26.04.2021 - 17:36 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Wurst per Knopfdruck: Metzger im Kreis Schwandorf setzen auf Grillgut-Automaten

Sonntagabend und spontan Lust, den Grill anzuheizen? Grill-Automaten machen es möglich. Wir haben mit Metzgern aus der Region gesprochen, die ein solches Gerät betreiben. Sie sind zufrieden. Aber es bleiben schon noch Wünsche offen.

Wurst rund um die Uhr: Die Metzgerei Piehler aus Irrenlohe bei Schwarzenfeld hat seit einigen Jahren einen Frischfleisch-Automaten, den der Besitzer „Horst“ getauft hat. Die Nachfrage ist hoch, die Coronapandemie hat daran aber nichts verändert.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Es ist an keine festen Zeiten gebunden und kinderleicht. Ob die Geschäfte offen oder zu haben, interessiert auch nicht, denn dieses Geschäft geht immer. Einmal kurz drücken, schon kommt das Gewünschte heraus. Die Rede ist von Wurst- und Grillfleischautomaten, die nun im Landkreis Schwandorf wie Pilze aus dem Boden schießen.

An diesem Morgen ist es noch kalt und nebelig am Piehler-Hof in Irrenlohe bei Schwarzenfeld. Das Geschäft hat gerade erst geöffnet, doch einer hat bereits die ganze Nacht durchgearbeitet. "Horst" steht da, brummt glücklich vor sich hin und ist in jedem Fall einsatzbereit. Horst, so nennt Hubert Piehler seinen Wurst- und Grill-Automaten vor seinem Laden. Genaugenommen handelt es sich dabei um Horst II, denn der erste Horst hat bereits das zeitliche gesegnet. Piehler setzt also nicht erst seit gestern auf das Konzept Wurstautomat.

Angebot wetterabhängig

Piehler sagt: "Horst ist natürlich stark wetterabhängig. Der ist immer dann gefragt, wenn die Leute sich spontan entscheiden, dass sie heute noch grillen wollen. Besonders Jugendliche nutzen ihn und kommen, um sich außerhalb der Geschäftszeiten noch schnell Bratwürste und Grillfleisch zu holen." Corona hatte nichts damit zu tun, sich nach alternativen Geschäftsmodellen umzuschauen. Horst ist ein gutes Zubrot, um Menschen zu erreichen, die tagsüber nicht die Zeit oder Lust haben, in ein Geschäft zu gehen. Das Gelbe vom Ei ist er für Piehler trotzdem nicht. "Schauen Sie in die Ladentheke. Das kann ein Automat niemals ersetzen", sagt er: "Unsere Kunden, die regelmäßig kommen, wollen einen persönlichen Kontakt zu den Verkäufern haben." Wer kurzfristig plant, am Sonntag ein aufwendiges Fleischgericht zu kochen, der stoße bei Horst schnell an die Grenzen. "Ich kann mir da halt trotzdem nicht einfach so mal einen Rinderbraten rausziehen", sagt Piehler.

Dennoch hat Horst seinen Reiz, weil die Erfahrung, rund um die Uhr am Automaten ziehen zu können, was man gerade möchte, für viele einen Pluspunkt darstellt. "Spontan macht du ja auch keinen Schweinebraten, das ist geplant, aber das ist halt das Spontane, das die Leute anzieht. Mal kurz was auf den Grill oder in die Pfanne legen oder als Camper, wenn ich gerade da bin, die sagen, jawohl, da fahr ich schnell vorbei", weiß Piehler.

"Eher exotisch"

Auch wenn Horst bei den Kunden gut ankommt und auch andere Metzger im Landkreis mittlerweile ähnliche Automaten haben, ist das Konzept "doch eher exotisch", wie Josef Wittmann vom Bayerischen Bauernverband von der Geschäftsstelle Regensburg-Schwandorf erklärt. "Der Unterhalt ist sehr aufwendig und teuer. Wenn er sich rechnen soll, dann zählt eines, und zwar die Lage, die Lage und noch einmal die Lage", sagt er. Ein Einödhof, der abgeschieden auf dem Land "mitten in der Pampa" steht, habe keine Chance, mit einem Automaten, sei er für Milch, Eier oder Fleisch, einen Blumentopf zu gewinnen. "Bei der Anschaffung bist du ruckizucki bei 10 000 Euro. Damit ist es aber noch nicht getan. Du musst zusätzlich ein Gebäude oder zumindest ein Dachl um den Automaten bauen", sagt Wittmann. Sinnvoll sei ein Automat nur dann, wenn er an einer stark frequentierten Straße steht und sich der Weg für die Kunden lohnt. Wittmann: "Ich muss natürlich auch den Strom mit einkalkulieren, dann regelmäßig nachfüllen. Gleichzeitig darf der Preis nicht zu hoch sein. Das große Geschäft macht man mit einem Automaten nicht."

Metzger sind zufrieden

Sehr zufrieden mit seinem Automat, den er 2016 installiert hat, ist Daniel Mayer von der Metzgerei Wilhelm in Teublitz. Mayer: "Der Automat läuft super. Das war auch vor Corona schon so und hat sich auch nicht verändert." Je nach Saison findet man im Sommer Grillgut in der "Fleisch-Boxx" und im Winter Wurst im Glas und zum Beispiel Spaghetti-Saucen. Wer interessiert sich für den Automaten? Mayer zufolge machen Menschen aller Altersklassen Gebrauch von dem Angebot. "Da kommen auch Leute mit dem Rollator hin und holen sich noch schnell eine Brotzeit", sagt der Metzger.

Artikel über Einkauf bei Direktvermarktern

Oberviechtach

Die Metzgerei Biller in Teublitz hat ein anderes Konzept entwickelt. Wie Michaela Falkinger mitteilt, gibt es dort einen Abholautomat. Kunden können vormittags bis 11 und nachmittags bis 17 Uhr etwas per Telefon bestellen. Falkinger: "Wir füllen die Ware in den Automat und die Kunden bekommen dann einen Anruf mit einem Pin-Code." Den Code können sie am Gerät eingeben und mit der Karte zahlen. Danach öffnet sich eines der 20 Schließfächer mit der richtigen Bestellung. Laut Falkinger hat die Metzgerei den Automat zu beginn der Coronapandemie angeschafft. "Die Idee hatte der Chef aber zuvor schon. Eigentlich hätten wir damit im Sommer starten wollen. Aber weil es wegen der Pandemie sinnvoll war, haben wir schon früher damit angefangen."

Alternativen funktionieren auch

Wittmann vom Bauernverband verweist auf ein anderes Konzept, das im Landkreis Schule gemacht hat. Auch hier spielen die herkömmlichen Geschäftszeiten wie bei den Automaten keine Rolle. Das Angebot steht und fällt in dabei aber mit der Ehrlichkeit der Kunden: Direktvermarkter stellen Räume oder Container zur Verfügung, in denen Kunden zu jeder Zeit Produkte wie Kartoffeln oder Eier abholen können. Einen Verkäufer gibt es nicht, sondern die Leute sollen den Betrag, der für die Waren anfällt, in eine Box oder Kasse legen. Direktvermarkter hätten damit bislang gute Erfahrungen gemacht.

„Horst ist natürlich stark wetterabhängig. Der ist immer dann gefragt, wenn die Leute sich spontan entscheiden, dass sie heute noch grillen wollen."

Metzger Hubert Piehler über seinen Wurst-Automaten in Irrenlohe

Metzger Hubert Piehler über seinen Wurst-Automaten in Irrenlohe

Hintergrund:

Milch und Kartoffeln vom Direktvermarkter

  • Milchtankstellen sind eine Möglichkeit für Direktvermarkter, ihre Produkte an die Kunden ohne Kontakt zu bringen. Derzeit gibt es fünf solcher Tankstellen im Landkreis. Die Familie Heigl aus Obermainsbach bei Nittenau, die Familie Weilhammer aus Ponholz, die Familie Stangl vom Blaissl-Biohof in Pottenstetten sowie der Scheibinger Hof in Klardorf und die Familie Roidl in Irlach haben eine Zapfstelle.
  • Die Familie Dobler in Perschen hat einen Selbstbedienungsladen für Kartoffeln. Wer will, kann die Ware kontaktlos holen und bezahlen. Eine Kamera überwacht den Raum.
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