Junglandwirt beim Bio-Bauernstammtisch: Landwirtschaft muss auch ein Hobby sein

Nach der langen Corona-Pause haben die Öko-Modellregionen Steinwald, Stiftland, Siebenstern und Naturparkland Oberpfälzer Wald zum Bio-Bauernstammtisch nach Seidlersreuth eingeladen.

von Werner RoblProfil

Fachsimpeln am Loanz’n-Biohof und an den Feldern der Landwirtsfamilie Schmid mit anschließendem gemütlichen Beisammensein an der Hofstelle: Der 17. Bio-Bauernstammtisch – eine Idee der Öko-Modellregion Steinwald – lockte rund 50 Bio-Landwirte aus der Region nach Seidlersreuth bei Falkenberg. Organisiert wurde die verbandsübergreifende Veranstaltung von der Steinwald-Allianz-Projektmitarbeiterin Eva Gibhardt. Das Treffen nutzte Falkenbergs Bürgermeister Matthias Grundler für ein „Grüß Gott aus Falkenberg". Das Marktoberhaupt bezeichnete die Burggemeinde als Schnittstelle vom Stiftland zum Steinwald.

Der Vorsitzende der Steinwald-Allianz und Bürgermeister von Erbendorf, Johannes Reger, sagte: Der Bio-Bauernstammtisch dient der Bewusstseinsbildung. Bei der Begrüßung unter freiem Himmel versprach Elisabeth Waldeck, Projektmanagerin der Öko-Modellregion-Steinwald, eine „große Bandbreite an Themen“. Begleitet wurde die Gruppe von Lisa Hertel und Laura Stecher (Siebenstern), Jonas Bierlein (Stiftland), Eva Gibhardt und Günther Erhardt (Steinwald).

Der Seidlersreuther Naturland-Betrieb Schmid mit langjährigem Schwerpunkt Getreide-Saatgut-Vermehrung befindet sich im zweiten Umstellungsjahr. „Wir arbeiten, wenn man von den zwei Wellness-Pferden und drei Katzen, die sich um die Mäuse kümmern, einmal absieht, seit der Umstellung viehlos“, beschrieb Josef Schmid jun. den Familienbetrieb Loanz’n-Biohof, den er im Nebenerwerb bewirtschaftet. Tagsüber ist der Vater von drei Kindern als Projektleiter bei einer Firma in Wackersdorf beschäftigt.

Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien, wie sich der Haupt- mit dem Nebenberuf vereinbaren lässt, antwortete der Junglandwirt: „Landwirtschaft muss auch ein Hobby sein.“ Bis vor einigen Jahren pflegte man am Loanz’n-Hof auch Christbaum-Kulturen. „Wir haben die Nische 2019 eingestellt. Nur so nebenbei war das einfach nicht mehr möglich“, bekannte der Seidlersreuther. An anderer Stelle betonte Josef Schmid, zu dessen landwirtschaftlichem Arbeitsumfeld längst auch ein Computer und die Büroarbeit gehören: „Man merkt, was Landwirtschaft bedeutet.“

Zurückblickend sagte Schmid jun.: „Als ich mich dafür entschied, den Hof weiter zu bewirtschaften, reifte auch der Entschluss, dass ich dort ökologisch arbeiten möchte.“ Sein erfahrener Vater, der den gleichen Vornamen trägt, unterstützte die Herausforderung. Beim Hofrundgang und später bei der Wanderung an die Äcker wurde deutlich: Senior und Junior ziehen an einem Strang. Auf den rund 40 Hektar großen Flächen gedeihen Weizen, Triticale, Hafer, Gerste und Lupinen. „Kleegras“, so der Jungbauer, „wird für die Futter-Mist-Kooperation mit einem anderen Naturland-Milchvieh-Betrieb oder als Bio-Gas-Substrat angebaut“.

Den Schlusspunkt bei einbrechender Dunkelheit setzte eine Spatenprobe am Lupinenfeld im Süden von Seidlersreuth. Die Vorzüge der weißen Lupinen, eine wertvolle Eiweißnahrung für die biologische Tierfütterung und ein für den Boden zuverlässiger Stickstofflieferant, erklärte Naturland-Berater Konrad Maier. Anders als die blauen und gelben Artenvertreter sei die auf dem Seidlersreuther Acker wachsende Pflanze auch für Schweine und Geflügel verträglich. Der Anbau dient hier aber der Saatgut-Gewinnung.

Mit dem abschließenden gemütlichen Beisammensein am Seidlersreuther Vierseithof wurde der Bio-Bauernstammtisch seinem Namen gerecht. Nach Angaben der Öko-Modellregion Steinwald werden die Bauernstammtische – sofern es die Corona-Regeln zulassen – künftig abwechselnd von den Öko-Modellregionen Steinwald, Stiftland, Siebenstern und Naturparkland Oberpfälzer Wald weiter fortgeführt.

Hier ein weiterer Bericht zur Öko-Modellregion Steinwald

Ebnath

„Als ich mich dafür entschied, den Hof weiter zu bewirtschaften, reifte auch der Entschluss, dass ich dort ökologisch arbeiten möchte.“

Josef Schmid jun.

 

 

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