12.10.2021 - 15:51 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Warten in Schwandorf hat ein Ende: Freudentränen bei Bauplatzvergabe

Vor der Schwandorfer Oberpfalzhalle spielten sich am Dienstagvormittag surreal wirkende Szenen ab. Menschen weinten Freudentränen und lagen sich in den Armen, weil sie in eine Liste für Bauwillige aufgenommen wurden.

Tränen flossen, und die Menschen umarmten sich vor Freude über den städtischen Vermerk "Baugebiet Fronberg Hasenbuckel II". Im Windhund-Verfahren hatten sie die Nase vorn und können nun konkrete Baupläne schmieden.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Pünktlich um 8 Uhr am Dienstag haben Mitarbeiter der Stadt Schwandorf die Pforte zur Oberpfalzhalle geöffnet und damit das Ende eines Zustands eingeleitet, der bayernweit für Schlagzeilen sorgt. Seit Samstagmorgen hatten Leute vor dem Gebäude campiert, damit sie einen Platz auf der Liste der Bauwilligen bekommen. 64 Grundstücke waren zu vergeben - 50 im Baugebiet Hasenbuckel in Fronberg und 14 im Rothlinden-Viertel. Mehr als 80 Interessenten hatten sich bis Montagmittag in die Warteschlange eingereiht, rund 100 waren es schließlich kurz vor Beginn der Vergabe.

Ruhig und diszipliniert

Zu den befürchteten Tumulten kam es nicht. "Es ist alles friedlich und diszipliniert abgelaufen", bilanzierte die Pressesprecherin der Stadt Schwandorf, Maria Schuierer, nachdem der erste Schwung abgearbeitet war. Die städtischen Mitarbeiter gingen nach dem Prinzip Blockabfertigung vor: Von den Wartenden an der Spitze der Schlange durften immer nur zehn eintreten.

Nachdem es in der Nacht zum Montag in dem improvisierten Feldlager der Bauwilligen zu hitzigen Diskussionen über Sinn und Unsinn des Vergabeverfahrens und das weitere Vorgehen gekommen war, hatten Wartende eine Eskalation in der kalten und von Nieselregen begleiteten Nacht auf Dienstag für möglich gehalten. Einige Campierer hatten Oberbürgermeister Feller darauf angesprochen, als er am Montagnachmittag zu einer Ausschusssitzung in die Oberpfalzhalle gekommen war. Die Lage blieb nach Auskunft von Stadt-Sprecherin Schuierer aber ruhig. Die Stadt hatte vorsorglich einen Sicherheitsdienst engagiert und die Halle für Toilettengänge geöffnet. Es dauerte rund sieben Stunden, bis die Schlange abgearbeitet war. Am Ende, gegen 15 Uhr, waren alle 64 Parzellen reserviert und eine Warteliste mit mehr als 60 weiteren Interessenten angelegt.

Ein Nachspiel im Stadtrat

Wie ist der Hype um die Schwandorfer Baugebiete zu erklären? Lange Wartelisten gibt es auch andernorts - es war das Vergabeverfahren nach dem Windhundprinzip, das die Campingaktion auslöste und für Schlagzeilen sorgte. In anderen Kommunen, die sich auf ein Punktesystem für Einheimische oder ein Losverfahren geeinigt hatten, läuft die Vergabe von Bauplätzen oft geräuschloser ab. Die Nachfrage ist in der ganzen Oberpfalz groß. Es sind vor allem junge Leute, wie Laura Glaser, die nach einem Studium wieder zurück in ihre Heimat wollen, mit dem Ziel, hier eine Familie zu gründen und sich eine Existenz aufzubauen. Glaser hat nach ihrem Studium in Erlangen eine Logopädie-Praxis in Schwandorf eröffnet. "Wir träumen davon, hier zu bleiben", erzählte sie. "Für uns geht es um alles." Ihr Traum dürfte sich erfüllen, Laura Glasers Partner hat seit Samstagmorgen vor der Halle ausgeharrt und war bei der Anmeldung im ersten Zehner-Block.

Im Stadtrat wird über das Vergabeverfahren wohl noch einmal diskutiert werden. SPD-Fraktionschef Franz Schindler sieht seine Bedenken bestätigt. Er bezeichnete das Windhundverfahren als "mittelalterlich und ungerecht". Die SPD hatte ein Punktesystem beantragt, war mit diesem Vorschlag aber gescheitert. Der Vorsitzende der CSU-Fraktion, Andreas Wopperer, verteidigte das mehrheitlich beschlossene Vorgehen. "Vom Grundsatz her ist das Windhundverfahren OK", sagte er. Allerdings sei er über die Nebenwirkungen, das tagelange Anstehen, nicht glücklich. Wopperer könnte sich für die Zukunft vorstellen, dass man den Ort für die Anmeldung länger geheim hält. "Vielleicht sollten wir den erst 18 Stunden vorher bekanntgeben." Ähnlich äußerte sich Dritte Bürgermeisterin Marion Juniec-Möller (Grüne): "Wäre der Erste nicht schon am Samstag vor der Halle gewesen, wäre nicht diese Welle losgetreten worden." Aktuell stehen in Schwandorf aber keine neuen Baugebiete zur Vergabe an. Laut Wopperer waren "Hasenbuckel II" und Rothlinde auf absehbare Zeit die letzten Areale, die die Stadt ausweisen konnte.

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Müde, aber überglücklich gaben Carolin und Dennis Wagenthaler sowie Stefan und Sina Deml (von links) dem Bayerischen Rundfunk ein Interview. Sie hatten sich soeben an dritter und vierter Stelle für ein Grundstück im neuen Fronberger Baugebiet "Hasenbuckel II" vormerken lassen.
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