06.05.2021 - 14:01 Uhr
SpeinshartOberpfalz

25 Jahre im Amt: Albert Nickl dienstältester Bürgermeister im Landkreis Neustadt/WN

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Landwirt wollte er einmal werden, um als viertes von sechs Kindern den Bauernhof in Münchsreuth zu übernehmen. Doch das berufliche Schicksal des aufgeweckten Buben Albert Nickl meint es anders. Die Kommunalpolitik wird für ihn zur Berufung.

Mit Gemeindebürgern und Parteifreunden ausgelassen zu feiern und den Alltagsstress für ein paar Stunden hinter sich zu lassen - für Bürgermeister Albert Nickl (links) eine Wohltat.
von Robert DotzauerProfil

Dass beim zweiten Bürgermeister von Speinshart und Gemeindeklärwärter Roland Hörl weit nach Mitternacht das Smartphone klingelt, ist keine Seltenheit. Ein Alarmsignal aus der Kläranlage? Weit gefehlt. Es ist in der Regel ein rastloser Bürgermeister Albert Nickl, der noch bis in die frühen Morgenstunden hinein noch viel zu klären hat oder schon für den kommenden Tag vorarbeitet. Dieser umtriebige Gemeindechef feierte Anfang Mai nun sein 25-jähriges Arbeitsjubiläum als Bürgermeister. Im jugendlichen Alter von 32 Jahren wurde er, vom Vertrauen der Bürgerschaft getragen, zum 1. Mai 1996 in das Ehrenamt des Bürgermeisters der Klostergemeinde berufen. Seither regiert er mit viel Umsicht und seiner ihm eigenen Dynamik unangefochten.

Gewissermaßen gehört Nickl zu den personifizierten Urgesteinen der kommunalen Selbstverwaltung. Mit 25 Amtsjahren ist er der dienstälteste Bürgermeister im Landkreis Neustadt/WN. Auch in den bayerischen Landen sind solche langjährigen Diener der Gemeinde nur noch selten zu finden. Wie feiert Albert Nickl dieses Jubiläum? In dem Wort steckt das hebräische „Jobel“, das heißt „Freudenschall“. Im 3. Buch Moses ist nachzulesen, warum sich die Landsleute freuen durften. Es wurden ihnen sämtliche Schulden erlassen. Im Klosterdorf fällt der Jubel bescheidener aus. Die kleinen Gemeinden müssen alle Moneten zusammenkratzen, damit sich die Kommunen fortentwickeln können. Auch in Speinshart. Und doch ist Albert Nickl einer, der immer wieder neue staatliche Finanzierungsquellen findet, um die Zukunftspläne der 1200-Seelen-Gemeinde umzusetzen.

Seit seinem Amtsantritt setzt der gelernte Banker in einer Vielzahl von Bereichen bleibende Akzente. „Der eine wartet, bis die Zeit sich wandelt, der andere packt an und handelt.“ Albert Nickl liebt keine Sprüche, aber Sprichwörter. Und anpacken wollte er immer. Dafür wurde er stets mit hohen Zustimmungsgraden wiedergewählt. Der Jubilar profitiert dabei von seiner Gabe, nachhaltige Projekte anzuschieben, aber nie den Konsens aus dem Blick zu verlieren. Innovation und Integration zu vereinen sind sein Credo. “Zur guten Idee gehört mitunter viel Überzeugungskraft, Kompromissbereitschaft und Diplomatie.“ Diese Einsicht ist für Albert Nickl der Schlüssel zum Erfolg, der sich in all den Amtsjahren Schritt für Schritt einstellt.

Ein Bürgermeister muss drängen, nicht nur brav warten, was höheren Orts Zustimmung findet. Hätte Nickl sich nicht an diese Erkenntnis gehalten, gäbe es in Speinshart nicht die Erfolge im Bereich der Dorferneuerung, den Bauboom und eine Prämonstratenserabtei, die nach ihrer Generalsanierung und der Gründung einer Internationalen Begegnungsstätte als Hoffnungsträger für Glaube, Kultur und Kunst weit in das Land hinausstrahlt. Ein gänzlich im neuen Glanz herausgeputztes Klosterdorf als Dreh- und Angelpunkt in der Region, das ist sein Traum, wie er mit leuchtenden Augen zugibt.

Jedes gelungene Projekt und auch die Spaßfaktoren gelungener Feste stärken die Begeisterung für das Bürgermeisteramt, wie der Gemeindechef bilanziert. Symbolisch spielt heute in Speinshart die Musik, wenn da nicht die Corona-Pandemie auf die Stimmung drücken würde, sagt Nickl, der in diesen Tagen noch eine Spur nachdenklicher wirkt als sonst. „Die Folgen der Coronakrise wird die Kommunen noch kräftig durchschütteln“, prophezeit er. Deshalb macht sich der Bürgermeister auch Sorgen um das künftige gesellschaftliche Zusammenleben. „Wir brauchen das Miteinander – erst recht nach der Krise.“ Dem Gemeinschaftsgeist in allen Ortsteilen ordnet er deshalb eine Schlüsselfunktion zu. Auf viele gute Geister hofft der Jubilar auch bei der Bewältigung der riesigen Zukunftsaufgaben. Eines der großen Ziele ist es, das historische Klosterdorf als besonderen Ort der Begegnung und der Bildung weiterzuentwickeln. „Wir stehen am Beginn einer neuer Gemeindeepoche“, verkündet Nickl vielsagend. Ein 15-, 16- oder 17-Stunden-Tag sei da manchmal einschließlich nächtlicher Telefonate mit dem zweiten Bürgermeister vorprogrammiert.

Seine Familie mit Ehefrau Elisabeth nennt Nickl eine große Stütze. „Das gibt mir viel Kraft.“ Leider hätten die drei Kinder in all den Regierungsjahren ihren Papa viel zu wenig gesehen. Auch deshalb sei kommunales Wirken kein reines Honigschlecken. Trotzdem ist für Nickl die Kommunalpolitik zur Lebensaufgabe geworden.

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Speinshart
Hintergrund:

Albert Nickl

  • Seit 25 Jahren Bürgermeister von Speinshart
  • 1963 in Münchsreuth geboren, seit 1988 mit seiner Elisabeth verheiratet, drei Töchter, ein Enkelkind
  • 1979 bis 1981 Lehre zum Bankkaufmann
  • Politisch aktiv seit 1980 als JU- und CSU-Mitglied, 1990 Wahl zum Gemeinderat, CSU-Fraktionssprecher
  • 1990 bis 1999 JU-Kreisvorsitzender, langjähriger CSU-Ortsvorsitzender
  • Seit 1990 Kreisrat
  • Ab 1. Mai 1996 Bürgermeister der Klostergemeinde
  • 2002 bis 2014 Vorsitzender der CSU-Kreistagstagsfraktion
  • Seit 2014 stellvertretender Landrat
  • leidenschaftlicher Hobbygärtner, wegen Zeitmangels oft auch mit Stirnlampe
  • seit 2009 daher auch Verantwortung als Kreisvorsitzender im Kreisverband für Gartenbau und Landespflege
Stets auf der Suche nach staatlicher Unterstützung macht Albert Nickl auch nicht vor dem Regierungschef Halt. Unser Bild zeigt Markus Söder noch als Bayerischen Finanzminister beim Lichtmessempfang im Jahr 2014.

 

 

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