundheitlichen Versorgung und Prävention, darunter Ärzte, Kliniken, Apotheker, Therapeuten, der Rettungsdienst, Krankenkassen und das Gesundheitsamt. Durch die Vernetzung sollen Versorgung und Prävention verbessert werden. Kampagnen-Website: www.gesundindernordoberpfalz.de

 

 

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