05.12.2021 - 15:01 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Schwarzenfeld wird evangelische Pfarrstelle verlieren

Heidi Gentzwein wird noch maximal dreieinhalb Jahre evangelische Pfarrerin in Schwarzenfeld sein. "Dann gehe ich in Pension," kündigt sie im neuen "Gemeindebrief" an. Es wird vermutlich keinen direkten Nachfolger geben.

Nicht immer ist die Kirche so gut gefüllt wie bei diesem ökumenischen Gottesdienst in der Christuskirche. hier mit Pfarrerin Heidi Gentzwein (im Hintergrund).
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Die Entwicklung der Kirchengemeinden treibt die bayerische Landeskirche schon länger um. "Unsere Gemeinden schrumpfen stetig und der Gottesdienstbesuch nimmt ab," bedauert auch Heidi Gentzwein. Die 62-Jährige macht sich keine Illusionen, dass das nicht auch Auswirkungen auf die evangelischen Pfarreien an der Naabachse und in Oberviechtach haben wird. Diskutiert wurde das unerfreuliche Thema unter anderem bei einer Dekanatssynode, in der es um "Profil und Konzentration" der Kirche gegangen war.

Laut Dekan Karlhermann Schötz (Sulzbach-Rosenberg) hätten "ganz klar die Finanzen" den Anstoß zum Projekt "Profil und Konzentration" gegeben, da sie mittelfristig knapper würden. "Aber anstatt nach der Rasenmähermethode alles zu kürzen, ist es doch sinnvoller, darüber nachzudenken, was die vordringlichen Aufgaben der Kirche seien," befand der Dekan. Eine wesentliche Rolle dabei spielten die Kirchengemeinden, die für die meisten Menschen immer noch der wichtigste Kontaktpunkt seien. Es müsse aber vernetzt und auf allen Ebenen diskutiert werden "mit der Grundhaltung, nicht alles überall machen zu wollen".

Evangelium verkünden

"Wir brauchen in den Kirchengemeinden eine Person, die das Evangelium verkündigt und Gemeinde repräsentiert, und einen Ort, an dem dies geschehen kann," fasste die Pfarrerin einen wichtigen Aspekt der Diskussion zusammen. Für den Dekanatsausschuss, dem Leitungsgremium zwischen den Synoden, ergab sich daraus: Die Kirchengemeinden haben Priorität, die Präsenz in der Fläche ist zu erhalten und es ist Kontinuität zu ermöglichen.

"Es wird dieses Mal die Region Ost des evangelischen Dekanats Sulzbach-Rosenberg stark treffen," warnt die Pfarrerin in der Weihnachtsausgabe des "Gemeindebriefs" für die Kirchengemeinden Schwarzenfeld, Nabburg und Pfreimd. Sie verweist darauf, dass im Dekanatsbezirk Sulzbach-Rosenberg 2,5 Stellen abgebaut werden müssen. "Wir haben hier schon bei der letzten Landesstellenplanung vorgearbeitet und konnten so relativ gut und gut begründet in angemessener Weise eine Idee erarbeiten. Diese wurde sehr früh kommuniziert," so Gentzwein. Trotzdem müsse auch gesagt werden, dass diese Region im Osten seit mehr als 25 Jahren von einer Reduktion verschont wurde. Im Gegenteil: 2003 sei in Schwandorf ein halbe Stelle aufgestockt worden. "Demgegenüber wurden zum Beispiel in Sulzbach-Rosenberg seit 2003 2,5 Stellen reduziert." Hauptproblem sei die Entwicklung des Personals: "Eine vom Landeskirchenamt im Juli 2020 vorgelegte Prognose besagt, dass die Zahl der Pfarrdienstverhältnisse bis zum Jahr 2035 voraussichtlich um 50 Prozent zurückgehen wird."

Hilfe aus Oberviechtach

Das bedeutet laut Gentzwein "für unseren Dekanatsbezirk dann maximal 15 Stellen insgesamt". Die 2,5 Stellen, die eingespart werden sollen, betreffen die Region Ost mit 1,5 Stellen. Schwandorf verliert eine halbe Stelle und bekommt Hilfe von der Gemeinde Rieden. Die Gemeinden Nabburg, Pfreimd und Schwarzenfeld haben zusammen eine ganze Stelle und bekommen Hilfe von der Oberviechtacher Gemeinde.

"Die Kirchengemeinde Schwarzenfeld wird weiter existieren, wenn auch mittelfristig in anderer Form," zeigt sich Gentzwein zuversichtlich. "Ich hoffe, dass der Zusammenschluss mit der Kirchengemeinde Nabburg/Pfreimd erst 2025 erfolgt." Dies bedeute eine "große Chance auf mehr Vielfalt und Zusammenarbeit". Fakt sei, dass die Gemeinden stetig schrumpfen und der Gottesdienstbesuch abnimmt: "Aus diesem Grund ist es besser, sich zusammen zu tun." Diese Zusammenlegung erfolgt vermutlich nach Gentzweins Pensionierung, die im Juni 2025 ansteht. Abbautendenzen sind aber schon jetzt auch in Schwarzenfeld zu spüren. Doch die Pfarrerin tröstet: "Auch wenn wir kein Pfarrhaus und Pfarramt in Schwarzenfeld mehr haben, bin ich trotzdem jederzeit telefonisch zu erreichen."

Der evangelischen Kirchengemeinde Schwarzenfeld stehen Umbrüche ins Haus.

Schwarzenfeld
Hintergrund:

Pfarrei und Pfarrerin

> Am 2. Mai 1962 beschließt die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern die Errichtung einer zweiten Pfarrstelle Nabburg mit Sitz in Schwarzenfeld.> Die derzeitige Pfarrerin Heidi Gentzwein tritt zum 1. Dezember 2004 die Nachfolge des in Ruhestand gegangenen Pfarrers Eberhard Steinacker an.> Nach dem Verkauf des Pfarramts findet das Schwarzenfelder Pfarramt im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Nabburg (Obertor 4b) seine neue Heimat.

  • Am 2. Mai 1962 beschließt die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern die Errichtung einer zweiten Pfarrstelle Nabburg mit Sitz in Schwarzenfeld.
  • Heidi Gentzwein tritt zum 1. Dezember 2004 die Nachfolge des in Ruhestand gegangenen Pfarrers Eberhard Steinacker an.
  • Nach dem Verkauf des Pfarramts findet das Schwarzenfelder Pfarramt im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Nabburg (Obertor 4b) seine neue Heimat.

 

 

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