06.09.2019 - 15:18 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Eine Woche Ballkontakt

Schwarz-gelb dominiert den SC Ettmannsdorf. Die BVB Evonik Fußballakademie bespielt eine Woche lang die Plätze. Und die Kinder, die von professionellen Trainern lernen, kommen fast aus ganz Bayern.

Sven Kahlert, der mit dem Frauen-Fußball-Club Frankfurt 2011 den DFB Pokal geholt hat, arbeitet seit einigen Jahren im Nachwuchsbreich.
von Irma Held Kontakt Profil

Andreas Höppner aus Landshut macht mit seiner neunjährigen Tochter Anna-Maria, eines von zwei Mädels unter 43 fußballbegeisterten Kindern, eine Woche Urlaub hier. Verena Erhard fährt jeden Tag von Kronach nach Schwandorf, damit der achtjährige Raphael seiner Leidenschaft frönen kann. Er steht in einer der Trainingseinheiten im Tor. Daheim ist er als Verteidiger eingesetzt. Natürlich sind sie alle Dortmund-Fans, fast alle. Verena Erhard ist Bayern-Fan.

Sprechverbot für Eltern

Die Eltern stehen am Spielfeldrand unterhalten sich, fotografieren. "Wir haben Sprechverbot", sagt Verena Erhard und lacht. Bei der Fußballakademie gibt es klare Regeln für Eltern und Kinder. Eltern dürfen nicht reinrufen, nicht in die Kabinen und am Platz herrscht Rauch- und Alkoholverbot. Der ein oder andere Neugierige schaut auch beim SC Ettmannsdorf vorbei. Einer ist ein Kenner der Szene, macht auf einen talentierten jungen Torwart aufmerksam und weiß, dass dieser bereits in der Jahnschmiede in Regensburg trainiert.

Doch zur Talentsichtung ist der BVB nicht in die Oberpfalz gekommen. "Wir machen das schon. Hier nicht", sagt Vanessa Heim, Cheftrainerin im Camp Ettmannsdorf. Der Grund liegt auf der Hand: "Die Entfernung ist zu groß. Im Umkreis von 150 Kilometern von Dortmund, wird ein Camp schon mit Talentsichtung verbunden." Acht Kinder seien im vergangenen Jahr von der Fußballakademie ins Leistungszentrum gekommen.

Sven Tillmann zeigt den jungen Kickern Tricks.

Zum ersten Mal in Bayern

Der BVB hat erstmals in Bayern das einwöchige Kindertrainingslager eingerichtet, denn die Einheit in Herzogenaurach steht nur Puma-Mitarbeitern offen. Der Sportartikelhersteller ist der Ausrüster des BVB und der Spieler des SC Ettmannsdorf Bernd Heinisch Markenbotschafter. So schließt sich der Kreis und kommt der Verein aus dem Schwandorfer Stadtteil ins Spiel. Dieser stellt Platz, Heim, Umkleiden und Verpflegung. Alles andere bringt die Fußballakademie mit. Neben Ausrüstung, Trikots für alle auch drei lizensierte Trainer, Sven Tillmann Bastian Bolst und Sven Kahlert.

Fußballabteilungsleiter Horst Hohler und dessen Vertreter Georg Fleischmann sind unterm Strich mit der Anzahl der Teilnehmer dieser Bayern-Premiere des BVB zufrieden. "Zumal das eine Region ist, wo die Fans bei anderen Vereinen sind", drückt sich Horst Hohler gewählt aus. Ihm ist die Disziplin auf dem Platz und beim Mittagessen positiv aufgefallen. Es sei das erste Mal, dass der SC mit einem Verein ein Camp anbiete. Private Fußballschulen, aber auch das DFB-Mobil seien natürlich schon hier gewesen. "Wir sind bestrebt, es wieder auszurichten", sagt Hohler und bedankt ich beim FC Schwandorf, dessen Trainingsplatz in der Akademie-Woche mitgenutzt werden darf,

Zwei Trainingseinheiten stehen täglich auf dem Programm, das von 10 bis 15 Uhr dauert. Geübt werden Ballan- und -mitnahme. Passspiel und Ballkontrolle, Dribbling aber auch Torschuss, Kopfball, Tricks und Finten. Fairness und Werteerziehung sind Programmteile jenseits des Fußballs. "Wir lachen den anderen nicht aus", sagt Heim. "Das gehört dazu." Auch gesunde Ernährung geht an den 43 Kindern, die in drei altersgerechten Gruppen spielen, aber aus Gründen der Teambildung für Spiele auch mal gemischt werden, nicht spurlos vorbei.

Gesunde Ernährung

Deshalb wurde dem SC vor Beginn des Ferienangebots eine Art Ernährungsplan geschickt. Daran muss sich nicht sklavisch gehalten werden, er dient laut Heim als Vorschlag, aber die Verpflegung sollte eben nicht aus Pommes und Pizza bestehen. "Das Essen ist prima", sagt Vanessa Heim. Es gibt zum Beispiel immer Salat. Kohlenhydrate, die die Kinder bräuchten, würden in Form von Nudeln zu sich genommen.

Auch Verena Erhard und Andreas Höppner, die beiden vom Spielfeldrand, sind zufrieden, nicht allein weil ihre Kinder Spaß haben und ihrem Hobby nachgehen können. "Ich finde es super, dass die da runter gekommen sind." Verena Erhard hat schon öfters geschaut, wo die Fußballakademie Station macht, aber das sei alles zu weit weg gewesen. Andreas Höppner, der schon zwei Camp-Erfahrungen mit seiner Tochter hinter sich hat, siedelt die BVB-Akademie "sehr weit oben an". Es werde gut auf die Kinder eingegangen. Das Konzept sei altersgerecht. Die Trainer hätten spielerisch, aber auch pädagogisch was drauf. Und er, aber vor allem seine Tochter findet es gut, dass Dortmund nach Bayern gekommen ist.

Es wird auch gespielt, nicht nur trainiert.
BVB Fußballakademie
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Sven Tillmann zeigt den jungen Kickern Tricks
Hoffentlich grätscht kein Gegner dazwischen.
Ball halten, erobern und Zweikampf wollen gelernt und geübt sein.
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