09.07.2021 - 18:57 Uhr
SchwarzhofenOberpfalz

Beim SV Schwarzhofen Ehrenmitglied: Felix Brych pfeift fünf Spiele der Fußball-EM

Der Mann im knallig magenta-farbenen Trikot pfeift bei der Fußball-EM den Fußballkrimi Italien-Spanien – und beim SV Schwarzhofen von 16 Jahren das Jubiläumsspiel gegen Greuther-Fürth. Promi-Schiri Felix Brych ist hier kein Unbekannter.

Schiedsrichter Felix Brych leitete das EM-Spiel Italien-Spanien. Hier ist er im „angeregten“ Gespräch mit den beiden Italienern Marco Verratti (links) und Federico Chiesa.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Felix Brych ist im internationalen Fußball eine Größe: Als Schiedsrichter pfeift er bei Welt- und Europameisterschaften, hebt die Hand, zückt auch die Gelbe oder die Rote Karte. Kompetent, fair und souverän. Wenn Brych auf dem grünen Rasen steht, klopft sich der SV Schwarzhofen auf die Schulter: Beim Schwarzhofener Sportverein ist Felix Brych Ehrenmitglied.

Viele Fußballfans erinnern sich hier noch gerne an den Sommer 2005: Der SV Schwarzhofen feierte 75-jähriges Bestehen und das Spiel gegen den Zweitligisten Greuther Fürth leitete kein geringerer als Felix Brych. Allerdings verlor Schwarzhofen 0:2.

Die Liebe zum Fußball, sie weckte Vater Friedrich Brych. Oberpfalz-Medien erreichte den 83-Jährigen in München. Er pendelt zwischen den Wohnsitzen in der Landeshauptstadt und Schwarzhofen. Friedrich Brych hat sich hier vor vielen Jahren ein Haus gekauft, verbrachte in der Freizeit viel Zeit mit seiner Frau Elke, Tochter Friederike und Sohn Felix, dem Bundesliga- und Fifa-Schiedsrichter, der zur internationalen Fußballgröße wurde. Die Zeit ist immer knapp, doch wenn Felix Brych nach Schwarzhofen kommt, hört Vater Friedrich den Satz "Was habt ihr hier für eine gute Luft".

Friedrich Brych, in Karlsbad geboren, kam 1945 in die Gegend. In Neunburg ging er zur Volksschule und dann zwei Jahre nach Cham zur Oberschule. Beruflich bedingt durch die Arbeit des Vaters zog man nach Westfalen. München wurde später zum Hauptwohnsitz des Chefjuristen der LBS Bayern. 1989 kauften die Brychs das reizvoll gelegene Haus in Schwarzhofen. Friedrich Brych verbringt hier viel Zeit, aber auch in seinem Münchener Domizil.

In München war er nicht unschuldig an der Laufbahn des Sohnes. Friedrich Brych spielte in der Betriebsmannschaft und der kleine Felix war dabei. Er begann dann beim DSC München "und weil er gut war, haben sie ihn zum SV am Hart abgeworben", erzählt der Vater. Schiedsrichter wurden gesucht, das lag Felix Brych, der übrigens in Regensburg Jura studierte. Der promovierte Jurist arbeitet beim Bayerischen Fußballverband und ist dort Abteilungsleiter Talentförderung und als Schiedsrichter tätig.

Seine internationale Karriere wird in Schwarzhofen mitverfolgt: Der frühere SV-Vorsitzende Rüdiger Hügel, 2005 als Abwehrspieler im von Felix Brych geleiteten Spiel, beschreibt den prominenten "Mann in schwarz" als "sympathisch und bodenständig". Wenn er und seine Schwester den Vater, der schon mehrmals Schirmherr bei Veranstaltungen des 600 Mitglieder starken SV war, besuchten, kam die Familie auch mal zur Christbaumversteigerung des Vereins. Und wenn der Weltklasse-Schiedsrichter auf dem Bildschirm zu sehen ist, heißt es in Schwarzhofen eben "Schau, da pfeift der Felix".

Brych blickt auf rund 300 Bundesligaspiele seit 2004, ebenso auf zahlreiche FIFA-Einsätze seit 2007 bei Länder und Europapokalpartien. Und jetzt der große Wurf Europameisterschaft. Felix Brych ist der einzige Schiedsrichter, der fünf Spiele gepfiffen hat, darunter auch den Fußball-Krimi zwischen Italien und Spanien. Wie hat sein Vater das empfunden?

"Ich hab' mich für ihn gefreut", fasst Friedrich Brych zusammen. Als Vater sei er "befangen" und möchte kein Urteil abgeben. Er hat die Spiele verfolgt, mit dem Sohn telefoniert, wohl auch Entscheidungen diskutiert. Doch Brych hält sich zurück: "Da müssen Sie ihn selbst fragen".

Felix Brych war am Donnerstagabend wieder zurück in München. Das Telefonat ist freundlich, aber kurz. Während die EM läuft, äußert sich Brych nicht dazu. Er hat gerade gegessen, regeneriert sich nach den Strapazen der letzten Tage. Also keine Zitate, keine Spieleinschätzungen zum jetzigen Zeitpunkt. Vater Friedrich fand übrigens das Trikot des Sohnes in Magenta klasse. In den nächsten Tagen wird der Senior wieder in Schwarzhofen sein. Der Rasen muss gemäht werden.

Felix Brych leitete das EM-Spiel Italien-Spanien

Sport

"Ich habe mich für ihn gefreut".

Friedrich Brych, Vater des Weltklasse-Schiedsrichters Felix Brych

Friedrich Brych, Vater des Weltklasse-Schiedsrichters Felix Brych

Ein Fußballereignis in Schwarzhofen: Felix Brych (Mitte, mit Ball) leitete im Jahr 2005 das Jubiläumsspiel des SV Schwarzhofen gegen Greuther Fürth.
Hintergrund:

Schiedsrichter Felix Brych

  • Ein festes Team: Felix Brych (45) war mit seinen beiden Assistenten Mark Borsch und Stefan Lupp – seit Jahren ein festes Team – bereits 2014 bei der WM in Brasilien und 2018 in Russland im Einsatz.
  • Zur Karriere des Schiedsrichters gehören die EM 2016 in Frankreich, die Endspiele 2014 in der Europa League zwischen FC Sevilla und Benfica Lissabon. 2015 war er beim DFB-Pokal in Berlin sowie 2017 beim Endspiel in der Campions-League zwischen Juventus Turin und Real Madrid auf dem Spielfeld.
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