Update 02.12.2020 - 17:30 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Versuchte Brandstiftung im Verfolgungswahn?

Es geht um versuchte schwere Brandstiftung in Schwandorf. Vor den Richtern sitzt ein 55-Jähriger, dem die Psychiatrie droht. Zum Prozessauftakt hat der Mann eine abenteuerliche Geschichte erzählt. Täter will er nicht sein. Eher schon Opfer.

Nach einem Brand in einem Mehrfamilienhaus in Schwandorf sitzt ein 55-Jähriger wegen versuchter schweren Brandstiftung auf der Anklagebank. Ihm droht die Einweisung in die Psychiatrie.
von Autor HWOProfil

Als die Schwandorfer Feuerwehr am 4. Oktober vergangenen Jahres um 7.40 Uhr an einem Mehrfamilienhaus an der Dieselstraße eintraf, fand sie eine bedrohliche Lage vor: Qualmschwaden im Gebäude, schwerer Atemschutz beim Einsatz notwendig. Zwei Aktive rüsteten sich damit aus und kamen vor eine Wohnungstür, hinter der sich offenbar der Brandherd befand. Die beiden Helfer öffneten sie gewaltsam und stießen auf einen Mann, der sich nicht hinausbringen lassen wollte. Der 55-Jährige leistete Gegenwehr, wurde zu Boden gebracht und aus der Gefahrenzone gezogen.

In der Wohnung verbarrikadiert

Später stellten Polizisten fest: Die Wohnungstür war von innen mit vier Schrauben so gesichert worden, dass sie sich weder von innen noch von außen öffnen ließ. Außerdem waren Vorhangstangen zur Verbarrikadierung angebracht worden. Auf dem PVC-Boden des Eingangsbereichs befand sich ein größerer Brandfleck. Die Flammen waren allerdings von selbst ausgegangen. Sie hatten zuvor für den durchs ganze Haus ziehenden Qualm gesorgt.

Der 55-Jährige sitzt nun vor der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts. Es könnte sein, mutmaßt die Staatsanwaltschaft, dass er unter Wahnvorstellungen leidet und deshalb eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Muss er deswegen in die Psychiatrie? Über diese Frage hat die Strafkammer jetzt zu entscheiden.

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Zum Auftakt des Prozesses kam der neben seinem Anwalt Heinz Ettl sitzende Beschuldigte zu Wort. Was er der Vorsitzenden Richterin Roswitha Stöber schilderte, war eine sich abenteuerlich anhörende Geschichte, in deren Mittelpunkt "eine Bande von Ausländern" stand, von der sich der Mann schon längere Zeit vor dem Brandereignis bedroht fühlte. Die Leute hätten akribisch versucht, in seine Wohnung vorzudringen, schilderte der 55-Jährige. Auch wieder in jener Nacht zum 4. Oktober 2019. Deswegen sei von ihm die Barrikade errichtet worden.

"Weil ich halt ein Schlamper bin"

Die Strafkammervorsitzende unterbrach den Redefluss nicht. Sie fragte zwischendrin lediglich, wie es denn dann zu dem Brand gekommen sei. Auch dafür hatte der Mann eine Erklärung. Er habe Nitroverdünnung im Haus gehabt, um damit Flecken im Badezimmer zu beseitigen. Mit der Flüssigkeit sei von ihm ein Lappen getränkt und im Eingangsbereich der Wohnung auf den Boden geworfen worden. "Weshalb dort?", wollte die Richterin erstaunt wissen. Die Antwort: "Weil ich halt ein Schlamper bin."

Nächste Frage: "Und wie ist es dann zum Brand gekommen?" Auch das, was dann kam, nahm sich merkwürdig aus. Als am frühen Morgen die "ausländische Bande" seine Tür aufbrechen wollte, sei er eiligst aus dem Bett aufgestanden, habe sich nervös eine Zigarette angezündet und dann sei wohl Glut auf den mit Nitroverdünnung getränkten Lappen gefallen. Keine Absicht also, eher ein unglücklicher Zufall.

Merkwürdiges Verhalten

Als diese Schilderung beendet war, stellte Richterin Stöber eine weitere Frage. Sie lautete: "Haben Sie einmal überlegt, ob das alles so war?" Der 55-Jährige ging darauf nicht ein. Er sagte nur: "Ich hatte vier Tage lang Terror vor der Wohnung" - von Leuten, die ihm Böses wollten, weil er einen von ihnen angezeigt habe. Die Erste Strafkammer hat zwischenzeitlich Zeugen gehört. Unter ihnen Hausbewohner, die von merkwürdigem Benehmen des Erwerbslosen sprachen.

Auch die beiden zur Wohnung vorgedrungenen Feuerwehrmänner kamen zu Wort. Dabei verdeutlichte sich, dass da jemand in seinen vier Wänden war, der offenbar nicht so recht wusste, was sich gerade abspielte. Der Beschuldigte selbst hatte die Situation so beschrieben: "Ich konnte nicht verstehen, was die von mir wollten."

Das Urteil bestand schließlich aus einem Satz. Er lautete: "Der Antrag der Staatsanwaltschaft auf Einweisung in die Psychiatrie wird zurückgewiesen." Das hatte Anklagevertreter Holger Bluhm in seinem Plädoyer verlangt.

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