30.10.2020 - 14:12 Uhr
StadlernOberpfalz

Erhalt der Burgruine ist eine Generationen-Aufgabe für Stadlern

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Die Geschichte von Stadlern ist unzertrennlich mit der Burgruine Reichenstein verbunden. Die alten Mauern belegen die bewegte Geschichte dieses Landstrich. Generationen arbeiten immer wieder am Erhalt des Bergfrieds – so auch jetzt wieder.

Es ist die derzeit höchstgelegene Baustelle im Landkreis Schwandorf: Auf über 870 Meter Meereshöhe sind die Bauarbeiter mit der Sanierung des Bergfrieds der Burgruine Reichenstein beschäftigt.
von Ludwig HöcherlProfil

"Erbauer und Besitzer der im wahrscheinlich späten 11. Jahrhundert errichteten Burg Reichenstein, die als Siedlungsmittelpunkt für den Schönseer Raum gelten darf, sind nicht bekannt", wie Dr. Teresa Guggenmoos in der 1981 erschienenen Chronik der Stadt Schönsee schreibt. Im Jahr 1557 wird die Anlage bereits als "öd und zerbrochen" beschrieben. Heute steht außer wenigen Mauerresten nur mehr der Stumpf des runden Bergfrieds.

Zum Erhalt des einstigen Hauptturms wurden und werden immer wieder Anstrengungen unternommen, dass dieses Relikt aus längst vergangener Zeit nicht dem Verfall preisgegeben wird. Angesichts aktuell laufender Arbeiten bietet sich eine Rückschau an: Am 28. Juni 1925 machte der "Gemütlichkeitsverein Stadlern" mit einem "Reichensteinfest" auf die notwendige Renovierung aufmerksam. Über Arbeiten zum Erhalt sind erste Maßnahmen aus dem Jahr 1926 bekannt. Der damals geplante Einbau einer Wendeltreppe scheiterte aber an einer behördlichen Anordnung.

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Stadlern

In den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren Bauarbeiter damit beschäftigt, nicht nur Kriegseinwirkungen (Sprengung am Turmfuß) am Wahrzeichen zu beseitigen. Auch Regen, Kälte und Schnee forderten zusätzlich ihr Tribut am Mauerwerk. Ein Förderverein zum Erhalt des Reichensteins gründete sich im September 1990. Die Euphorie von Vorstandschaft und Mitgliedern war aber schnell durch die damals fehlende Zustimmung der Grundstückseigentümer wegen des Zugangs zum Objekt, Fragen der Finanzierung und Sicherheitsaspekten ausgebremst. Grünes Licht gab es seitens der Eigentümer für das Vorhaben jedoch im Jahr 2012. Ab diesem Zeitpunkt wurden in der Gemeinde die Fühler nach Alternativen zur Renovierung und den finanziellen Möglichkeiten mit Fördermitteln aus öffentlicher Hand ausgelotet.

Bei einer Bürgerversammlung im April 2015 informierten ´Referenten des Landesamts für Denkmalpflege und vom Ingenieurbüro ALS (Amberg) über die historischen Gegebenheiten sowie über den möglichen Ablauf einer Instandsetzung. In einem von der Gemeinde beauftragten Gutachten war festgehalten, dass "das Mauerwerk der Ruine derart beschädigt ist, dass herabfallende Steine den Bestand gefährden". Sicherungs- und Instandhaltungsmaßnahmen seien dringend erforderlich, um den schnell fortschreitenden Verfall zu stoppen. Im Mauerwerk würden bereits Sträucher wurzeln, der zersetzte Mörtel sei ein idealer Nährboden für Moos und Gräser.

Schließlich gaben die Behörden grünes Licht für das Vorhaben und die Finanzierung. Dies mündete im August 2018 in den Beginn der Renovierungsmaßnahmen. Nicht einfach war es, auf der damals wie heute höchsten Baustelle im Landkreis Schwandorf die Voraussetzung für die Arbeiten zu schaffen. In dem unwegsamen Gelände mussten Gerüst, Baumaterial und Wassertanks antransportiert werden, dabei kam auch öfters ein Autokran zum Einsatz. Die Stromversorgung erfolgt über ein Dieselaggregat. Für Arbeiten, die in Eigenleistungen seitens der Gemeinde erbracht werden können, ruft Bürgermeister und Fördervereins-Vorsitzender Gerald Reiter je nach Notwendigkeit auf und findet bei den heimatverbundenen Bewohnern auch Gehör.

Aktuell sind die Fachleute der Baufirma Hampel aus Roding wieder mit dem Ausstemmen alter Fugen und dem Einbau von Bruchsteinen beschäftigt. Mit einem speziellen Kalkmörtel, wie Bauleiter Martin Ruhland erklärte, werden die Steine ausgefugt. An abgebröckelten Steinstellen werden Eisenstangen eingesetzt, damit ein Wegbrechen des Materials verhindert wird. Etwa vier Wochen, so schätzt der Bauleiter, sind heuer die Arbeiter auf der Baustelle noch im Einsatz. Wann es weitergeht, wird mit der Gemeinde abgeklärt. Denn je nach Bauabschnitt sprechen auch die Genehmigungsbehörden bei diesem Projekt mit.

Bürgermeister Gerald Reiter sieht es auch für die derzeitige Generation als eine Pflichtaufgabe, mit der Renovierung ein Stück Geschichte zu erhalten. Für die Bewohner wäre es bestimmt etwas Besonderes, wenn sie das Stadlerner Wahrzeichen, um das sich viele Geheimnisse ranken, auch vom Dorf aus sehen könnten.

Hintergrund:

Eine Burg vieler Herren

Nach der voraussichtlichen Gründung im 11. Jahrhundert, befand sich die Festung im 13. Jahrhundert in der Hand der Herren von Hostau und Muttersdorf. Im 14. Jahrhundert kam sie an die Landgrafen von Leuchtenberg, die Herren von Waldau zählten "Reichenstein" im 15. Jahrhundert zu ihren Besitztümern. 1431 fiel die Burg, nach dem Verrat eines Bediensteten, in die Hand der Hussiten und wurde ein Jahr später durch Pfalzgraf Johann von Neunburg/Neumarkt wieder freigekämpft. Nach urkundlicher Erwähnung folgte im 16. Jahrhundert der Eigentumswechsel an die "Ritter von Fuchs".

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