21.04.2020 - 11:16 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Ein "Unkraut" als vielfältiges Gesundheits-Elixier

Friedigarda Lingl sammelt Wildkräuter und verwendet sie zur Zubereitung von Speisen und Getränke.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Die Brennnessel gilt für viele Menschen als "lästiges Unkraut". Friedigarda Lingl nennt sie dagegen die "Königin der Wildkräuter". Für die Kräuterpädagogin aus Schwarzenfeld hat die "anspruchslose Pflanze" einen festen Platz in der Küche. Mit ihren "wertvollen Inhaltsstoffen" stärke die Brennnessel das Immunsystem, rege den Stoffwechsel an und spüle "die Schlacken des Winters aus dem Körper". Mit ihrem hohen Anteil an Vitamin C, Eisen, Calcium und Magnesium wirke das Gewächs gegen Rheumatismus und Gicht, so Lingl. Auf die blutreinigende Wirkung der Pflanze habe schon "Kräuterpfarrer" Sebastian Kneipp (1821 - 1897) hingewiesen. Die Brennnessel entfalte ihre Wirkung im Tee, im Salat oder in der Suppe. "Ihre Samen sind wichtige Energie- und Eiweißspender", erklärt Friedigarda Lingl. In der Pfanne geröstet, eignen sie sich zum Würzen von Quark, Pesto, Salat und Butterbrot.

Lange vor der Baumwolle war die robuste Faser des Brennnessel-Stengels der Rohstoff zur Herstellung des sogenannten Nesseltuchs. Man nannte es auch "das Leinen der Armen". Im biologischen Gartenbau gilt die Brennnessel-Jauche als natürliches Mittel zur Schädlingsbekämpfung bei Kulturpflanzen. Kräuterfee Friedigarda Lingl empfiehlt: Brennnessel in einen Eimer Wasser geben und ein paar Tage stehen lassen. Der Sud eignet sich als Mittel gegen Blattläuse und als Dünger. Wer sich Gummihandschuhe überzieht und die Blätter fest zusammendrückt, bricht die Spitzen der Brennhaare ab und "entschärft" deren brennende Wirkung. "Du setzt dich in die Nesseln", warnt ein Sprichwort allzu Wagemutige.

Wildkräuter bilden auch die Grundlage für viele Arzneimittel. Ihre Kräfte können Alltagsbeschwerden lindern und Krankheiten vorbeugen. Oft wachsen diese natürlichen Schätze direkt vor der eigenen Haustüre. Zum Beispiel der "Spitzwegerich", der zu den wichtigsten Pflanzen der "Volksmedizin" gehört. Für die Kräuterexpertin Christine Ebenschwanger aus Mitteraschau (Stadt Neunburg vorm Wald) ist die Flur eine "Schatztruhe heilender Substanzen". Sie nutzt die Vielfalt der Kräuterwelt zur Herstellung wirkungsvoller Tinkturen. Grundlage dafür ist jeweils die Honig-Essig-Mischung "Oxymel". Mit frischem Spitzwegerich vermischt, ergibt der "Sauerhonig" ein Heil- und Stärkungsmittel mit antibakterieller Wirkung, das vor allem bei Hustenreiz und Atemwegsbeschwerden Anwendung findet. Die Tinktur wird ohne Alkohol hergestellt und ist deshalb auch für Kinder geeignet.

Man nehme 500 Gramm Waldhonig und 250 Gramm Apfelessig und gebe klein geschnittenen Spitzwegerich dazu. Das Ganze mit dem Pürierstab gut mixen, eine Woche dunkel lagern und dazwischen immer wieder schütteln. Anschließend die Tinktur abseihen und in eine Flasche abfüllen. Das Gemisch hält bei kühler und dunkler Lagerung ein Jahr. Bei Husten- und Atemwegsbeschwerden sollte man mehrmals einen Esslöffel davon einnehmen, empfiehlt Kräuterexpertin Christine Ebenschwanger. Der "Spitzwegerich" gilt als klassische "Schleimpflanze" und findet deshalb bei Husten, Bronchitis, Schleimhautentzündungen und Asthma Anwendung. Zudem kann der frische Spitzwegerich-Saft auch bei Insektenstichen hilfreich sein. Dazu reibt man die Blätter zwischen den Händen bis der Saft austritt und legt den Pflanzenbrei auf die verletzten Stellen.

Löwenzahn, Giersch, Brennessel, Zitronen und Gänseblümchen ergeben in einem Wassergemisch einen gesunden Kräuter-Durstlöscher.
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