27.06.2021 - 15:42 Uhr
SchwarzachOberpfalz

Bergwerk Marienschacht strahlt: Sanierungskonzept liegt vor

42 Jahre nach der Schließung des Bergwerks Marienschacht liegt dem Gemeinderat Schwarzach das endgültige Sanierungskonzept vor. Große Problematik: Die Halden sind radioaktiv verstrahlt. Zwei Zuhörer ziehen einen Vergleich zu Tschernobyl.

Das Flußspatbergwerk Marienschacht östlich von Wölsendorf wird im Sommer 1979 stillgelegt. Hinweisschilder um das rund 5 Hektar große Areal verweisen auf die Gefahrenzone und versperren die Zufahrt zum Gelände.
von Herbert RohrwildProfil

Im Sommer 1979 wird das Flußspat-Verbundbergwerk Marienschacht/Johannesschacht östlich von Wölsendorf stillgelegt. Ganze 42 Jahre nach der Schließung liegt dem Gemeinderat Schwarzach nun das endgültige Sanierungskonzept zur Stellungnahme vor. Großes Problem: Die Halden sind radioaktiv verstrahlt. Und das sorgt auch für Unmut unter den Zuhörern, die das Gebiet „ein zweites Tschernobyl“ nennen.

In der Sachdarstellung verweist Bürgermeister Franz Grabinger auf den Beschluss in der Maisitzung 2021 zum Sonderbetriebsplan: Das Gremium befürwortet darin die temporäre Einlagerungsfläche für Ackerböden, die zur Übererdung des gesamten Haldenmaterials dienen sollen. Das Projektgebiet der ehemaligen Betriebsfläche Marienschacht auf dem Grundstück der Hydro Aluminium Deutschland erstreckt sich über 5,3 Hektar.

Folgende Maßnahmen zur Verwahrung der beiden Flotationshalden sind vorgesehen: Ein teilweiser Abtrag und die Umlagerung des gesamten Haldeninventars innerhalb der ehemaligen Betriebsfläche, anschließend eine Abdeckung durch eine dichtende Bodenschicht und ein rekultivierfähiger Oberboden. Eine Bepflanzung ist geplant.

Halden strahlen radioaktiv

Nach Abschluss der Erdbauarbeiten und der Rekultivierung soll der Erfolg der Maßnahme in einem alle zwei Jahre ausgeführten Grundwasser-Monitoring überprüft werden, erklärte Bürgermeister Grabinger in der Gremiumssitzung. Verändere sich das Fluorid-Gehalt im Grundwasser nicht signifikant, ist so der Maßnahmenerfolg nachgewiesen. Bereits im April 2007 überprüfte das Landesamt für Umweltschutz Bayern die Haupthalde auf Rückstände aus der Flußspataufbereitung hinsichtlich natürlicher Radioaktivität. Die vorgenommenen 28 Mischproben von der Haupt- und Nebenhalde zeigten: Werden die Flächen natürlich belassen, sei eine bedeutsame Strahlenbelastung zu erwarten. Eine Entnahme von Sand für Bauzwecke beziehungsweise für Kinderspielplätze sollte unterbunden werden.

Im November diesen Jahres soll mit den Rodungsarbeiten auf dem Gebiet begonnen werden. Von Oktober 2022 bis März 2023 soll es anschließend mit der Bepflanzung und dem Aufstellen von Wildschutzzäunen weitergehen. Bei einer täglichen Arbeitsleistung von rund 500 Kubikmeter Aushub- und Einbauvolumen dauern die Erdarbeiten zum Abtrag und zur Umlagerung auf dem Gelände voraussichtlich von Mai bis November 2022.

Doch die Strahlenbelastung bleibt in der Sitzung weiterhin bedeutendes Thema. „Es ist was da, aber nicht signifikant“, leitet Gemeinderat Martin Hösl die Aussprache ein und spricht hiermit die latente Strahlenbelastung aus den Rückständen der Flußspataufbereitung an. Der Tenor der Sachbeiträge daraufhin ergab, dass die vorgesehene Sanierung nicht zulasten der Bürgerinnen und Bürger gehe und keine Gesundheitsgefährdungen bewirke.

Alle Bedenken, so Dritter Bürgermeister Joachim Schießl, sollen in die Stellungnahme eingebracht werden. Der Vorschlag des Ersten Stellvertreters Michael Singer, die zuständigen Repräsentanten des Bergamtes zu einer Informationsveranstaltung vor Ort einzuladen, fand die einhellige Zustimmung.

Nach der Worterteilung durch das Gremium brachten zwei Zuhörer, die ihre Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, in der Sitzung vehement ihre Meinung zum Ausdruck: „Jeder Bürger soll wissen, was hier geschieht. So geht das nicht - das ist ein zweites Tschernobyl.“

Durch die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl sind noch immer Wildschweine verstrahlt

Oberpfalz
Das Bergamt Nordbayern begleitet die Abschlussmaßnahmen für die Verwahrung der Flotationssandhalden der Grube Marienschacht. Die Gemeinde Schwarzach bei Nabburg gibt zu den eingereichten Antragsunterlagen eine Stellungnahme ab. Das Gremium pocht auf eine Informationsveranstaltung vor Ort für die betroffenen Bürgerinnen und Bürgern mit der zuständigen Behörde.

 

 

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