27.01.2021 - 09:29 Uhr
Schwarzenbach bei PressathOberpfalz

Pilzexpertin auf Schatzsuche im Schwarzenbacher Winterwald

Martina Franke ist Pilzsachverständige. Selbst im Winter ist sie viele Stunden täglich im Wald unterwegs und sucht. Denn in der kalten Jahreszeit sind Stellen zugänglich, die im Sommer unerreichbar sind.

von Stefan NeidlProfil

In der kalten und nassen Jahreszeit gibt es für die meisten Menschen mit Sicherheit gemütlichere Orte als im Schnee im Wald herumzustapfen. Aber hier fühlt sich Martina Franke erst so richtig wohl. Die Pilzsachverständige ist im Winter täglich vier Stunden unterwegs. Auf Pilzsuche. Sie sammelt sie, kartographiert sie und nutzt sie. "Im Sommer können es auch schon mal neun Stunden werden", erzählt sie und lacht.

Die gebürtige Dresdnerin ist extra in die Oberpfalz gezogen, da die Vegetation hier so einzigartig ist - ein Paradies für Pilzliebhaber. Heute hat sie sich eine besondere Stelle mitten im Wald bei Schwarzenbach nahe der Bundesstraße 470 ausgesucht. Ihr Bekannter Philipp Maicher aus Troschelhammer hatte beim Spazierengehen an einer Birke einen Schiefen Schillerporling (lateinisch: Inonotus obliquus) entdeckt. Gemeinsam mit Maichers Onkel Klaus Schallwig schnappten sie sich eine ausfahrbare Leiter und es ging ins Dickicht. Die Stelle ist nur im Winter zu erreichen, wenn das Laub von Büschen und Bäumen abgefallen ist. Ein wenig was aushalten muss man für die Pilzaktion schon - Zweige und Büsche blockieren die Wege, der tauende Schnee auf Boden und Bäumen sorgtn für ein feuchtes Klima und nasse Socken.

Auf vier Metern Höhe befindet sich eine dunkle Wucherung an der Birke. Maicher bearbeitet sie auf der Leiter mit Beil und Hammer, bis er sie von dem Baum entfernt hatte. Der Schiefe Schillerpoling ist für seinen Wirt schädlich. Er entzieht ihm die Nährstoffe und es entsteht eine Weißfäule, was zum Absterben des Baumes führen kann.

Zu Hause wird Franke den Pilz mit einer Dörrmaschine trocknen und pulverisieren. Der gewonnene Stoff ist extrem wertvoll: Frauke gibt den Preis für 100 Gramm auf 20 bis 50 Euro an. Das Pulver könne dann in einem Tee oder als Bad konsumiert werden. So helfe er auch für eine "Superhaut" und zum Beispiel gegen Schuppenflechte.

Franke zeigt noch viele weitere Pilze, die sie im Wald bei ihrem Haus in Schwarzenbach auch im Winter entdeckt hat: Birkenporlinge, der Rotrandige Baumschwamm, Winterrüblinge mit dem Inhaltsstoff Flammulin, Rötlicher Lacktrichterling, Winterrülinge an der Wildkirsch und den Zunderschwamm.

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Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Schiefe Schillerpoling

  • Der Pilz ist auch unter dem russischen Namen "Chaga" bekannt.
  • Er enthält Betulinsäure, Triterpene, Polysaccharide und weitere Stoffe und ist damit eines der stärksten Antioxidanse der Welt.
  • Es wird zur Behandlung von Leber- und Herzproblemen, Diabetes und Morbus Crohn verwendet. In der Medizin wird er auch zur Behandlung von Entzündungen und zur Stärkung des Immunsystems eingesetzt.
  • Nachgewiesen sind angeblich positive Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem, Senkungen des Blutzuckerspiegels und eine allgemeine Steigerung von Energie und Ausdauer, eine Steigerung von Herz- und Kreislauffunktion und des Gedächtnisses.
  • Die Wirkstoffe werden sogar in der Krebstherapie eingesetzt: Sie hemmen die Entwicklung von Krebszellen und lösen ihren Zelltod aus. Dabei führen zu einer Schmerzlinderung und eines Auflebens des Appetits.

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