05.02.2021 - 17:17 Uhr
Silberhütte bei BärnauOberpfalz

Pläne für Silberhütte: Für Präsentation den richtigen Zeitpunkt abwarten

Obwohl die Machbarkeitsstudie zur künftigen Nutzung der Silberhütte längst fertig ist, stockt das Projekt. Warum es wichtig ist, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten, erklärt Bürgermeister Alfred Stier.

Die Silberhütte soll zum "Ersten Europäischen Klima- und Naturverständniszentrum" werden. Details der Umsetzung wurden in einer Machbarkeitsstudie erarbeitet. Mit der Präsentation der Ergebnisse möchte Bürgermeister Alfred Stier aber noch warten.
von Lena Schulze Kontakt Profil

An der Silberhütte soll das „Erste Europäische Klima- und Naturverständniszentrum“ entstehen. So die Vision von Bärnaus Bürgermeister Alfred Stier. Künftig soll das frühere Schutzhaus als Bildungseinrichtung genutzt werden, um insbesondere Schulklassen die Umwelt erlebnisreich näherzubringen. Details erarbeiteten drei Büros in einer Machbarkeitsstudie, die durch das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) mitgetragen wurde.

Ergebnisvorstellung zurückstellt

Bereits Anfang 2020 wurde die Machbarkeitsstudie nach einem halben Jahr fertiggestellt, informiert Alfred Stier im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. „Seit einem Jahr ist nichts passiert. Null. Corona hat das Projekt komplett ausgebremst“, sagt der Bürgermeister. „Es war eine mutige Entscheidung, aber ich musste die Vorstellung der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie der Silberhütte 2020 zurückstellen.“ Eigentlich sollte das Consult-Büro Peplies die Studie im Dezember im Stadtrat vorstellen. Dann kam der zweite Lockdown. Aktuell steht die Präsentation auf der Agenda einer Klausurtagung des Stadtrats. „Die Zusammenfassung der Studie einfach nur hochladen, das geht nicht“, findet der Rathauschef.

Um das Projekt Naturverständniszentrum weiter voranzutreiben, will Stier ein Gespräch mit Ministerpräsident Markus Söder. „Das war eigentlich schon im Frühjahr 2020 geplant.“ Dem Ministerpräsidenten will der Bürgermeister keine 600 Seiten vorlegen und auch keine zehnseitige Zusammenfassung. „Dafür ist mir das Investvorhaben viel zu wichtig. Das muss man in einem Gespräch erklären. Und dazu muss man den richtigen Zeitpunkt abwarten“, ist sich Stier sicher. Aktuell in Corona-Zeiten habe er Verständnis, dass Söder andere Probleme habe und die Nerven bei Entscheidungsträgern blank lägen. „Da braucht man nicht mit so einem Projekt um die Ecke kommen. Ich kann doch jetzt nichts anzetteln und dann geht nichts weiter.“

Schülern Natur nahebringen

Die Grundidee für das „Erste Europäische Klima- und Naturverständniszentrum“ entstand vor über zwei Jahren, noch bevor die Stadt die Silberhütte im Dezember 2018 kaufte. Dort sollen Kindern und Jugendlichen künftig Grundwerte und Lebensregeln mit auf den Weg geben werden, besonders in Bezug auf den Umgang mit der Natur. Das Zentrum soll Bestandteil der schulischen Ausbildung werden und ein Ausgangspunkt sein, weitere Lernstandorte im Landkreis – etwa zu den Themen Jagd, Fischerei oder Glaube – zu besuchen.

Untergebracht werden sollen die Schüler nicht in einer Jugendherberge, sondern in einer „Tiny-House“-Siedlung. Die Planer sehen vor, 20 bis 25 Mini-Häuser direkt an die Silberhütte anzuschließen. „Das würde ich aber nicht tun, das zerstört das Flair der Gebäude. Die Silberhütte darf man nicht zubauen“, merkt Stier an. Sein Wunsch sei es, die Tiny-Häuser in den Ort Altglashütte zu verlegen.

Rückbau des Schutzhauses

Auch hinsichtlich des geplanten Umbaus des früheren Schutzhauses hat der Rathauschef eigene Vorstellungen: „Meine Idee ist ein Rückbau.“ Denn in dem historischen Gebäude seien viele umweltbelastende Materialien verbaut, auch energetisch entspreche es kaum mehr den aktuellen Anforderungen. „Das möchte ich einer Nachfolge-Generation nicht antun. Das muss man jetzt korrigieren“, erklärt Stier. Denkmalgeschützt seien nur die Gaststube und die Lamperie (Holzvertäfelung) sowie zwei Türstöcke. Dem Denkmalschutz ist laut Stier wichtig, dass die Silberhütte nicht ersatzlos verschwindet. „Das haben wir auch nicht vor. Ich bin mir absolut sicher: Wenn ich das Konzept für das Zentrum vorlege, hat das Denkmalamt nichts dagegen.“

Seiner Meinung nach könnte man das Gebäude bis auf die Fundamentplatte abreißen. Darauf soll eine komplett neue Silberhütte in Holzbauweise nach den neuesten ökologischen Standards errichtet werden. Darin sollen die Verwaltung des Zentrums sowie eine Hausmeisterwohnung und eine Art Info-Raum, indem die Grundzüge der Einrichtung erklärt werden, einziehen.

Nebeneffekt für Waldfreibad

Seiner Meinung nach könnte man das Gebäude bis auf die Fundamentplatte abreißen. Darauf soll eine komplett neue Silberhütte in Holzbauweise nach den neuesten ökologischen Standards errichtet werden. Darin sollen die Verwaltung des Zentrums sowie eine Hausmeisterwohnung und eine Art Info-Raum, indem die Grundzüge der Einrichtung erklärt werden, einziehen.

Nebeneffekt für Waldfreibad

Die Schülergruppen sollten laut Bürgermeister je eine Woche bleiben und täglich neue naturnahe Lernorte erleben. Auch Freizeit-Aktivitäten soll es für die Kinder und Jugendlichen geben. Im Sommer Schwimmen oder Radfahren, im Winter beispielsweise Skilanglauf. Dazu müsste das Waldfreibad Altglashütte, das ebenfalls Teil der Machbarkeitsstudie war und einen extremen Investitionsrückstand hat, modernisiert werden.

Privatmann plant Sterne-Hotel

Zudem war Teil der Machbarkeitsstudie, ob sich ein Vier-Sterne-Hotel mit Blick auf die Auslastung rentieren würden. Dieses Vorhaben werde aber von einem Privatmann verfolgt, berichtet Stier. In diesem Haus könnten Familien und Erwachsene einquartiert werden, die das Zentrum besuchen wollen. „Der Privatmann hat für sein Vorhaben bereits drei Investoren. Aber damit hat die Stadt Bärnau eigentlich weiter nichts mehr zu tun“, sagt Stier auf Nachfrage.

In das „Erste Europäische Klima- und Naturverständniszentrum“ an der Silberhütte sollen geschätzt rund 20 Millionen Euro investiert werden. 10 Millionen Euro an Fördergeldern vom Bund sind laut Stier schon sicher. „Zusätzlich brauchen wir noch Geld vom Freistaat. Die Stadt Bärnau alleine kann das nicht leisten“, erklärt der Bürgermeister. Die Umsetzung könne nur mit Unterstützung der Bayerischen Staatsregierung klappen, weshalb Stier auf das besagte Gespräch mit Ministerpräsident Söder hofft. „Bevor wir eine Absage riskieren, warten wir lieber einen günstigen Zeitpunkt ab“, betont er. „Wir werden eine Chance bekommen, das Projekt vorzustellen. Nach Corona.“ In Zeiten der Pandemie könne er niemanden dazu animieren, sich in so ein Projekt einzulesen. „Das muss man persönlich vorstellen.“

Silberhütte Location für Filmdreh

Bis zum Baustart werden noch einige Jahre vergehen, vermutet Stier. Im April/Mai dieses Jahres wolle aber eine Filmgesellschaft aus Berlin die Silberhütte schon mal als Drehort für einen Film nutzen. „Das nehmen wir natürlich gerne mit“, sagt das Stadtoberhaupt.

Die Machbarkeitsstudie ist auch Schlüssel für den Erhalt des Freibads Altglashütte

Altglashütte bei Bärnau

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber unterstützt die Machbarkeitsstudie zur Silberhütte

Bärnau
Die Machbarkeitsstudie für die Silberhütte ist abgeschlossen. Dort soll das "Erste Europäische Klima- und Naturverständniszentrum" entstehen.
Hintergrund:

Vom Schutzhaus zum Klima- und Naturverständniszentrum

  • Im Dezember 2018 kauft die Stadt Bärnau das Schutzhaus Silberhütte inklusive 2,5 Hektar Grund vom OWV für einen niedrigen sechsstelligen Betrag.
  • Schon vorher war die Vision von einem Klima- und Naturverständniszentrum entstanden.
  • Die Stadt gibt Mitte 2019 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Sechs Monate arbeiten drei Büros an der Erstellung. Kosten: 140 000 Euro.
  • Die Machbarkeitsstudie teilt sich in drei Bereiche auf: Silberhütte als Bildungseinrichtung, Vier-Sterne-Hotel (Privatinvestor), und „Tiny-Houses“ für Schülerunterbringung samt Freizeitangebot mit Freibad Altglashütte.
  • Die Gesamtinvestitionen für das Verständniszentrum belaufen sich auf rund 20 Millionen Euro. Die Hälfte, 10 Millionen Euro, werden durch den Bund gedeckt.
  • Die Corona-Pandemie verhindert im Frühjahr 2020 die Vorstellung der Studienergebnisse.
  • Bürgermeister Alfred Stier schätzt, dass mit der Maßnahme erst in zwei bis drei Jahren begonnen wird.

 

 

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