26.08.2021 - 17:49 Uhr
SchwarzachOberpfalz

Kreisbäuerin stellt klar: Mehr Tierwohl gibt's nicht kostenlos

Vor welcher Zukunft steht die Landwirtschaft? Die Schwandorfer Landfrauen und der Bauernverband setzen fünf Themen auf die Tagesordnung, die sie sechs Bundestagskandidaten in einer Diskussion mit auf den Weg geben.

Marianne Schieder (SPD), Ines Tegtmeier (FDP), Christian Schindler (FW), BBV-Obmann Josef Irlbacher, Agnes Beer, Johann Hahn, Josef Wittmann (alle BBV, links am Tisch, von vorne), Tina Winklmann (Grüne), Sönke Siebold (ÖDP), Martina Englhardt-Kopf (CSU), Kreisbäuerin Sabine Schindler, Manuela Pronath und Rita Heigl (rechts, von vorne) diskutierten über die Zukunft der Landwirtschaft.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Der Druck auf die Landwirtschaft wächst von vielen Seiten: Klimaschutz, Tierwohl, Erzeugerpreise, Flächenfraß sind nur einige (gesellschaftliche) Themen, denen sich die Bäuerinnen und Bauern stellen müssen. Unterstützung der Politik ist da nötig. Den "Draht nach Berlin" wollen die Landfrauen und der Bauernverband halten. Kreisbäuerin Sabine Schindler, Kreisobmann Josef Irlbacher und Geschäftsführer Josef Wittmann gaben sechs Bundeskandidaten bei einem Diskussions-Frühstück am Donnerstag auf dem Müllner-Hof in Schwarzach fünf Themenblöcke mit Anliegen auf den Weg: "Ernährung der Zukunft", "Bauernland in Bauernhand", "Tierwohl", "Alltagskompetenz" und "Ländliche Struktur stärken".

"Wir sind systemrelevant. Wir waren das schon immer," sagte Sabine Schindler gegenüber Martina Englhardt-Kopf (CSU), Marianne Schieder (SPD), Ines Tegtmeier (FDP), Tina Winklmann (Grüne), Christian Schindler (FW) und Sönke Siebold (ÖDP). Die Höfe seien bereit, sich auf neue Anforderungen einzustellen. Nur: Das müsse auch bezahlt werden. Höheres Tierwohl etwa in größeren Ställen koste Geld, das könne nicht auf den Schultern der Bauern abgeladen werden. Der Markt regle da wenig, mit billigen Importen aus Ländern mit weniger Auflagen könne die klein strukturierte Landwirtschaft nie konkurrieren. "Wir machen uns abhängig", ergänzte Josef Wittmann. Gerade, was die Tierhaltung anbetrifft, brauche es Planungssicherheit, sagte die Kreisbäuerin. Niemand investiere eine Million oder mehr in einen Stall, wenn nicht feststeht, ob er in drei Jahren noch den Vorgaben entspricht. "Da läuft uns die Zeit davon", ergänzte Wittmann. Sonst würden noch mehr Vieh haltende Betriebe aufgeben.

Regionale Produkte in der Außer-Haus-Verpflegung wie in Kantinen oder Schulen zu fördern, sieht die Kreisbäuerin als eine Notwendigkeit. Kinder an eine gesunde und nachhaltige Ernährung heranzuführen, bezeichnen die Landfrauen als eine Kernaufgabe. Deshalb würden sie diese Kompetenzen dem Nachwuchs gerne in Schulen und Kindergärten intensiver näher bringen als jetzt, wo dafür gerade mal fünf Tage im Schuljahr vorgesehen sind.

Der Flächenfraß treibt die Landwirte um. „Warum baut man in Gewerbegebieten einstöckig? Das will mir nicht in den Kopf“, sagte Sabine Schindler. Straßen, Stromtrassen, auch Freiflächen-Photovoltaik knabbere Ackerboden weg. Da wurde in der Diskussion schnell deutlich, wie viele Interessen die Politik abzuwägen hat: Der Kreis Cham brauche über die B 85 einen Anschluss ans Autobahnnetz, meinte Christian Schindler, Kommunen sind auf Gewerbe angewiesen, ergänzten Schieder und auch Englhardt-Kopf. Mobilität und Landwirtschaft dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Andererseits: Mit Photovoltaik könne auf kleinerer Fläche mehr Energie erzeugt werden als durch Energie-Mais, meinte Siebold.

In der besseren Vermarktung regionaler Produkte sahen Marianne Schieder, Tina Winklmann und auch Martina Englhardt-Kopf gute Chancen für die Bauern. Allein: "Am Ende entscheidet der Geldbeutel", waren sich die Kandidatinnen einig. Das Bewusstsein für die Bedeutung und den Wert der regionalen Landwirtschaft auch für die Kulturlandschaft zu stärken, sei deshalb auch Verantwortung der Politik. Das deckt sich mit einem Anliegen, das Sabine Schindlers Vortrag wie ein roter Faden durchzog: Die Wertschätzung der Landwirte in der Gesellschaft." Davon bekommen wir zu wenig ab", sagte Schindler.

Milchbauern befürchten "Todesstoß"

Schwandorf
Hintergrund:

Landwirtschaft

  • 2020 gab es rund 1950 landwirtschaftliche Betriebe im Landkreis. 1979 waren es noch 4770.
  • Zwei Drittel der Betriebe laufen im Nebenerwerb.
  • Rund 700 Höfe halten Rinder (1979: 3500).
  • Etwa 650 Höfe halten Schweine (1979: über 3300; Doppelnennungen möglich).
  • Rund 800 Betriebe im Kreis setzen heute rein auf Ackerbau. (Quelle: Angaben des BBV).

„Warum baut man in Gewerbegebieten einstöckig? Das will mir nicht in den Kopf.“

Kreisbäuerin Sabine Schindler zum Thema Flächenfraß.

Kreisbäuerin Sabine Schindler zum Thema Flächenfraß.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.