17.08.2021 - 11:15 Uhr
SchwarzachOberpfalz

Wie gefährlich werden die Arbeiten am Marienschacht?

"Zweites Tschernobyl": Die Gemeinderatssitzung in Schwarzach hat im Juni für Diskussionen gesorgt - Bürger befürchten, dass die geplante Sanierung an der Grube Marienschacht Strahlung freisetzen könnte. Das sagen Bergamt und Bürgermeister.

Die Sanierung an der Grube Marienschacht sorgte in der Gemeinderatssitzung im Juni für reichlich Diskussionen
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Die Gemeinderatssitzung im Juni hatte für erhitzte Gemüter gesorgt: Thematisiert wurde dort unter anderem auch die geplante Sanierung der Flotationshalden der ehemaligen Grube Marienschacht. Bürger zogen gar den Vergleich eines "zweiten Tschernobyl" - denn sie befürchteten, die Öffnung der Halden könnte radioaktive Strahlung freisetzen. In unmittelbarer Nähe ist der Bau einer Kindertagesstätte geplant.

"Die Gemeine nimmt die Sorgen und Ängste der Bevölkerung sehr ernst", sagt Bürgermeister Franz Grabinger auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien deutlich. Deshalb habe der Gemeinderat beschlossen, dass das zuständige Bergamt Nordbayern "sehr kurzfristig" eine Informationsveranstaltung für die Bürger und den Gemeinderat abhalten solle. Aufgeklärt werden soll dabei über die Strahlenbelastung des Haldenmaterials.

Keine Infoveranstaltung

Bisher hat solch eine Veranstaltung allerdings noch immer nicht stattgefunden - einen konkreten Termin gibt es nicht. "Das macht nach Meinung des Bergamts erst Sinn, wenn die neue Begutachtung und Untersuchung fertiggestellt ist." Darin sollen auch, so Grabinger, Auswirkungen während der Maßnahmen geprüft werden.

Laut einem Gutachten aus dem Jahr 2010, auf welches sich sowohl Bürgermeister Grabinger als auch das Bergamt Nordoberpfalz beziehen, gehe von den Flotationshalden "keine Gefahr aus, solange sie unberührt bleiben". Noch allerdings seien sie öffentlich zugänglich. Festgestellt sei außerdem worden, dass der Hang, auf dem die Halden gelegen sind, zu rutschen beginnen könnte. "Ziel ist also", so Grabinger, "die Halden abzudecken und unzugänglich zu machen und gleichzeitig auch den Hang zu sichern."

Aktivität von Radionukliden

Das bestätigt auch die Pressestelle der Regierung von Oberfranken, zu der das Bergamt Nordbayern zählt. In früheren Untersuchungen aus dem Jahr 2009 an den Wölsendorfer Bergwerken habe das Bayerische Landesamt für Umwelt eine "erhöhte Aktivität natürlich vorkommender Radionuklide" in den Halden festgestellt.

Nun allerdings, so eine Sprecherin Sabine Kerner, werde vor der Aufnahme der Umlagerungsarbeiten in Wölsendorf ein neues radiologisches Gutachten erstellt, um die möglichen Auswirkungen der Arbeiten auf die Bevölkerung und auch hinsichtlich des Arbeitsschutzes bewerten zu können. Geplant sei, den Haldenkörper teilweise abzutragen, neu anzulegen und ihn dann mit einer ein Meter dicken, "teilweise bindigen" Bodenschicht zu überdecken.

Bäume müssen entfernt werden

Es sei dabei auch unumgänglich, auch Bäume und Pflanzen entfernen zu müssen. "Das wird aber außerhalb der Brutzeiten und so schonend wie möglich erfolgen", sagt Kerner. Die im Randbereich vorhandenen Bäume sollen erhalten werden. Die Fläche solle nach den Arbeiten mit "regionaltypischem Holz" bepflanzt werden.

Warum wird überhaupt erst jetzt nach Jahrzehnten mit den Maßnahmen begonnen? "Die Hydro Aluminium Deutschland GmbH ist als Rechtsnachfolger des letzten Bergbautreibenden - der VAW Flußspat-Chemie GmbH aus Stulln - für die Antragstellung und Abwicklung des Abschlussbetriebsplanverfahrens zuständig und verantwortlich", sagt Bürgermeister Grabinger. Und diese habe beim Bergamt Nordbayern nun ein Genehmigungsverfahren beantragt.

Bedenken wurden während der Gemeinderatssitzung im Juni auch laut, weil in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Bergwerks eine Kindertagesstätte gebaut werden soll. Dazu äußert Kerner nur so viel: "Die Arbeiten an den Flotationshalden sollen vor Inbetriebnahme des geplanten Kindergartens abgeschlossen sein."

Schwarzach

„Die Gemeinde nimmt die Sorgen und Ängste der Bevölkerung sehr ernst.“

Franz Grabinger, Bürgermeister der Gemeinde Schwarzach bei Nabburg

 

 

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