18.02.2021 - 16:23 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Vorsichtiges Aufatmen im Partnerlandkreis Görlitz

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Eine Sieben-Tage-Inzidenz von über 700 war der traurige Höhepunkt der Coronapandemie im Schwandorfer Partnerlandkreis Görlitz. Innerhalb von zwei Monaten liegt der Wert wieder bei unter 90, Tendenz sinkend. Wie haben sie das geschafft?

Der Görlitzer Landrat Bernd Lange (Zweiter von links) begrüßt den Generalarzt der Bundeswehr, Bruno Most (vorne rechts). Für zwei Monate haben 160 Soldaten den Landkreis in Sachsen in der Virusbekämpfung unterstützt.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Ganz vorsichtig und langsam entspannt sich die Corona-Lage im Schwandorfer Partnerlandkreis Görlitz (Sachsen) wieder. Genau zwei Monate nach einem dramatischen Inzidenzwert von 701,1 am 16. Dezember, ist der Landkreis wieder runter auf 87,8 (Stand 16. Februar). Im Kreis Schwandorf liegt die Sieben-Tage-Inzidenz am selben Tag bei 97,4. Wie die Görlitzer das geschafft haben und wie es zu diesem Negativ-Höhepunkt gekommen ist, erklärt Franziska Glaubitz, Sachbearbeiterin Öffentlichkeitsarbeit des Landkreises Görlitz.

Corona im Sommer kaum präsent

"Mit unserem Spitzenwert von 701,1 im Dezember hatten wir einen der höchsten in ganz Deutschland, Die Lage war durchaus angespannt", erzählt Glaubitz. Dank der breiten Unterstützung und der zunehmenden Akzeptanz der Regelungen ist es uns gelungen, den Inzidenzwert nach unten zu drücken. Krankenhäuser, Pflegepersonal, Mitarbeiter der Verwaltung und Hilfsorganisationen sind zeitweise stark an ihre Grenzen gekommen", sagt Landrat Bernd Lange.

Rückblick: Im Sommer freute sich Sachsen über niedrige Fallzahlen. "Die Leute haben Corona schon gar nicht mehr so wahrgenommen", erinnert sich Glaubitz. Viele hätten das Virus verharmlost, es mit der Grippe gleichgesetzt. Anstecken, so die weitläufige Meinung, würden sich wenn dann eher alte Menschen. Das taten leider auch viele. In Görlitz gibt es viele Pflegeheime, der Altersdurchschnitt ist hoch. Viele Heime waren auch unter Quarantäne. Dadurch war die Gefahr "draußen" aber weniger präsent. Die meisten fühlten sich nicht vom Covid-19-Virus bedroht und machten einfach weiter wie bisher. Während in Bayern jeder schon an den Mund-Nasenschutz gewöhnt war, gab es in Sachsen lange keine Maskenpflicht. Umso schwieriger sei dann der Übergang in den Herbst gewesen. Erst im Oktober wurden auf Landesebene Beschränkungen beschlossen. "Doch da war der Stein schon ins Rollen gebracht worden", erinnert sich Glaubitz.

Im November und Dezember stieg der Inzidenzwert immer weiter an. Langsam machte sich doch ein mulmiges Gefühl bei den Menschen breit. Immer mehr Familien waren direkt von Corona betroffen, haben beispielsweise ein älteres Familienmitglied verloren. Insgesamt sind im Kreis Görlitz bisher 884 Menschen mit Corona verstorben, in Schwandorf sind es bis dato 109 bei 100 000 Einwohnern weniger. Bei einer Inzidenz von über 700 war es fast unmöglich, alle Kontaktpersonen ausfindig zu machen. Die Krankenhäuser waren voll, die Lage kritisch.

Am Höhepunkt der Pandemie in Görlitz kam dem Landkreis die Bundeswehr zu Hilfe. 160 Soldaten haben zwei Monate unterstützend eingegriffen: als Sanitäter, helfende Hände oder Kontaktpersonermittler. "Ohne die Hilfe der Bundeswehr hätte die medizinische Infrastruktur nicht aufrecht erhalten werden können", ist sich Glaubitz sicher. Es habe zwar einiges an Anlauf gebraucht, doch die rasch sinkende Inzidenz, die sich mittlerweile konstant unter 100 befindet, zeigt, dass es sich gelohnt hat.. Seit 14. Februar gibt es einige Lockerungen. "Der Landrat ist der Meinung, dass die Leute auch dafür belohnt werden sollen, wenn sie sich an die Regeln halten", betont Glaubitz.

Lockerungen als Belohnung

So ist die abendliche Ausgangssperre aufgehoben und die Schulpflicht ausgesetzt. Das heißt im Umkehrschluss: Schulen und Kitas haben wieder geöffnet und die Kinder dürfen die Einrichtungen besuchen, können aber auch weiter Homeschooling machen. "In zwei bis drei Wochen wird geschaut, ob es weitere Lockerungen gibt", erzählt Glaubitz. Entspannt sei die Situation noch nicht, betont auch Landrat Lange. Doch langsam gehen die Verwaltungsmitarbeiter, die übergangsweise als Kontaktpersonenermittler oder generell im Gesundheitsamts gearbeitet hatten, wieder zurück in ihre eigentlichen Abteilungen. Der Großteil der Soldaten wird verabschiedet. Nach einer schweren Zeit kehrt wieder ein bisschen Normalität ein.

Der Landkreis Tirschenreuth ist aktuell am meisten in Deutschland von Corona betroffen

Oberpfalz
Hintergrund:

Fakten zum Partnerlandkreis Görlitz

  • der Landkreis Görlitz liegt in Sachsen
  • die gleichnamige Kreisstadt ist die östlichste Stadt Deutschlands
  • der Landkreis liegt an zwei Landesgrenzen: Polen und Tschechien
  • er hat circa 250.000 Einwohner
  • seit März 2020 haben sich rund 14.540 Menschen mit Covid-19 infiziert
  • über 13.300 sind seither genesen, über 880 Menschen sind gestorben
  • der Negativ-Rekord der Sieben-Tage-Inzidenz war am 16. Dezember mit 701,1
  • mittlerweile ist er bei 81,91 (Stand 17. Februar, 0 Uhr)
  • nur durch den Einsatz von etwa 160 Bundeswehrsoldaten und den vehementen Appellen an die Bevölkerung, sich an die Regeln zu halten, konnte die medizinische Infrastruktur aufrechterhalten werden und das Virus in den Griff bekommen werden.
  • mit strengem Blick auf die Fallzahlen werden immer mehr Maßnahmen gelockert, zum Beispiel dürfen Kinder wieder die Kitas und Schulen besuchen. Die Schulpflicht ist ausgesetzt.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.