26.08.2020 - 08:45 Uhr
SchwarzachOberpfalz

Unauffälliges Werkzeug überdauert Tausende von Jahren

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Das Hier und Jetzt der mehrere Tausend Jahre alten Rillenschlägel beginnt vor über 30 Jahren während der Kartoffelernte. Nach der wissenschaftlichen Begutachtung will sie Heinrich Schwarz aus Altfalter der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Der größere Rillenschlägel aus Diorit ist über 20 Zentimeter lang und wiegt 1,2 Kilogramm. Das kleinere Werkzeug ist knapp zehn Zentimeter lang uns wiegt etwas über einem Pfund. Markant sind die Rillen.
von Irma Held Kontakt Profil

Es ist Erntezeit auf einem Feld in der Nähe der Furthmühle. Simon Gradls Mutter entdeckt Mitte der 80er Jahre auf dem Kartoffelvollernter zwei ungewöhnlich geformte, darüber hinaus aber unauffällige Steine. Von Prunkstücken sind sie weit entfernt, dennoch nimmt sie die Zufallsfunde mit heim. Nach den Worten von Heinrich Schwarz aus Altfalter werden sie im Gartenhaus auf dem Bauernhof aufbewahrt und vielleicht auch vergessen. Vor etwa drei Jahren zeigt und übergibt Simon Gradl die beiden Steinfunde dem Ortsheimatpfleger und archäologisch Interessierten Heinrich Schwarz.

Dessen inzwischen geschulter Blick sagt ihm sofort, dass es sich trotz unspektakulär dunklenrFärbung um etwas Besonderes handelt, um Rillenschlägel. "Der kleine ist typisch, ein kurzer Schlägel. Der große fällt etwas aus der Rolle", sagt der 67-Jährige im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. "Das ist einzigartig. In Bayern ist nicht viel da." Ähnliche Funde sind aus dem Landkreis Cham und dem Landkreis Passau bekannt. Die Werkzeugart wurde aber auch in Kalabrien und Irland entdeckt. Die genaue Fundstelle am Fuße des Eichel- und des Weinbergs lasse sich nicht mehr rekonstruieren, sagt Schwarz. Doch der Fund stellt einen weiteren einen Hinweis auf Urbesiedlung dieser Gegend und die Tätigkeit von Menschen dar.

Die beiden Rillenschlägel unterscheiden sich jedoch sehr. Beim kleineren weist Schwarz auf die auffällige Rille an der Schlagfläche hin sowie auf glatte Stellen und Absplitterungen. Das größere, längliche Arbeitsgerät habe parallele Rillen, eine abgenutzte Spitze. Er macht auch noch auf eine markante Absplitterung aufmerksam.

Bei einer Tagung trifft Heinrich Schwarz den Montanarchäologen Martin Straßburger und dieser befasst sich mit den Rillenschlägel genauer. Fest steht Heinrich Schwarz zufolge, dass das Werkzeug aus dem Endneolithikum oder der frühen Bronzezeit von 3000 bis 1000 vor Christus datiert. Eine weitere zeitliche Eingrenzung sei nicht möglich, weil es auf den infrage kommenden Feldern keine weiteren, passenden Funde gebe. Zur definitiven Verwendung dieses Arbeitsgerätes mag sich auch der Wissenschaftler Martin Straßburger in seinem Beitrag in Bayerische Archäologie, Heft 2/2019, unter dem Titel "Vorgeschichtlicher Erzbergbau in der Oberpfalz?" nicht festlegen. Derartiges Steinwerkzeug aus Geröllen wurde sowohl im vorgeschichtlichen Bergbau als auch in der Metallgewinnung eingesetzt. Die Furthmühler Rillenschlägel weisen auch Gebrauchsspuren auf. Straßburger spricht in seinem Beitrag außerdem die Möglichkeit an, es könnte sich um ein Werkzeuginventar eines Bronzeschmiedes oder- gießers gehandelt haben.

Historische Fundstücke von Heinrich Schwarz

Altfalter bei Schwarzach

Unter Berücksichtigung der Geologie und des Geländes vor Ort tendiert der Montanarchäologe dazu, dass die beiden Steingeräte aus dem vorgeschichtlichen Bergbau stammen. Offen bleibt, ob im Gebiet um die Furthmühle in der Bronzezeit abgebaut wurde. Heinrich Schwarz ist jedenfalls stolz. "Ich bin direkt erfreut, so etwas in der Gemeinde Schwarzach zu haben". Bisher ist das vorgeschichtliche Werkzeug bei ihm gut aufgehoben. Er möchte die Rillenschlägel aber entweder dem Slawischen Dokumentationszentrum in Weiding (Gemeinde Schwarzach) überlassen oder dem Museum in Schwarzenfeld für die Vitrine zum Bergbau, denn der Bergbau, auch wenn der vorgeschichtliche nicht belegt ist, hat in dieser Gegend Tradition.

Das Magazin zur Archäologie in Bayern

Simon Gradl (links) überlässt die vorgeschichtlichen Zufallsfunde seiner Mutter Ortsheimatpfleger Heinrich Schwarz,
Hintergrund:

Steinwerkzeug

  • Diorit ist ein dunkles bis schwarzes Tiefengestein und steht von der Zusammensetzung her zwischen Granit und Gabbro. Es kommt unter anderen im Bayerischen _Wald, im Mühlviertel und in Böhmen vor. Wegen seiner Festigkeit ist Dolorit handwerklich schwer zu bearbeiten.
  • Rillenschlägel ist ein häufig vorkommendes Werkzeug aus unterschiedlichen vorgeschichtlichen Epochen. Es diente vor allem der Steinbearbeitung und der Aufbereitung von Erzen.
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