13.08.2020 - 11:50 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Wolf-Mitarbeiter appellieren an Bundesarbeitsminister

Nach dem Gesetzentwurf zum Verbot der Arbeitnehmerüberlassung in der Fleischwirtschaft sehen die Schwandorfer Mitarbeiter der Firma Wolf Wurstspezialitäten ihren Arbeitsplatz bedroht. Mit einer Petition wollen sie das ändern.

Die Mitarbeiter der Firma Wolf fordern eine alternative Lösung zum Verbot der Arbeitnehmerüberlassungen für die Lebensmittelproduktion.
von Externer BeitragProfil

Die Vertreter der Mitarbeiter der Firma Wolf Wurstspezialitäten GmbH, Ines Grundstein und Raiko Schuber, übergaben eine Liste mit rund 700 Unterschriften an Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller, mit der Bitte, diese an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil weiterzuleiten.

In der vorgelegten Petition fordern die Beschäftigten der Firma Wolf laut einer Pressemitteilung den Minister auf, den Gesetzentwurf zum Verbot der Arbeitnehmerüberlassung in der Kerntätigkeit der Fleischwirtschaft zu überdenken. Die Mitarbeiter würden um ihre Arbeitsplätze bangen, heißt es weiter. Sämtliche Produktionsstätten der Wolf-Firmengruppe seien vom Saisongeschäft geprägt, so wie viele andere Branchen in der Lebensmittelindustrie.

Arbeitsplätze von Saison abhängig

Am Standort Schwandorf werden Grillartikel produziert, deren Absatz starken saisonalen Schwankungen unterliege. Nach Aussage der Mitarbeitervertreter, komme es in der Hochphase von April bis Juni zu einer Steigerung der Produktionsmengen von bis zu 40 Prozent gegenüber dem üblichen Volumen. Je nach Wetterlage könne die wöchentliche Nachfrage um 100 Prozent schwanken. Diese extremen Schwankungen und Produktionsspitzen müsse das Unternehmen mit Arbeitnehmerüberlassung und Werkverträgen über Personaldienstleister abdecken.

Sollte es tatsächlich zum angekündigten Verbot in der Fleischwirtschaft kommen, so hätte dies laut der Mitteilung verheerende Folgen für die Beschäftigten. Saisonale Produktionsspitzen könnten dann nicht mehr abgedeckt werden. Das bedeute, die Produktion müsse trotz Nachfrage zurückgefahren werden und ganze Produktlinien würden wegbrechen. Eine Abwanderung der Produktion ins günstigere Ausland wäre ebenfalls zu befürchten. So oder so stünden hunderte Arbeitsplätze auf dem Spiel. Ohne ein flexibles System, das es ermöglicht, saisonale Spitzen befristet abzufangen sehen die Mitarbeitervertreter den Standort Schwandorf gefährdet.

Feller sichert Unterstützung zu

Oberbürgermeister Andreas Feller versprach, die Petition an Bundesminister Heil weiterzugeben. "Für den Standort Schwandorf ist die Firma Wolf ein wichtiger Arbeitgeber. Die Sicherung und der Erhalt der Arbeitsplätze ist für mich ein großes Anliegen", sagte Feller. Er würde die Mitarbeitervertreter bei ihrem Appell unterstützen, den Gesetzesentwurf zum Verbot der Arbeitnehmerüberlassung in der Fleischwirtschaft nochmals zu überprüfen. Der derzeitige Gesetzesentwurf sei ein unüberlegter Schnellschuss und gehe seiner Ansicht nach am Ziel vorbei. Insbesondere handle es sich beim Betrieb der Firma Wolf am Standort Schwandorf um einen reinen Verarbeitungsbetrieb. Hier werden weder Schlachtung noch Zerlegung vorgenommen. Die Gleichbehandlung aller lebensmittelverarbeitenden Betriebe sei hier ein wichtiges Argument, das gegen ein Verbot einer einzelnen Branche spreche. Wichtiger sei es hier, die schwarzen Schafe in allen Bereichen durch verstärkte Kontrollen aufzudecken und zu bestrafen, statt alle Unternehmen unter Generalverdacht zu stellen.

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Karl-Heinz Kagermeier

In der vorgelegten Petition fordern Beschäftigte der Firma Wolf den Gesetzentwurf zum Verbot der Arbeitnehmerüberlassung zu überdenken, weil die Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze fürchten, da sie vom Saisongeschäft abhängig seien. Eine Abwanderung ins Ausland wäre zu befürchten. Wie die Petition zustande kam, kann man sich vorstellen.

Hier wird der völlig falsche Eindruck erweckt, Arbeitnehmer dürften kurzfristig nicht mehr beschäftigt werden. Tatsächlich zielt aber das Gesetz gerade darauf ab, dass der Unternehmer natürlich selbst Saisonarbeitskräfte beschäftigen darf. Er darf nur keine Selbstständigen oder Arbeitnehmer durch Dritte tätig werden lassen. Zudem wird der Arbeitgeber verpflichtet, den dafür angeworbenen Beschäftigten angemessene Gemeinschaftsunterkünfte bereitzustellen.

Dadurch wird der bisherige Gestaltungsmissbrauch durch Werkverträge oder Arbeitnehmerüberlassung mit Sub/-Subunternehmen durch Lohndumping und skandalöse Unterbringung verhindert.

Ebenso skandalös ist, wenn OB Feller meint, der derzeitige Gesetzesentwurf sei ein unüberlegter Schnellschuss und gehe am Ziel vorbei. Entweder kennt er den Gesetzentwurf nicht, oder es ist ihm egal, wie die Arbeitnehmer bisher ausgebeutet werden.

15.08.2020