09.07.2021 - 00:05 Uhr
Oberpfalz

Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung: Stipendien für junge Handwerker

Den Begriff Stipendium verbindet man immer noch automatisch mit dem Einser-Abiturienten, aber nicht mit dem Lehrlingsbesten. Dabei gibt es seit 30 Jahren ein vom Bund gefördertes Stipendium zur Weiterbildung auch von Handwerkern.

Lehrwerke nochmal auspacken und die Schulbank drücken? Nach einer handwerklichen Erst-Ausbildung muss noch lange nicht Schluss sein. Handwerker, die sich weiterqualifizieren wollen, können versuchen, ein Stipendium zu ergattern.
von Gabi EichlProfil

Das Förderprogramm der Bundesregierung nennt sich sperrig „Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung“, das Bundesbildungsministerium fördert damit besonders begabte Lehrlinge der verschiedensten Berufe, die sich nach Abschluss ihrer Ausbildung weiterbilden wollen. Die zum Beispiel den Meisterbrief im Blick haben. Mit Beginn des Jahres 2020 wurde die Fördersumme noch einmal um 900 Euro aufgestockt auf jetzt maximal 8100 Euro, verteilt auf drei Jahre.

Einen Haken hat die schöne Sache dann aber doch: Die Zahl der Stipendien ist auf 6000 pro Jahr begrenzt und die Stipendiaten dürfen nicht älter als 24 Jahre sein; Ausnahmen gibt es nur, wenn Grundwehrdienst oder Zivildienst nachgewiesen werden können, dasselbe gilt für Mutterschutz oder Elternzeit.

Im Gebiet der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz bewerben sich jedes Jahr zwischen 130 und 150 junge Handwerker für das Stipendium, etwa 70 davon werden aufgenommen, wie der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Hans Schmidt gegenüber Oberpfalz-Medien sagt.

Beide Kriterien werden vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) kritisiert. Der ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke forderte wiederholt eine Ausweitung der Zahl der Stipendien und eine Anhebung der Altersgrenze, zum Beispiel auf 27 Jahre; dies vor allem vor dem Hintergrund, dass in den kommenden Jahren tausende von Betrieben in die Hände der nachfolgenden Generation übergehen.

Es muss aber nicht die Vorbereitung auf die Meisterprüfung sein. Hochqualifizierte Lehrlinge können sich nach Abschluss ihrer Ausbildung auch via Stipendium um einen Intensivsprachkurs oder einen Ausbilderlehrgang bemühen, um einen IT-Kurs oder einen Lehrgang zu Konflikt- oder Qualitätsmanagement – selbst im Ausland. Möglich ist auch die Förderung eines berufsbegleitenden Studiums. Die Weiterbildung muss allerdings immer neben dem jeweiligen Beruf stattfinden.

Die Hürden für das Weiterbildungsstipendium, das von der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) koordiniert wird, sind natürlich wie bei jedem Stipendium hoch. Interessenten müssen in der Berufsabschlussprüfung mindestens 87 Punkte vorweisen können oder eine Durchschnittsnote von mindestens 1,9. Alternativ genügen die Plätze eins bis drei bei einem überregionalen Leistungswettbewerb im Beruf des Bewerbers oder ein gut begründeter Vorschlag des Arbeitgebers oder der Berufsschule.

Es gibt junge Leute, die das Weiterbildungsstipendium gleich für mehrere zusätzliche Qualifikationen nutzen, den meisten ebnet das Fördergeld aber den Weg zum Meisterbrief oder einem berufsbegleitenden Studium. In vielen Firmen werden sie unterstützt dabei, sich zusätzliche Fertigkeiten anzueignen, die sie dann auch befähigen, Führungsverantwortung zu übernehmen.

Junge Unternehmerinnen aus dem Handwerk sind mit Begeisterung bei der Arbeit....

Pleystein
Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz.
  • Qualifizierte junge Leute, die sich um ein Weiterbildungsstipendium bewerben wollen, wenden sich an die für sie zuständige Kammer, von der Industrie- und Handelskammer über die Handwerkskammer bis zur Steuerberater- oder Landwirtschaftskammer.
  • Bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz helfen Birgit Schwarzer (Tel. 0851 5301-114, E-Mail: birgit.schwarzer[at]hwkno[dot]de) und Karola Braml (Tel. 0851 5301-175, E-Mail: karola.braml[at]hwkno[dot]de) weiter.
  • Die Kammern wählen die Stipendiaten aus und zahlen auch die Fördergelder aus. Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz wählt den Worten Schmidts zufolge nach den genannten Richtlinien der Stiftung aus. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer hat aber Tipps zur Bewerbung: „Bei Möglichkeit sollten die jungen Handwerkerinnen und Handwerker an überregionalen beruflichen Leistungswettbewerben teilnehmen, da eine entsprechende Platzierung die Aufnahme ins Weiterbildungsstipendium deutlich erhöht. Eine fristgerechte Einreichung des Antrages auf Aufnahme ins Förderprogramm ist zudem immer zu beachten.“ Grundsätzlich rät Schmidt jedem, der die Kriterien erfülle, sich zu bewerben.
  • Die Stipendien beginnen immer zum 1. Januar, Bewerbungsschluss ist am 31. Oktober des Vorjahres. Ein gesetzlicher Anspruch auf Aufnahme in diese Form der Begabtenförderung besteht nicht

Mehr Infos zum Weiterbildungsstipendium

 

 

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