28.06.2021 - 15:39 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Wappenfassade am Schwandorfer Landratsamt mit Tücken

Die Südfassade des neuen Gebäudeteils des Landratsamts ziert eine Sammlung der Wappen aller 33 Orte im Landkreis. Wirklich aller? Eine Gemeinde tanzt aus der Reihe.

Die Glasfassade am Neubau des Landratsamts zeigt neben dem Wappen des Landkreises die Wappen der kreiszugehörigen Gemeinden. Eines sticht heraus, es ist rund und eigentlich kein Wappen (zweite Reihe von unten).
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Im neuen Anbau an das bestehende Landratsamts-Gebäude werden insgesamt 74 neue Büroarbeitsplätze auf drei Stockwerken geschaffen. "Dies war erforderlich geworden, nachdem die Mitarbeiterzahl in den letzten Jahren stetig angewachsen ist", betonte Hochbauleiterin Michaela Gottmeier in einem Schreiben auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien.

Im September 2020 gingen die Verantwortlichen daran, die Fassadengestaltung des Neubaus umzusetzen. Der massive Treppenhauskern auf der Stirnseite des Neubaus sollte eine Glasfassade mit den Wappen der Landkreisgemeinden bekommen, die auf Glastafeln aufgedruckt wurden.

Die Idee, die Glasfassade auf der Südseite mit den Gemeindewappen zu gestalten, stammt von dem Architekten Christian Schönberger. Die Wappen seien auch Symbol dafür, so Schönberger, dass die Kommunen ganz erheblich zur Finanzierung des Landkreishaushalts beitragen. Alle Wappen wurden in der Folge von der Firma Irlbacher Blickpunkt Glas in Schönsee auf ein einheitliches Layout und in schwarz-weiß oder Grautönen und gleicher Größe auf Glas aufgebracht.

Wie Pressesprecher Hans Prechtl erläuterte, habe man sich damals entschieden, die Wappen nicht aus Wikipedia zu entnehmen, "da wir keine Urheberrechte verletzten wollen und - was nahezu wichtiger ist - uns in einem Falle aufgefallen ist, dass das dort veröffentlichte Wappen eine Unrichtigkeit im Detail enthält". Auf der Homepage des Hauses der Bayerischen Geschichte sind auch alle Wappen abgebildet, aber in zu kleiner Auflösung für die Zwecke des Landkreises. Unabhängig davon sei die Homepage aber "sehr zu empfehlen, wenn es um Wappenbeschreibung, Wappengeschichte oder Wappendaten geht", befand Prechtl. Am Ende wurden alle Gemeinden gebeten, ihr Wappen für die Fassade in digitaler Form als Bilddatei zur Verfügung zu stellen.

Die bedruckten Glasscheiben gingen dann an die Firma KM Spezialglas, die den Auftrag für die gesamte Glasfassade hatte. Dort wurden die bedruckten Scheiben mit einer zweiten Scheibe als Sicherheitsscheibe verbunden und dann von KM Spezialglas im Rahmen ihres Auftrags montiert. Der untere Fassadenteil - also das Untergeschoss und das Tiefgeschoss - ist lediglich verputzt, weil an der Stelle der noch nicht geplante Sitzungssaal anschließen soll. Nachdem die Umsetzung des Sitzungssaals zeitlich noch nicht fest steht, soll dort vorübergehend noch das neue Logo des Landratsamts mit Schrift "Landratsamt Schwandorf" malertechnisch aufgebracht werden.

Bei der Planung der Fassade und bei ihrer Montage tauchten zwei Probleme auf. Das erste war pittoresker Natur. Es stellte sich nämlich heraus, dass die Gemeinde Stadlern im Osten des Landkreises als einzige über kein eigenes Wappen verfügt. "Aus der Not heraus ist dann ein anderes Motiv kreiert worden," berichtete Pressesprecher Prechtl. Wie das aussieht, das beschreibt Gerald Reiter, der Bürgermeister der 525-Seelen-Gemeinde, eine der kleinsten im Kreis. Anders als ein normales Wappen ist das Stadlerner Bildsymbol rund und erinnert schon von daher ein bisschen an ein Bierfilzl. Es ziert nicht nur die Glasfassade des Landratsamts, sondern auch das Gebäude der Stadlerner Feuerwehr. Wie der Bürgermeister weiß, war um 1970 zwar die Annahme eines Gemeindewappens im Gespräch, es kam jedoch nicht dazu. Somit ist die Gemeinde Stadlern die einzige Gemeinde in der Oberpfalz, die kein offizielles Wappen führt. Neben Stadlern können außerdem nur drei weitere der 2056 Gemeinden in Bayern (Elchingen, Prebitz und Schwebheim) kein eigenes Wappen aufweisen.

In dieser Verlegenheit ist die Gemeinde Thanstein also nicht. Trotzdem gab es mit dem Wappen der 950 Einwohner zählenden Mitgliedsgemeinde der Verwaltungsgemeinschaft Neunburg vorm Wald ein Malheur. "Es ist bei der Montage in Schwandorf leider gebrochen," bedauerte Prechtl. Man hat es schließlich ersetzt. Doch das dauerte, und nachdem die Glasfassade montiert war, fehlte das Thansteiner Wappen eine ganze Weile.

Der Landkreis Schwandorf investiert viel Geld in seine Baustellen

Schwandorf
Die Gemeinde Stadlern die einzige Gemeinde in der Oberpfalz, die kein offizielles Wappen führt. Genutzt wird stattdessen dieses runde Emblem mit bedeutenden Gebäuden in dem kleinen Ort.
Hintergrund:

Stadlern, der Ort ohne eigenes Wappen

  • Stadlern (525 Einwohner): Um 1970 war zwar die Annahme eines Gemeindewappens im Gespräch, es kam jedoch nicht dazu. Somit ist die Gemeinde Stadlern die einzige Gemeinde in der Oberpfalz, die kein offizielles Wappen führt. Auf dem runden Emblem ist unten die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt abgebildet, darüber das Werk MMM Münchener Medizin Mechanik und ganz oben die Burgruine Reichenstein.
  • Thanstein (950 Einwohner): Die Tanne auf dem Dreiberg steht für den Ortsnamen Thanstein. Horn und Zange verweisen auf zwei für die Herrschaftsgeschichte der Gemeinde wichtige Adelsfamilien. Das Symbol der Zange steht für die Zenger, die vom 14. bis zum 16. Jahrhundert als Inhaber der Hofmark Thanstein belegt sind. Das Horn ist aus dem Familienwappen der Freiherren von Horneck, seit 1754 in Kulz. Zange und Horn, historische Symbole der Ortschaften Thanstein und Kulz, erinnern somit auch an die 1978 erfolgte Zusammenlegung der beiden Gemeinden.

 

 

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