27.07.2021 - 15:19 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Schwarzenfelder wagt sich als einer von Deutschlands jüngsten Steuerberatern in den Online-Dschungel

Im "Haifischbecken" der Online-Händler hat sich Fabian Hartlich nur kurz getummelt. Lange genug, um zu wissen, wie man da ohne Kollision mit dem Fiskus überlebt. Jetzt startet er durch als einer von Deutschlands jüngsten Steuerberatern.

Fabian Hartlich aus Schwarzenfeld zählt mit 25 Jahren zu Deutschlands jüngsten Steuerberatern und wagt sich in einen Bereich vor, den seine Kollegen eher scheuen: den internationalen Online-Handel.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Ob er nun mit 25 Jahren tatsächlich der jüngste Steuerberater Deutschlands ist - so ganz genau konnte Fabian Hartlich das bei der zuständigen Kammer nicht in Erfahrung bringen. Aber er zählt auf jeden Fall zu den jüngsten in der Branche mit einem Durchschnittsalter von 53,1 Jahren. Nur 1,6 Prozent der Steuerberater sind laut Berufsstatistik von 2020 unter 30. In der Branche, "die mit Nachwuchssorgen und einem langweiligen Image zu kämpfen hat", ist der Schwarzenfelder angetreten, um etwas zu ändern.

Seine "Zentrale" liegt direkt am Bahnhof: In einem älteren, sanierten Backsteingebäude hat der 25-Jährige sein Büro eingerichtet. Viele dicke Aktenordner soll es hier in Zukunft nicht geben, denn für den Newcomer ist klar, das die Zukunft im Digitalen liegt. Auf Schwarzenfeld fiel seine Wahl, weil der Standort fast keine Rolle mehr spielt in dem Segment, das er anpeilt. "Theoretisch könnte ich meine Arbeit auch von einem Ferienhaus in Spanien aus machen", sagt Hartlich, denn mit den meisten seiner Klienten laufe die Zusammenarbeit komplett digital ab. Was früher Mundpropaganda bewirkte, funktioniert heute übers Netz: "Social Media spielt auch bei der Steuerberatung eine Rolle, aber nicht jeder wird sich davon angesprochen fühlen", so der Neuling, der auf jeden Fall das richtige Gepäck für die Reise ins neue Fiskus-Online-Zeitalter mitbringt.

Da ist einmal die Ausbildung. Nach dem Abitur in Nabburg war Hartlich klar, dass er in Richtung Betriebswirtschaft gehen wollte, ein duales Studium sollte es sein. Eine "spontane Geschichte" war es dann, sich für den Studiengang "Steuer und Prüfungswesen" in Stuttgart zu entscheiden. "Ich konnte mir damals gar nicht so recht vorstellen, was hinter dem Beruf Steuerberater steckt, auf dem Gymnasium kriegt man von Steuern und Rechnungswesen nicht viel mit", gesteht der 25-Jährige, der seine ersten praktischen Schritte bei der Germania Steuerberatung in Regenstauf gehen konnte. Nach dem Bachelor-Abschluss setzte er noch eins drauf mit dem "Master of Laws" an der OTH Weiden und durfte sich nach bestandener Prüfung im März "Steuerberater" nennen. Einer Prüfung mit Durchfallquote von über 50 Prozent. "Normalerweise wird man das über den Weg als Steuerfachangestellter mit zehn Jahren Berufserfahrung", beschreibt der Schwarzenfelder seine Route auf der Überholspur.

Erfahrungen als Händler

Nebenbei hat Hartlich aber auch noch selbst Erfahrungen im Online-Handel gesammelt, und zwar mit dem Verkauf von Sporttaschen. "Das hat schon funktioniert, ich habe pro Tag etwa 30 Taschen verkauft", zieht er Bilanz. "Aber das war nicht meine Welt", begründet er den Ausstieg. "Um in diesem Haifischbecken zu überleben, muss man größer werden." Das wiederum sei sehr kapitalintensiv und gerade im Geschäft mit China auch in Sachen Qualität sehr heikel. Umsonst war der Ausflug in die Internet-Geschäftswelt aber nicht: "Mein Hauptgeschäft ist es jetzt, Online-Händler zu betreuen, und zwar bundesweit."

In diesem sehr speziellen Bereich geht es um internationalen Warenhandel, um Umsatzsteuer weltweit, um ständige Neuerungen und eine Flut an Daten. "Für kleine Händler sind 100 bis 200 Bestellungen am Tag nicht mehr händisch zu buchen", weiß der Fachmann, der dabei die Schnittstellen des Warenwirtschaftssystems im Fokus hat. "Da muss man schon aufpassen, damit man nicht versehentlich in eine Steuerhinterziehung rutscht." Allein in der vergangenen Woche hatte er fünf Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet zu diesem Bereich, den seiner Erfahrung nach nur wenige Kollegen gerne betreuen wollen. Momentan hat Hartlich genug zu tun für seinen Ein-Mann-Betrieb. "Aber ich schätze, das wird nicht mehr lange so bleiben, kurzfristig werde ich Verstärkung brauchen."

Ein Drittel Fortbildung

Auch bei den Mitarbeitern will der 25-Jährige neue Wege gehen. "Es ist mir egal, wo und wie lange jemand arbeitet, das Ergebnis muss passen", schildert er neue Kriterien für die Branche, "und man sollte natürlich aufgeschlossen sein für den digitalen Weg. Das ist kein Hexenwerk, wenn man vom Fach ist." Weniger Datenverarbeitung, mehr Datenkontrolle und "Verplausibilisierung" strebe man an für die Zeit, in der auch der Computer Belege verbuchen könne. Wo die Software die Buchhaltung übernehme, bleibe für den Steuerberater die Querprüfung oder Fehlersuche und noch viel mehr die Beratung für die Zukunft. "Die meisten starten als Einzelunternehmer, aber irgendwann geht es beispielsweise um die Haftung bei Schadstoffen. Dann wäre eine GmbH zu überlegen, die auch steuerliche Vorteile bringt." Wie wichtig es dabei ist, auch in Zukunft bei Software und Rechtsprechung am Ball zu bleiben, ist Hartlich, inzwischen verheiratet und seit ein paar Wochen stolzer Vater einer Tochter, jetzt schon klar: "Ein Drittel meines Berufs ist eigentlich Fortbildung."

Fabian Hartlichs Erfahrungen im Online-Handel

Schwarzenfeld
Fabian Hartlich hat im sanierten alten Bahnhof in Schwarzenfeld seine Steuerkanzlei eingerichtet.
Info:

Kleine Steuertipps vom Newcomer für Sparfüchse

  • Belege: Unterlagen, beispielsweise für Hausrenovierung oder Neubau, unbedingt aufbewahren; Hartlich: "lieber zu viel als zu wenig"; Privatpersonen zwei bis drei Jahre, Unternehmen zehn Jahre
  • Krankheitskosten: alle Dokumente sammeln, da es bei Überschreitung einer gewissen Summe eine Erstattung gibt
  • Photovoltaik: Auf eine Neuerung achten, durch die Anlagen unter 10kW als Liebhaberei gelten (dadurch keine Einnahmen-Überschuss-Rechnung)
  • Homeoffice: 5-Euro-Pauschale pro Tag geltend machen (maximal 600 Euro im Jahr)

"In einer Branche, in der das Durchschnittsalter 53,1 Jahre beträgt und nur 1,6 Prozent unter 30 Jahre alt sind, die mit Nachwuchssorgen und einem langweiligen Image zu kämpfen hat, möchte ich etwas ändern."

Steuerberater Fabian Hartlich

Steuerberater Fabian Hartlich

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