04.05.2021 - 16:10 Uhr
SchwarzhofenOberpfalz

Im Eiltempo zur neuen Brücke für Schwarzhofen

Das Urteil der Statiker vor einem Jahr ist vernichtend ausgefallen. Die Schwarzachbrücke ist gesperrt. Nun stellen Gemeinde und Wasserwirtschaftsamt die weiteren Pläne vor. Neben der Brücke soll es auch am Gewässer selbst Änderungen geben.

VG-Geschäftsstellenleiter Jürgen Steinbauer, Christian Götz und Anton Baumann vom Wasserwirtschaftsamt Weiden sowie Bürgermeister Maximilian Beer (von links) stehen vor dem Bereich der Schwarzach, den das Wasserwirtschaftsamt umkrempeln will.
von Julian Seiferth Kontakt Profil

Der desolate Zustand der Schwarzachbrücke zwischen Schwarzhofen und dem Ortsteil Häuslern könnte schneller behoben werden als bisher gedacht - zumindest, wenn es nach Maximilian Beer, dem Schwarzhofener Bürgermeister, geht.

Von erheblichen Sicherheitsmängeln hatte Maximilian Beer bereits vor Monaten gesprochen, der Bericht des Sachverständigen Franz Eckl hatte im vergangenen Jahr eine lange Liste an Problemen aufgezählt. Diese fing bei durchgerosteten Metallstützen an und endete mit aus der Brücke selbst herausbrechender Vegetation.

2023 soll der Neubau fertig sein

Sollten äußere Faktoren wie Frost und Hochwasser der Brücke weiter schaden, sei selbst ein Einsturz nicht ausgeschlossen. Die für Fußgänger wie Radfahrer unsicheren Brückengeländer trugen ihren Teil zu einem katastrophalen Gesamteindruck bei. Eckls Empfehlung an die Gemeinde war somit logisch, und auch im Rathaus wollte niemand die Verantwortung für eine weder stand- noch verkehrssichere Brücke übernehmen. Die Sperrung habe in den vergangenen Monaten zu Turbulenzen geführt, sagt Beer im Rückblick, die Brücke sei ein wichtiger Verkehrsweg für Schwarzhofen. Eine Alternative habe es nicht gegeben: "Der Statiker sagt uns, dass die Schwarzachbrücke jederzeit zusammenkrachen kann."

Hoffnung auf eine schnelle Behebung des Problems und damit der Sperrung bestand zunächst allerdings nicht: Wegen der finanziellen Situation Schwarzhofens schien eine Lösung ursprünglich erst in einigen Jahren in Reichweite. Doch jetzt soll es ganz schnell gehen: Bis zum Ende des Jahres sollen die Planungen für eine neue Brücke abgeschlossen sein, kurz darauf der Abbruch beginnen. Im Jahr 2023 soll dann der Neubau fertiggestellt werden. "Wir müssen jetzt früh tätig werden und haben deshalb bereits Planungsbüros kontaktiert", sagt Beer.

Den beschleunigten Zeitplan möglich machen zwei Förderprogramme: Da durch die Sperrung der Brücke auch die örtlichen Rad- und Wanderwege unterbrochen sind, hat der Bund die Marktgemeinde in sein Förderprogramm „Stadt und Land“ aufgenommen, mit dem eben solche Lücken im Rad- und Wandernetz geschlossen werden sollen. Den Neubau der Brücke will der Bund mit 80 bis 90 Prozent fördern.

Vor dem Neubau steht allerdings der Abbruch, nur so wird die Lücke manifest. Auch dieser kostet - und zwar Geld, das Schwarzhofen nicht hat. Hier gibt es ebenfalls Hilfe von außerhalb, in diesem Falle von der Regierung der Oberpfalz. Aus Regensburg fließen durch die Städtebauförderung 60 Prozent in die Entfernung der alten Schwarzachbrücke. Beers Argument, dem die Bezirksregierung nun folgt: Durch Abbruch und Erneuerung der Brücke werde ein gravierender Missstand beseitigt, die Lebensqualität in Schwarzhofen werde so erheblich verbessert. Für Fahrzeuge soll die Brücke dann nicht mehr breit genug sein, dafür aber für Radfahrer, Fußgänger und kleine Festzüge. Beer nennt das Bauwerk eine „Wunde, die nun endlich wieder geschlossen werden kann“.

Einen Impuls zu mehr Eile gab es auch aus Weiden: Das Wasserwirtschaftsamt will sich der Schwarzach von unterhalb des Wehres bis zur gesperrten Brücke annehmen, diese Arbeiten sollen zum Jahresende 2023 beginnen. "Die Schwarzach ist ein sogenanntes Gewässer Erster Ordnung und damit in der Verantwortung des Freistaats. Sie ist für uns ein bedeutender Fluss", erklärt Projektleiter Anton Baumann. Bezüglich des Brückenneubaus, der das fragliche Gebiet abschließt, stehen Wasserwirtschaftsamt und Rathaus in engem Kontakt, beide Seiten bevorzugen einen niedrigen Übergang, der anders als die alte Ausführung ohne Mittelstrebe stehen kann. "Das wäre für den Abfluss des Wassers wichtig", erklärt Baumann.

Der Projektleiter will zusammen mit Christian Götz, der beim Wasserwirtschaftsamt den Bereich Wasserbau leitet, die Schwarzach zugänglicher machen und "die Erlebbarkeit verbessern". Ein Teil davon ist die Optik: Anwohner klagen schon länger über den Bewuchs an den Ufern des Flusses.

Das Wasserwirtschaftsamt will ein Planungsbüro beauftragen, Baumann sieht das Unterfangen noch in den Kinderschuhen: "Unser Ziel ist es, mehr Erholung möglich zu machen. Wir könnten beispielsweise die Insel zugänglich machen und vielleicht sogar Bademöglichkeiten schaffen."

Der erste Vorentwurf soll in den kommenden drei Monaten entstehen und dann breit diskutiert werden, unter anderem mit den Schwarzhofenern selbst. Auch Naturschützer und die Fischerei will Baumann miteinbeziehen.

Als die Bierbank beinahe versank

Maximilian Beer selbst sieht die anstehenden Veränderungen rund um die Schwarzach positiv. Das Gewässer als Lebensraum zurückzubekommen, das sei doch eine wunderschöne Geschichte.

"Ich kann mir schon die Kinder vorstellen, die im Wasser spielen. Hier habe ich selbst das Schwimmen gelernt, bevor die Wasserqualität zurückging." Die sei inzwischen wieder in Ordnung, nur die Verschlammung macht nach wie vor Probleme. Beer erinnert an eine Bierbank, die im sandigen Untergrund der Schwarzach dereinst beinahe versunken wäre. "Wenn wir das in den Griff bekommen, ist das ein Stück Lebensqualität, das wieder nutzbar wird."

"Eine wunderschöne Geschichte. Hier habe ich selbst das Schwimmen gelernt."

Maximilian Beer, Bürgermeister

Maximilian Beer, Bürgermeister

Jetzt soll es schnell gehen: Bis zum Jahresende will Bürgermeister Maximilian Beer Pläne für den Neubau der Brücke über die Schwarzach vorlegen.

 

 

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