Um Kanalisation in Senkendorf kämpfen müssen

Fast würde sich für Hans Wopperer der Kreis schließen. Unter Johann Walter als Bürgermeister fing er vor 42 Jahren als Gemeinderat in Kastl an, unter dessen Sohn hätte er nun weiter mitbestimmen können. Doch er hat sich anders entschieden.

Hans Wopperer nimmt als Gemeinderat den Hut. Nach 42 Jahren scheidet der Senkendorfer aus dem Kastler Gremium aus.
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Hans Wopperer hat nie mitgezählt, doch bei 12 Zusammenkünften im Jahr werden es wohl etwa 500 Gemeinderatssitzungen gewesen sein, an denen er teilgenommen habe. Bei der nächsten wird der 69-Jährige nicht mehr dabei sein.

Eigentlich wollte er bereits vor sechs Jahren einen Schlussstrich unter die Mitarbeit in der Kommunalpolitik ziehen. Doch sein Umfeld konnte ihn nochmal umstimmen: „Du musst dabei bleiben“, das nächste Mal könne er aufhören. So ähnlich hatten die Worte auch 1978 geklungen, als Senkendorf und Reuth nach Kastl eingemeindet wurden, berichtet Wopperer. Er war seinerzeit 27 Jahre alt und Kommandant der Löschwitzer Feuerwehr (1974 bis 1979). „Damals sind einige aus Kastl gekommen und haben gesagt: ,Du musst dich aufstellen lassen'.“

Und prompt saß Wopperer dann für die CSU mit im Gremium, das Johann Walter senior als Bürgermeister leitete, und als Löschwitzer Kommandant zunächst mitunter zwischen den Stühlen, wenn es um die Belange für die Brandschützer ging. Da habe sich keine der beiden Gemeinden (Kemnath und Kastl) so richtig zuständig gefühlt, aber das habe sich mit der Zeit eingerenkt.

Bei den folgenden Kommunalwahlen musste der Senkendorfer für eine Kandidatur „nimmer recht gefragt werden“. Und so habe er als „Stimmenfänger“ in den folgenden Jahrzehnten neben Walter mit dessen Nachfolgern Albert Braun, Bruno Haberkorn und zuletzt Josef Etterer zusammengearbeitet.

Baugebiete mitgestaltet

Unter ihnen war Wopperer „fast immer im Bauausschuss mit drin“. Auch im Schulverband sei er früher als Ratsmitglied dabei gewesen. Als Gemeinderat hat der Senkendorfer zahlreiche Baugebiete mitgestaltet und begleitet. „Am Kastler Berg standen damals zwei bis drei Häuser“, weiß er noch aus der Zeit von vor 40 Jahren. Jetzt gebe es die Baugebiete „Am Bühl“, „Heckenring“ und „Lettenwiese“.

Und auch ein kleines in Senkendorf. „Dazu wäre es ohne die Kanalisation nicht gekommen“, ist der gelernte Müller überzeugt. Dafür habe er Anfang der 1990er Jahre viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. „Das ist immer schon in den Bach gelaufen. Das kostet viel Geld“, seien die Argumente der Gegner gewesen. Die Alternative zu einem Anschluss an Kemnath wären Hauskläranlagen gewesen, die auch 10 000 bis 15 000 Mark gekostet hätten. Irgendwas habe man auf Drängen des Wasserwirtschaftsamtes machen müssen. „Nach schweren Diskussionen waren hinterher alle froh, dass die Kanalisation gekommen ist.“

Froh ist Wopperer auch, dass sich die Gemeinde gegen das Straßenbauamt bezüglich einer Unterführung in Kastl habe durchsetzen können. Die Behörde habe nämlich an der Staatsstraße eine Kreuzung mit Ampeln gewollt.

„Wir stehen gut da“, fasst er die aktuelle Situation der Kommune zusammen. Man habe sich „schon was leisten können“. Allerdings müsste „straßenbaumäßig noch was laufen. Aber das sollen die Neuen machen“, schreibt der 69-Jährige dem künftigen Kommunalparlament ins Hausaufgabenheft. Vor allem die Strecke von Reuth nach Altköslarn und Gründlhut im Zuge des Kernwegenetzes der Steinwald-Allianz „sollte heuer noch gehen“. Dafür wollte die Gemeinde die Zuschüsse mitnehmen, doch das Projekt stehe schon seit mittlerweile vier Jahren im Haushalt.

Dank an Ehefrau Maria

Auf seine kommunalpolitische Tätigkeit blickt Wopperer gerne zurück, verbunden mit einem Dank an seine Frau Maria, die sein Engagement hingenommen und zu ihm gehalten habe. Im Gremium sei es ein „angenehmes Arbeiten“ gewesen. 95 Prozent der Beschlüsse seien einstimmig gewesen, schätzt er. Und wenn nicht: „Ein bisschen Würze muss drin sein.“ Es sei dann solange diskutiert worden, bis es gepasst habe.

Neben der Landwirtschaft und dem Betrieb der Senkendorfer Mühle hat Wopperer vor einem Vierteljahrhundert einen Naturkostladen eröffnet und aufgebaut. Um das Anwesen kümmert sich mittlerweile Tochter Andrea Heining. Allerdings steht die Mühle inzwischen still, da es in der Familie keinen Nachfolger im Müllerhandwerk gab und auch größere Investitionen anstanden. So hätte der fünffache Opa jetzt mehr Zeit für seine Enkelkinder und um dem Schafkopfspielen zu frönen. Doch wegen der Corona-Pandemie sei die freitägliche Runde derzeit verboten. Auch mit dem Singen im Kirchenchor, dem er seit 15 Jahren angehört, klappt es deswegen derzeit nicht. Wie gut, dass der 69-Jährige aber auch gerne im Garten und im Wald arbeitet.

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