23.06.2021 - 15:55 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Gewitterfront trifft Landkreis Schwandorf heftig

Bis zu 60 Liter Regen in kürzester Zeit: Eine Unwetterfront zieht in der Nacht zum Mittwoch über den Landkreis Schwandorf. Die Feuerwehren müssen zu über 100 Einsätzen ausrücken. In Dürnsricht greifen Gemeinderäte zum Wischmopp.

Nach der Sitzung heißt es wischen: Der Gemeinderat Fensterbach tagte in der Dürnsrichter Turnhalle. Wasser drückte beim Unwetter in die Halle, also packten die Gemeinderäte an.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Eine Gewitterfront zog in der Nacht zum Mittwoch über den Landkreis Schwandorf und brachte monsunartige Regenfälle. Rund 60 Liter pro Quadratmeter zeigten die Regenmesser binnen kürzester Zeit. Besonders hart traf es Dürnsricht in der Gemeinde Fensterbach, das südliche Schwarzenfeld und auch Bodenwöhr. Ab 20.10 Uhr standen die Telefone in der Integrierten Leitstelle nicht mehr still. Die Feuerwehren wurden zu etwa 100 Einsatzstellen gerufen. Über 250 Aktive waren unterwegs, um zu helfen.

Aus der Sitzung in den Einsatz

Um die Einsätze zu koordinieren, wurde die Kreis-Einsatz-Zentrale (KEZ) im Landratsamt gegen 23 Uhr aktiviert. Fachberater Christoph Beier (Feuerwehr Fronberg) übernahm hier die Leitung. Das bestätigte der Pressesprecher der Landkreisfeuerwehren, Hans-Jürgen Schlosser. Vor allem Pumpen und Wassersauger waren gefragt, die meisten Einsätze betrafen vollgelaufene Keller.

"Diesen Tagesordnungspunkt hätte ich mir gerne gespart", betonte Fensterbachs Bürgermeister Christian Ziegler. Der Gemeinderat hatte in der Dürnsrichter Sporthalle gerade die Beratungen über ein neues Feuerwehrauto abgeschlossen, als gegen 21.30 Uhr die Piepser Alarm signalisierten. Die Feuerwehr-Aktiven unter den Gemeinderäten eilten zum Einsatz, ihre Kollegen griffen zu Wischmopp und Putzeimer. "Es hat ein bisschen Wasser in die Turnhalle gedrückt. Das haben wir miteinander gut hinbekommen," so Ziegler.

Knietief im Wasser

Während die Ortsteile Wolfring und Högling relativ glimpflich davonkamen, öffnete der Himmel über Dürnsricht alle Schleusen. Binnen kürzester Zeit fielen laut Ziegler rund 60 Liter Regen. Die Feuerwehr wurde zu über 20 Einsätzen gerufen, Kreisbrandmeister Helmut Schatz übernahm die Koordination, Kreisbrandrat Christian Demleitner pendelte zwischen den Einsatzleitungen in Schwarzenfeld und Fensterbach. "Ich bin rausgefahren, habe versucht, die Leute zu beruhigen," sagte Ziegler, "und ihnen zugesichert, dass die Wehren die Einsätze einen nach dem anderen abarbeiten." In den Kellern sei das Wasser teils knietief gestanden. Der Einsatz habe wieder gezeigt, wie wichtig die Ortsfeuerwehren sind, die laut Ziegler bis weit in die Nacht hervorragend zusammengearbeitet hätten.

"Da standen Autos bis zum Lenkrad im Wasser", beschreibt Schwarzenfeld Bürgermeister Peter Neumeier die Lage in einer Garage, die bei dem Unwetter vollgelaufen war. Auch in der Marktgemeinde schüttete es wie aus Kübeln. Vor allem das Viertel südlich der Amberger Straße war betroffen. Die Feuerwehren aus der Umgebung hatten alle Hände voll zu tun. Auch im Kindergarten St. Martin am Irrenloher Damm stand das Wasser im Keller. "Wir sind noch glimpflich davon gekommen", sagte Pfarrer Heinrich Rosner, der noch in der Nacht die Lage in Augenschein genommen hatte. Eine Pumpe sei defekt, die Heizungsanlage habe aber keinen Schaden genommen. Das Foyer wurde zunächst vorsichtshalber gesperrt, weil Deckenplatten feucht waren. Die Dachentwässerung war überfordert. Eine Firma kümmerte sich noch am Mittwoch um die Decke. "Das ist nicht dramatisch. Andere hat es schlimmer erwischt", sagte der Pfarrer.

Erhebliche Schäden

Rund 47 Liter Regen je Quadratmeter fielen in Schwarzenfeld in einer halben Stunde. "Für solche Wassermassen kann man keine Kanäle bauen", betonte der Bürgermeister angesichts der Tatsache, dass das Wasser nicht nur über Kellerschächte von oben, sondern wohl auch aus Abflüssen in den Kellern drückte. Da müssten die Anlieger auch über Rückstauklappen nachdenken. Die Kläranlage habe bestens funktioniert. Wegen eines kurzen Stromausfalls sprangen die Notaggregate an und versorgten die Pumpen. Die Schäden in den Privathäusern ließen sich schwer schätzen, so Neumeier, seien aber wohl erheblich. Die Feuerwehr habe bis mindestens 2 Uhr früh vorbildlich gearbeitet. 57 Einsätze waren zu bewältigen, der Bauhof verteilte Sandsäcke.

Die Brauerei Jacob erwischte es zum wiederholten Mal in den vergangenen Jahren: "Im Gewölbekeller in der Brauereiwirtschaft und im Lager stand das Wasser mindestens zehn Zentimeter hoch", sagte Wirt Alexander Jacob. Gegen 23 Uhr hatte ihn eine Bedienung alarmiert, die angesichts des Gewitters länger geblieben war, um nach dem Rechten zu sehen. "Bis 3 Uhr früh haben wir gewischt", sagte Jacob, "die Feuerwehr hat uns super geholfen."

Der Holzboden im Bräukeller müsse nun wohl erneut abgeschliffen werden, gelagertes Material für das To-Go-Geschäft sei wohl hinüber. Wie hoch er Schaden ist, konnte er noch nicht sagen. "Es kostet vor allem Zeit, bis der Schlamm draußen und alles trocken ist," betonte der Wirt. Das Schicksal teilt er mit allen, deren Keller in der Nacht überflutet wurden. Bis Freitag drohen weitere starke Regenfälle, sagt Wetterexperte Andy Neumaier (Hintergrund).

Ganze Bayern von Gewittern betroffen

Oberpfalz
Hintergrund:

Wetterexperte Andy Neumaier: Entwarnung erst am Wochenende

Das sagt Wetterexperte Andy Neumaier zur Unwetterlage:

  • Wir liegen derzeit in einer schwachen Südströmung, weshalb die Gewitter auch aus Süden kommen. Die Mittelmeerluft ist zwar nicht mehr so heiß wie zuletzt, aber feuchtwarm.
  • Dazu kommt der Sonnenhöchststand. Die Böden sind von den Schauern feucht, wenn die Sonne aus dem Zenit draufscheint, ist jede Menge Feuchtigkeit zum Verdampfen, Aufsteigen, und Kondensieren da. Die begünstigt alles in einer nahezu täglichen Routine neue Schauer und Gewitter.
  • Durch den schlaffen Höhenwind ziehen diese relativ behäbig, und können somit viel Wasser an Ort und Stelle abregnen.
  • Auch in der Nacht zum Donnerstag sind vor allem in der Nacht teils heftige Gewitterregen zu erwarten. Vermutlich treffen diese mehr den Landkreis Cham, aber vor allem auch im südlichen Landkreis Schwandorf sind lokal wieder ähnlich starke Regengüsse möglich.
  • Wenn sich die Gewitter am Donnerstag früh aufgelöst haben, ist wieder Dampf und Nebel da, der tagsüber von der Sonne erneut aufgekocht wird. Das Spiel sollte gegen Abend von vorne beginnen. Noch gibt es also keine Entwarnung.
  • Erst ab Freitagnachmittag sickert trockenere Luft ein, und am Wochenende herrscht angenehmes Sommerwetter bei 26 Grad und viel Sonne. Gewitter dürfte es dann nicht mehr geben.
Im Kindergarten St. Martin Schwarzenfeld lief der Keller voll. Feuerwehrleute tragen Schläuche zum abpumpen ins Kellergeschoss.
Nach der Sitzung heißt es wischen: Der Gemeinderat Fensterbach tagte in der Dürnsrichter Turnhalle. Wasser drückte beim Unwetter in die Halle, also packten die Gemeinderäte an.
Die Einsatzkräfte rücken vom Gerätehaus der Feuerwehr Schwarzenfeld aus.

 

 

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