06.08.2020 - 14:09 Uhr
Steinberg am SeeOberpfalz

Steinberg: Strafzettel für Brautpaar

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Julia und Tom Braun machen für Hochzeitsbilder einen Stopp am Steinberger See. Weil sie keinen Parkschein lösen, bekommen sie einen Strafzettel. Bürgermeister Harald Bemmerl hilft und verrät, wie Brautpaare das künftig vermeiden können.

Keine schöne Überraschung an einem sonst so perfekten Tag. Julia und Tom Braun haben am Steinberger See nur wenige Minuten nach dem sie mit ihrem Hochzeitsauto am Ufer geparkt haben, einen Strafzettel bekommen.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Vermutlich ist es einer der schönsten Tage im Leben von Julia und Tom Braun. Die beiden geben sich am 20. Juni in Nittenau das Ja-Wort. Mit ihrem Brautauto, einem mit Schleifen und Blumen geschmückten Mustang, machen sie sich nach der Trauung auf den Weg nach Büchelkühn, wo die Hochzeitsgesellschaft bereits auf das Paar wartet. Unterwegs machen sie für ein paar Minuten halt, um am Steinberger See in Sichtweite vom Auto ein paar Hochzeitsfotos zu machen. Als sie zurückkommen, klebt ein Strafzettel auf dem Hochzeits-Oldtimer. Verwarngeld: 20 Euro.

Außer Sichtweite

Julia Braun sagt: "In der Aufregung habe ich einfach vergessen, einen Parkschein zu ziehen." Unklar ist Braun bis heute, wie es sein konnte, dass sie in so kurzer Zeit einen Strafzettel bekommen konnten, obwohl sie nur wenige Meter vom Auto entfernt waren. Denn: Auf dem Verwarnbescheid steht, dass die Park-Kontrolleurin rund neun Minuten beim Auto gewartet hatte, bevor sie das Knöllchen ausstellte. "Bei einer Nachfrage wurde mir gesagt, dass die Dame uns nicht finden konnte und uns nicht einfach nur hätte verwarnen können", sagt Braun. Sie kann nicht nachvollziehen, woher die Kontrolleurin überhaupt gekommen sein könnte. "Vom Weg aus hat man uns ja gesehen. Wir waren ja auch nicht gerade unauffällig", sagt die Braut. Hinzu kommt, dass ein Passant wenige Minuten nach dem Start des Foto-Shootings auf das Paar zugekommen sei, und den beiden mitteilte, dass sie einen Strafzettel bekommen haben. Braun: "Ich verstehe es nicht so ganz. Der Herr hat uns ja auch sofort gesehen. Das hätte eigentlich auch für die Dame gelten müssen. Sie hätte ja direkt an uns vorbei kommen müssen." Von Seiten der Gemeinde Steinberg heißt es, das Paar sei nicht in Sichtweite des Wagens gewesen, weshalb der Strafzettel unumgänglich gewesen sei. Demnach müssen die Brauns das Verwarngeld zahlen. Dass jemand den Zusammenhang zwischen einem Brautauto und einem Brautpaar unter dem Blitzgewitter von Fotografen wenige Meter weiter nicht ziehen kann, findet Braun schlichtweg "dreist".

Vom Weg aus hat man uns ja gesehen. Wir waren ja auch nicht gerade unauffällig.

Die Braut Julia Braun

Die Braut Julia Braun

Das ist aber nicht alles. Denn einfach kampflos aufgeben wollte das Paar nicht. Sie haben sich an Steinbergs Bürgermeister Harald Bemmerl gewandt. Braun: "Er hat mir gesagt, dass er, wäre er der Ordnungshüter gewesen, ein Auge zugedrückt hätte, weil es ja eben für jeden klar erkennbar war, dass da ein Hochzeitsauto steht." Zudem habe der Bürgermeister versprochen, einmal zu schauen, was sich in der Sache machen lässt. Das ist nun mehrere Wochen her. Trotz mehrfacher Nachfrage habe sich Bemmerl bislang nicht bei dem Paar gemeldet.

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Bürgermeister: Angebot für Brautpaare

Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien gesteht Bürgermeister Harald Bemmerl, dass er unter dem Stress der Coronazeit bislang einfach verschwitzt habe, die beiden persönlich zurückzurufen. "Wenn ich sie anrufe, dann werde ich den beiden natürlich sagen, dass der Strafzettel gerechtfertigt ist", sagt er. Er findet die ganze Geschichte dennoch sehr unglücklich. Deshalb möchte er den Brauns eine Entschädigung anbieten. "Ich werde die beiden entweder zum Minigolfen oder auf die Erlebniskugel einladen", sagt Bemmerl.

Wer künftig Hochzeitsfotos am Steinberger See machen will, der soll sich einfach an mich wenden, dann bekommt er von mir für die Zeit eine Sonderparkgenehmigung.

Harald Bemmerl, Bürgermeister von Steinberg

Harald Bemmerl, Bürgermeister von Steinberg

Er findet es schön, wenn sich so viele Hochzeitspaare wie möglich am See fotografieren lassen. Damit so ein Fall wie der der Brauns nicht noch einmal vorkommt, kündigt er an. "Wer künftig Hochzeitsfotos am Steinberger See machen will, der soll sich einfach an mich wenden, dann bekommt er von mir für die Zeit eine Sonderparkgenehmigung."

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