19.07.2021 - 18:05 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Viel Politik-Erfahrung und einige Exoten im Wahlkreis Schwandorf

Am Wochenende konnten sich die meisten Direktkandidaten des Wahlkreises 234 Schwandorf schon einmal politisch beschnuppern. Sie saßen miteinander auf einem Podium der Landjugend.

Am 26. September 2021 wird der 20. Deutsche Bundestag gewählt. Derzeit laufen in die Vorbereitungen in den Kreiswahlbehörden.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Im Wahlkreis 234 der Landkreise Schwandorf und Cham, dem auch die Gemeinden Wörth an der Donau und Brennberg im Landkreis Regensburg zugeschlagen wurden, machen sich einige Kandidaten Hoffnung auf einen Einzug ins Parlament. Einer oder eine wird direkt gewählt werden, andere rechnen sich Chancen über die Landeslisten ihrer Partei aus.

Martina Englhardt-Kopf (CSU)

Nach dem Ausscheiden des CSU-Bundestagsabgeordneten Karl Holmeier aus dem Parlament wird der neuen CSU-Direktkandidatin Martina Englhardt-Kopf von vielen zugetraut, am Wahltag in der Region als Siegerin aus dem Rennen hervorzugehen. „MEK“, wie sich selbst manchmal abkürzt, bringt als Zweite Bürgermeisterin der Großen Kreisstadt Schwandorf und als Chefin der CSU-Kreistagsfraktion schon viel Polit-Power mit. Die heute 40-jährige Studiendirektorin ist bei der Regierung der Oberpfalz im Verwaltungsdienst der Schulaufsicht beschäftigt .

Marianne Schieder (SPD)

Am meisten politische Erfahrung auf dem Bundesparkett bringt die Sozialdemokratin Marianne Schieder (59) mit. Die Volljuristin ist seit 2005 Abgeordnete des Deutschen Bundestages, seit November 2017 Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion. Mit dem Einzug in den Bundestag kann auch die Wernberg-Köblitzerin Marianne Schieder rechnen. Die Delegierten reihten sie auf den Listenplatz zwölf der bayerischen Landesliste ein.

Tina Winklmann (Grüne)

Noch eine, die bei dieser Bundestagswahl fest an ihr politisches Glück glaubt, ist Tina Winklmann. Die 41-Jährige ist unter den Grünen eher eine Exotin: Vom Dorf, aus einer Arbeiterfamilie, mit Mechanikerausbildung. Aufgewachsen ist sie im Wernberg-Köblitzer Ortsteil Dammelsdorf, inzwischen lebt Winklmann aber in Wackersdorf und arbeitet im Büro der Tirschenreuther Landtagsabgeordneten Anna Schwamberger (früher Toman). Bei der Aufstellung der Landesliste für die Wahl am 26. September wählten die Delegierten Bezirksvorsitzende Tina Winklmann auf den Platz 17 der Landesliste. Sie hat damit gute Chancen als zweite „grüne“ Oberpfälzerin neben dem Regensburger Stefan Schmitt in den Bundestag einzuziehen.

Ines Tegtmeier (FDP)

Ines Tegtmeier, 50 Jahre alt, und als technische Assistentin an der Universität Regensburg tätig, weiß schon, „dass mich wahrscheinlich sehr wenige kennen“, wie sie auf der Homepage der Liberalen feststellt. Sie ist seit 2016 Mitglied der FDP und lebt seit 20 Jahren in der Oberpfalz; davor war sie in Thüringen zu Hause. Die Rodingerin (Landkreis Cham) ist mit Platz 17 der Landesliste nahe an der Platzierung für ein Bundestagsmandat. Bisher hat die bayerische FDP nämlich zwölf Vertreter in Berlin.

Sönke Siebold (ÖDP)

Auch Sönke Siebold wohnt im Landkreis Cham. Der ÖDP-Direktkandidat ist 49 Jahre alt und arbeitet als Planungsingenieur und Verwaltungsangestellter. Mandate und Parteiämter hat er keine. Auch auf der 38 Personen zählenden Landesliste der ÖDP Bayern taucht er nicht auf, so dass er keine Chance hat, in den Bundestag zu kommen.

Manfred Preischl (Linke)

Manfred Preischl aus Nittenau will es für die Partei Die Linke wissen. Der 60-jährige freiberufliche Musiklehrer ist Vorstandsmitglied im Kreisverband Mittlere Oberpfalz. Seit 2018 engagiert sich Preischl bei der Linken. Auf deren 26-köpfigen Landesliste ist der Nittenauer nicht zu finden.

Christian Schindler (Freie Wähler)

Und noch ein Chamer, und zwar direkt aus der Stadt Cham: Es ist Christian Schindler, den die Freien Wähler als Direktkandidaten ins Rennen schicken. Der 28-Jährige ist beruflich stellvertretender Ordnungsamtsleiter im Chamer Rathaus. Seit 2014 engagiert er sich als aktives Mitglied im Ortsverband der Freien Wähler der Stadt Cham. Schindler steht hinter Parteichef und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und Anette Hauser-Felberbaum (Schwaben) auf Platz drei der Landesliste der Freien Wähler. Ein Mandat in Berlin erhält er, wenn er im Wahlkreis direkt gewählt wird oder die Freien Wähler bundesweit drei Direktmandate beziehungsweise fünf Prozent der Zweitstimmen schaffen.

Wolfgang Pöschl (AfD)

Auch die AfD ist mit einem Kandidaten aus dem Landkreis Cham vertreten. Er heißt Wolfgang Pöschl und ist in dem kleinen Ort Lohberg im Zentrum des Bayerischen Waldes beheimatet. Der 58-jährige Pöschl ist Mitglied im Oberpfälzer Bezirkstag. Seit 2019 führt der promovierte Physiker und Mathematiker die AfD im Landkreis Cham.

Thomas Faltermeier (LKR)

Thomas Faltermeier (52) aus dem Brucker Ortsteil Mögendorf, der Schwager der Brucker CSU-Bürgermeisterin Heike Faltermeier, hat bei den Marktratswahlen vor zwei Jahren 1094 Stimmen für sich als AfD-Kandidaten geholt. Damit wurde er der einzige AfD-Marktrat im 16-köpfigen Brucker Plenum. Nach fünf Monaten im Amt hat Thomas Faltermeier allerdings noch im Jahr 2020 seine Partei nach einem Zerwürfnis mit dem Kreisverband verlassen. Zwischenzeitlich hat sich der Spezialist für Materialsteuerung bei BMW der LKR angeschlossen, für die er nun für den Bundestag kandidieren will. LKR heißt Liberal-Konservative Reformer, davor Allianz für Fortschritt und Aufbruch, und ist eine deutsche Kleinpartei, die 2015 vom ehemaligen AfD-Bundessprecher Bernd Lucke initiiert wurde. Bei der Bundestagswahl 2017 und den Landtagswahlen in den Jahren 2019 und 2020 trat die Partei nicht an.

Constanze Beck (V-Partei)

Vegan und vegetarisch, das sind Interessenschwerpunkte der V-Partei³. gesprochen V hoch drei. Die nahezu unbekannte Gruppierung hat sich unter anderem den Tierrechten verschrieben und wird bei der Bundestagswahl von der Schwandorferin Constanze Beck vertreten.

Andreas Duschinger (BPD)

Die Basisdemokratische Partei Deutschland hat Andreas Duschinger (47) aus Burglengenfeld zu ihrem Direktkandidaten gemacht. Sie ist eine Kleinpartei, die im Juli 2020 im Umfeld der Proteste gegen Schutzmaßnahmen wegen der Covid-19-Pandemie in Deutschland gegründet wurde.

Der Kreiswahlausschuss tagt am 30. Juli. Er entscheidet über die Zulassung der einzelnen eingereichten Wahlvorschläge.

Am 19. Juli endet um 18 Uhr die Frist für die Einreichung von Kreiswahlvorschlägen

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Bundestagswahl am 26. September 2021

  • Christlich-Soziale Union Bayern, CSU: Martina Englhardt-Kopf (Schwandorf)
  • Sozialdemokratische Partei Deutschlands, SPD: Marianne Schieder (Wernberg-Köblitz)
  • Freie Demokratische Partei, FDP: Ines Tegtmeier (Roding, Landkreis Cham)
  • Bündnis 90/Die Grünen: Tina Winklmann (Wackersdorf)
  • Ökologisch-Demokratische Partei, ÖDP: Sönke Siebold (Tiefenbach, Landkreis Cham)
  • Freie Wähler, FW: Christian Schindler (Cham, Landkreis Cham)
  • Die Linke: Manfred Preischl (Nittenau)
  • Alternative für Deutschland, AfD: Dr. Wolfgang Pöschl (Lohberg, Landkreis Cham)
  • Liberal-Konservative Reformer, LKR: Thomas Faltermeier (Bruck i.d.OPf.)
  • Basisdemokratische Partei Deutschland, Die Basis: Andreas Duschinger (Burglengenfeld)
  • Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer, V-Partei³: Constanze Beck (Schwandorf)
Auf Einladung der Nittenauer Landjugend diskutierten am Samstag die Bundestags-Direktkandidaten (von links) Manfred Preischl, Linke, Marianne Schieder, SPD, Tina Winklmann, Grüne, Sönke Siebold, ÖDP, Ines Tegtmeier, FDP, Christian Schindler, FW, und Martina Englhardt-Kopf, CSU.
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