04.12.2020 - 16:33 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Wegen 3,15 Euro ins Gefängnis

Strafrichter schicken Angeklagte wegen Lappalien nicht ins Gefängnis. Aber es gibt Ausnahmen. Sogar wegen 3,15 Euro.

Das Schild über dem Eingang des Schwandorfer Amtsgerichts.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Ladendiebstahl: Leider ein Allerwelts-Delikt. Oft hat die Beute nur marginalen Wert. Wird der Dieb vom Ladendetektiv erwischt, wird die Tat in der Regel mit einer Geldstrafe geahndet. Bei einem 38-Jährigen aus der Chemnitzer Gegend allerdings schlug am Donnerstag die Härte des Gesetzes zu.

Den Fliesenleger plagte im Mai 2019 offenbar der Hunger, und Geld hatte er nach eigenen Angaben auch nicht einstecken. Jedenfalls schnappte er sich in einem Schwandorfer Supermarkt einen Donut und verspeiste ihn gleich vor Ort, einen zweiten steckte er ein. Außerdem noch ein Stück Leberkäs. Wert: 3,15 Euro. Ein Ladendetektiv ertappte den Dieb. Die Tat gab der 38-Jährige unter entschuldigenden Erklärungen vor der Schwandorfer Strafrichterin Jennifer Jäger auch zu. Der Detektiv und ein Polizeibeamter bestätigten den Vorfall.

Aus Haft vorgeführt

Allerdings: Der Mann wurde schon aus der Haft vorgeführt. Er hatte es nicht für nötig befunden, zu zwei Gerichtsterminen in der Sache anzutreten. Das Gericht hatte daraufhin einen Haftbefehl erlassen. Gut zwei Wochen saß der Angeklagte deshalb schon im Gefängnis. Es sollte aber noch schlimmer kommen.

Denn es dauerte einige Minuten, bis Richterin Jäger das Vorstrafenregister des Fliesenlegers verlesen hatte. 14 Einträge sind da zu lesen, allein sieben Mal wegen (Laden-)Diebstahls. Die Gerichte hatten immer wieder - teils hohe - Geldstrafen ausgesprochen. "Die in Chemnitz sind da offenbar geduldig, bei uns wären Sie da nicht so durchgekommen", sagte Richterin Jäger zum Angeklagten. Zum Schluss allerdings setzte es im November 2018 drei Monate Haft auf Bewährung.

Keine Chance auf Bewährung

Als Warnschuss hat das dem 38-Jährigen nicht gereicht. Nur ein halbes Jahr später folgte der Diebstahl in Schwandorf. Damit war für Staatsanwalt Sebastian Haimerl das Maß voll. Trotz des geringen Werts der Beute und des Geständnisses plädierte er auf zwei Monate Haft wegen Diebstahls. Bewährung? Keine Chance.

Weitere Fälle aus dem Schwandorfer Gerichtsalltag

Das sah auch Richterin Jennifer Jäger so. "Wenn einer gar nicht dazu lernen will, muss er auch wegen einer solchen Lappalie einpassieren", sagte sie in ihrer Urteilsbegründung. Sie folgte der Anklage in ihrem Urteil. Dabei hatte der 38-Jährige noch Glück: Denn er hatte bei seiner Tat ein Cuttermesser einstecken, als Arbeitswerkzeug, wie er betonte. Das glaubten ihm Anklage und Gericht. Andernfalls wäre ein "Diebstahl mit Waffen" im Raum gestanden - der wird deutlich schärfer bestraft.

Den Haftbefehl hob Richterin Jäger auf, setzte den 38-Jährigen auf freien Fuß. Allerdings dürfte auch seine Bewährung widerrufen werden. Damit stünden dann fünf Monate Haft an, zu der er antreten muss, sollte das Urteil rechtskräftig werden. Die zweieinhalb Wochen, die er bereits vor der Verhandlung im Gefängnis saß, werden auf die Strafhaft in der Regel nicht angerechnet.

"Wenn einer gar nicht dazu lernen will, muss er auch wegen einer solchen Lappalie einpassieren."

Strafrichterin Jennifer Jäger

Geständnis reicht nicht für Bewährung

Schwandorf

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