28.07.2021 - 10:06 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Zwei Schwandorfer Stadtpfarreien fusionieren

Das Ende wurde schon zur Jahrtausendwende angedacht. Aber es hat noch einmal zwei Jahrzehnte gedauert, bis die Pfarrei St. Paul auf dem Weinberg ihre Eigenständigkeit verliert. In einigen Wochen ist es soweit.

Nach 56 Jahren endet im Spätsommer diesen Jahres die Eigenständigkeit der Pfarrei St. Paul auf dem Schwandorfer Weinberg. Sie wird künftig vom benachbarten Kreuzberg und den dort ansässigen, indischen Karmeliten-Patres mit betreut.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Schon im Januar dieses Jahres hat man in der Pfarrei St. Paul auf dem Schwandorfer Weinberg auf die bevorstehenden Änderungen hingewiesen und sie mit dem Beginn des Ruhestands von Pfarradministrator Günther Peinkofer (69) verknüpft. Der katholische Geistliche, der 16 Jahre die Geschickte von Schwandorfs hoch gelegener Pfarrgemeinde mitgeprägt hat, verlässt seinen Einsatzort am Ende August, um ins Kloster Mallersdorf umzuziehen.

Mit dem Fortzug des Pfarradministrators wird eine Gemeinschaft der Pfarreien Unsere Liebe Frau vom Kreuzberg und St. Paul gebildet. "Diese Änderung wird aber durch ein hohes Maß an Kontinuität geprägt sein," verspricht Peinkofer den etwa 1100 Gemeindegliedern. Diese Kontinuität werde sich ausdrücken durch vier wöchentliche Gottesdienste in der Kirche, zudem werde die Pfarrei St. Paul auch weiterhin durch eine eigene Kirchenverwaltung und einen eigenen Pfarrgemeinderat unterstützt werden.

Zweiter Pfarrer auf dem Weinberg

Peinkofer, der im Herbst seinen 70. Geburtstag feiern kann, ist überhaupt erst der zweite Pfarrer in der 56-jährigen Geschichte der Pfarrei. Sie wurde Mitte des 20. Jahrhunderts gegründet, weil man auf dem Weinberg viel Potential sah. So gab es die Ansicht, dass mit der Ansiedlung des Bundesgrenzschutzeses 1960 junge Familien auf den Weinberg ziehen würden, für die man eine Kirche, ein Pfarrzentrum und einen Kindergarten benötige.

"Die Ausweitung des Siedlungsgebietes und des Wachstums der Gemeinde am Weinberg hatte den Neubau der Kirche dringend nötig gemacht," heißt es auf der Homepage der Gemeinde. Nach Gründung des Kirchenbauvereins im Jahre 1961 wurden Vorbereitungen für den Bau intensiviert und der Planungsauftrag an Architekten Josef Frank vergeben.

Am 3. August 1963 erfolgte schließlich der erste Spatenstich für das kirchliche Bauprojekt. 15 Monate später wurde die Kirche bereits geweiht, ein halbes Jahr später zur Pfarrkirche erhoben. Mit dem 1. Juli 1965 übernahm dann ein Mann das Ruder, der die nächsten 40 Jahre tonangebend bleiben sollte: Der junge Kaplan Matthias Dierig von der Stadtpfarrei St. Jakob wurde damals zum ersten Pfarrer von St. Paul ernannt. Auch wenn Pfarrer in der Regel nach 10 bis 15 Jahren die Stelle wechseln, so blieb Dierig bis zu seinem Ruhestand in St. Paul.

Neues Pfarrheim 1995 fertiggestellt

Vier Jahrzehnte lang, von der Gründung bis 2005, war Matthias Dierig Pfarrer in St. Paul auf dem Weinberg, von 1987 bis 1998 Schwandorfer Dekan. Dierig baute 1971 den Kindergarten und ein Pfarrheim am Weinberg, mehrmals fielen größere Sanierungen in der Pfarrkirche St. Paul an, 1995 wurde das neue Pfarrheim an der Jahnstraße fertiggestellt.

Trotzdem ist St. Paul keine prosperierende Pfarrei mehr. Die Hoffnung auf die Jugend hat sich verloren, die Pfarrgemeinde ist mit 1100 Gläubigen vergleichsweise klein für eine Stadtpfarrei, ihre Altersstruktur bezeichnet Günther Peinkofer als "überaltert". Ein Indiz dafür ist die Feier der Erstkommunion vor wenigen Tagen, an der nur drei Kinder teilnahmen. Die vorgeschriebenen Zählungen in den beiden Gottesdiensten an den Wochenenden ergeben lediglich rund 100 Kirchenbesucher. Im Rückblick hält der Pfarradministrator die ganze Strategie für verfehlt, auf dem Weinberg eine eigene Pfarrei zu gründen.

Als sich um das Jahr 2000 das Ende der überlangen Amtszeit von Matthias Dierig abzeichnete, gab es bereits Konferenzen in der Diözesanzentrale in Regensburg, ob die Weinberg-Pfarrei nicht mit der benachbarten Kreuzberg-Pfarrei zusammengelegt werden könnte. Die wurde vom Orden der deutschen Karmeliten verwaltet, die auf dem Kreuzberg ihr Kloster neben der Kirche "Unsere Liebe Frau" besaßen.

Die damaligen Patres waren stadtbekannt für ihre Spiritualität und ihre Tatkraft, Namen wie Pater Franziskus und Pater Thomas sind noch noch heute vielen in Schwandorf ein Begriff. Aber die Karmeliten lehnten die Überlegungen aus dem Bischofssitz ab. "Die wussten wahrscheinlich schon damals, dass sie über kurz oder lang die Stadt verlassen würden und wollten deshalb keine zweite Pfarrei übernehmen," so Günther Peinkofer.

Und tatsächlich: Nach 120 Jahren verließen die "Unbeschuhten Karmeliter" der deutschen Ordensprovinz im Jahr 2009 den Kreuzberg und wechseln an die Klöster in Regensburg und Würzburg. "Gravierender Nachwuchsmangel" war der Auslöser für den entscheidenden Schritt. Nachdem sich Kontakte mit polnischen Patres zerschlagen hätten, habe sich die indische Ordensgemeinschaft mit gleicher spiritueller Ausrichtung für die Nachfolge angeboten, hieß es damals, als vor zwölf Jahren die indischen Patres Joseph, Francis und Gratian bei einem Festgottesdienst willkommen geheißen wurden.

Aus dem Raum Landshut nach Schwandorf

Wegen Dierigs Ruhestand und der fehlenden Möglichkeit einer Pfarreien-Gemeinschaft kam schließlich Peinkofer in den Blick der Diözesanverwaltung. Der Geistliche, zu dieser Zeit etwa Mitte 50, war sei 18 Jahren Pfarrer einiger Landgemeinden südöstlich von Landshut. Ein Wechsel nach Schwandorf kam ihm insofern zupass, als er nach Peinkofers damals irriger Ansicht nur von kurzer Dauer sein würde. "Ich dachte, in drei Jahren bin ich wieder weg," erinnert er sich, und dass er quasi kaum die Koffer richtig ausgepackt hätte. Doch die avisierte Pfarreien-Gemeinschaft ließ weiter auf sich warten und so verging Jahr um Jahr, in denen Peinkofer mit der Stadt und der Gegend nie richtig warm wurde, wie er gestand: "Ich habe nur meine Arbeit auf dem Weinberg gemacht."

Auch das Jahr 2010 verging ohne das gewünschte Ergebnis, nachdem sich der Pfarradministrator nach weiteren Besprechungen erneut größere Hoffnungen auf einen Wechsel gemacht hatte. Zwischenzeitlich ist er schon 16 Jahre auf seiner Pfarrstelle, die seine letzte bleiben sollte. Für den Pfarradministrator selbst war immer klar, dass er mit 70 Jahren seinen Ruhestand beantragen werde. Sein Weg führt ihn im September ins Kloster Mallersdorf. Der dortige Superior, ein Kollege aus dem Priesterweihe-Kurs 1978, habe ihn angesprochen, ob er sich ein Leben dort vorstellen könne. Auch wenn er weiterhin seelsorgerisch aktiv bleibe, ist Peinkofer froh, die Verantwortung für die Gläubigen, die Kirche mit dem maroden Turm und den Kindergarten bald abzugeben.

"Ich bewundere den Mut der indischen Patres," versichert Günther Peinkofer mit dem Blick auf die bevorstehende Gründung der Pfarreien-Gemeinschaft. Pater Francis gehe "mit Optimismus" ran, freut er sich. Seit zwölf Jahren wirkt der indische Geistliche als Pfarrer und Prior auf dem Schwandorfer Kreuzberg. Der 48-jährige Ordensmann stammt aus Kerala in Indien, studierte in Rom Theologie und ging nach der Priesterweihe nach Deutschland. Vor seinem Wechsel nach Schwandorf betreute Pater Francis acht Jahre lang eine Pfarrgemeinde in der Nähe von Köln.

Die offizielle Einführung der Mönche vom Kreuzberg als neue Verantwortliche in St. Paul ist für den 12. September geplant. Ganz neu ist das Thema Pfarreiengemeinschaft in Schwandorf übrigens nicht. Es gibt bereits eine: die Pfarreiengemeinschaft Ettmannsdorf St. Konrad, Neukirchen mit Expositur Kirchenbuch, und Dachelhofen.

Bruchstücke vom Mauerwerk des Turms der St.-Paul-Kirche fallen herunter

Schwandorf
Die große Steinstatue des heiligen Paulus, des Patrons der Weinbergt-Pfarrei, stammt aus der Mitte der 60er Jahre. Geschaffen wurde sie von dem Münchner Bildhauer Karl Potzler. Er gestaltete im Kircheninneren auch den Kreuzweg aus Bronze.
Hintergrund:

Gottesdienste in St. Paul

  • Sonntag, 29. August, 9.30 Uhr: Gottesdienst mit Verabschiedung von Pfarrer Günther Peinkofer
  • Sonntag, 12. September, 9.30 Uhr: Gottesdienst mit offizieller Einführung von Pater Francis und Pater Aneesh durch Dekan Hans Amann
  • Weitere Gottesdienstangebote in St. Paul: jeden Samstag, 17 Uhr, Vorabendmesse; jeden Sonntag, 9.30 Uhr, Gottesdienst; Werktagsmessen Dienstag um 18.30 Uhr und Freitag um 8 Uhr.

"Die Änderung wird durch ein hohes Maß an Kontinuität geprägt sein."

Pfarradministrator Günther Peinkofer

Pfarradministrator Günther Peinkofer

 

 

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