02.11.2020 - 15:46 Uhr
Schwarzenbach bei BärnauOberpfalz

Das tragische Ende eines jungen Seeadlers im Landkreis Tirschenreuth

Das unerforschte Pinching-Off-Syndrom war Ursache für die massiven Verletzungen des Jungvogels. In der Vogelauffang- und pflegestation des LBV in Regenstauf starb der Seeadler.

Der junge Seeadler, der Anfang September bei Schwarzenbach bei Bärnau gefunden wurde, litt am sogenannten Pinching-Off-Syndrom. Weil die Krankheit einen schweren Verlauf nahm, musste der Vogel eingeschläfert werden.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Es ist nicht gelungen, dem im Landkreis aufgefunden verletzten Seeadler das Leben zu retten. Das in der Region äußerst seltene Tier - es sind in der Region nur wenige Brutpaare bekannt - musste eingeschläfert werden.

Anfang September war der Vogel an einem Freitagabend bei Schwarzenbach bei Bärnau in einem Waldstück gefunden worden. Zunächst war laut Polizeimeldung unklar, woher die Verletzungen des Tieres stammten. Nun ist klar, dass eine Krankheit der Auslöser war.

Zuerst in Auffangstation

Das verletzte Jungtier wurde zunächst übers Wochenende in die Tirschenreuther Auffangstation zu Dieter Brandl gebracht. Am Montag danach kam der junge Seeadler in die Vogelauffang- und -pflegestation des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) in Regenstauf. Dort pflegte ihn Ferdinand Baer, Falkner und fachlicher Leiter der Einrichtung mehrere Wochen. Vor zwei Wochen ist das Tier dort gestorben. "Wir mussten den Seeadler einschläfern", erklärte Baer auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Der Seeadler litt laut dem Falkner an einer noch unerforschten Krankheit namens Pinching-Off-Syndrom. "Wir waren von Beginn an mit Behörden, Tierärzten und Staatsforst in Kontakt", erklärt Baer. Das Jungtier verlor durch die Krankheit sein Großgefieder, das besonders an den Schwingen und Steuerfedern ausfiel. Bisher konnte kein Erreger als Auslöser der Erkrankung nachgewiesen werden, daher vermuten Fachleute einen genetischen Defekt oder eine Stoffwechselkrankheit als Ursache. "Der Federnwechsel findet völlig willkürlich, ganz unkontrolliert statt." Die Federn, die nachwuchsen, waren deutlich verkürzt und verkrüppelt. Ohne diese verletzte sich der Vogel immer wieder durch seine Bewegungen selbst und erlitt offene, blutige Stellen.

Wir hätten uns auch einen anderen Ausgang gewünscht, hier war aber diese Entscheidung notwendig, um ein weiteres Leiden des Seeadlers zu verhindern

Ferdinand Baer, fachlicher Leiter der Auffangstation

Zunächst wollte der Falkner beobachten, wie sich der Federnverlust entwickelt. Rat holte sich Baer von einer Ärztin in Hamburg, die diese Krankheit erforscht. Nach aktuellen Erkenntnissen ist diese nicht heilbar. Weil der Jungvogel einen sehr schweren Verlauf der Krankheit und massive Schmerzen hatte, entschied Baer in Rücksprache mit der Hamburger Ärztin und der Regierung der Oberpfalz, das Tier einzuschläfern. "Wir hätten uns auch einen anderen Ausgang gewünscht, hier war aber diese Entscheidung notwendig, um ein weiteres Leiden des Seeadlers zu verhindern", so der Falkner.

Massiver Federnwechsel

Der Einrichtungsleiter berichtete, dass dies der dritte Seeadler war, den er in seinen 25-jährigen Tätigkeit in der Auffangstation pflegte. "Zwei von diesen drei Seeadlern hatten diese Krankheit", erklärte er. Der Falkner erinnert sich, dass der andere Seeadler diesen unrhythmischen Federnwechsel nicht so massiv hatte, wie der Vogel, der bei Schwarzenbach gefunden wurde. "Auch die nachgewachsenen Federn des anderen Vogels waren defekt. Aber dieser konnte sich noch im Gehege gut bewegen." Dieser Seeadler lebt nun in einen Pflegestation in Österreich. Dorthin hätte auch der Seeadler aus der Oberpfalz gebracht werden sollen.

Zur Polizeimeldung

Schwarzenbach bei Bärnau
Der junge Seeadler, der Anfang September bei Schwarzenbach bei Bärnau gefunden wurde, litt am sogenannten Pinching-Off-Syndrom. Weil die Krankheit einen schweren Verlauf nahm, musste der Vogel eingeschläfert werden.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.