15.04.2021 - 17:02 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Überwachter Eierverkauf: Vogelgrippe bereitet Hühnerhaltern Sorge

Die Vogelgrippe in Nittenau macht kleinen Geflügelhaltern das Leben schwer. Ohne Ausnahmegenehmigung dürfen sie ihre Eier nicht verkaufen. Weil die kostet, ist es für viele Erzeuger nicht rentabel. Laut einem Experten leidet der Tierschutz.

In Nittenau sind im vergangen Monat Fälle der Vogelgrippe aufgetreten. Das Landratsamt hat ein Beobachtungs- und ein Sperrgebiet eigerichtet. Für kleine Geflügelhalter ist der Verkauf von Eiern, die nur mit einer Ausnahmegenehmigung, die Geld kostet, nicht mehr rentabel.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Die Keulung von 50 000 Tieren in Nittenau Anfang März hat die Existenz der Vogelgrippe zurück ins Gedächtnis gerufen. Daraufhin hat das Landratsamt verfügt: "Erneut sehen wir uns veranlasst, darauf hinzuweisen, dass die infolge des Ausbruchs der Geflügelpest verordnete Stallpflicht im gesamten Landkreis gilt. Es ist derzeit verboten, Hühner, Gänse oder Enten und dergleichen in einem Freigehege unter offenem Himmel zu halten." An diesen Regeln hat sich bislang nichts geändert.

Was vonseiten des Seuchenschutzes derzeit wohl den einzigen Weg darstellt, um die Erkrankung flächendeckend einzudämmen, könnte zumindest in Teilen dem Tierschutzzur Last fallen. Ein Geflügel-Experte aus dem Kreis, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, befürchtet das zumindest. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien sagt er: "Die Tiere haben gerade nicht die Möglichkeit, sich zu bewegen." Das Geflügel müsse aufgestallt werden, weshalb sie enorm eng beieinander seien. Das betreffe insbesondere das Wassergeflügel. "Die haben nicht die Möglichkeit zu baden, was für die Vitalität und die Vermehrung der Tiere eigentlich enorm wichtig wäre. Das Wassergeflügel ist scheinbar die hauptbetroffene Gruppe der Seuche", sagt der Experte.

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Das Problem: Der enge Kontakt mit Artgenossen, bei dem nicht die Möglichkeit zum Ausweichen besteht, habe zur Folge, dass sich die Tiere gegenseitig bekämpfen. "Die Tiere raufen, was dazu führt, dass manche Halter schlachten müssen oder die Tierhaltung einfach aufgeben müssen. Hier geht der Seuchenschutz über den Tierschutz. Aber das lässt sich nicht ändern, so ist es halt nun mal. Aber das ist ganz schön hart", meint er.

Verkauf nur mit Genehmigung

Aktuell hat das Landratsamt zwei Sperrbezirke und zwei Beobachtungsgebiete aufgrund der Vogelgrippe eingerichtet. Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien teilte Hans Prechtl, Sprecher des Landratsamts, mit, dass die Gesamtzahl der Geflügelhalter im Landkreis Schwandorf 1931 Betriebe mit rund 530 000 Tieren beträgt. Davon fallen 65 Betriebe mit 2269 Tieren in die Sperrbezirke, 198 Betriebe mit 75 604 Tieren befinden sich in den Beobachtungsgebieten, für die das Landratsamt zuständig ist. Prechtl: "Hinzu kommen die Betriebe, für die die KBLV (Bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, Anm. d. Red.) zuständig ist. Das sind in der Summe beider Sperrbezirke nochmal sechs Betriebe mit 425 366 Tieren."

Die im Sperrbezirk beziehungsweise Beobachtungsgebiet befindlichen Betriebe dürfen Produkte nur mit behördlicher Genehmigung verkaufen. Das wiederum stellt für die kleinen Züchter im Kreis ein Problem dar. Derzeit gestalte sich die Lage so, dass sie ohne Ausnahmegenehmigung keines ihrer Produkte verkaufen dürften. Weil diese wiederum etwas koste, sei das für einige Halter schlicht nicht rentabel. "Wegen 60 Eiern oder so, da macht das keiner, das rentiert sich einfach nicht", erklärt unser Gesprächspartner. Er schätzt, dass es vielen Geflügelzüchtern in der Region über kurz oder lang so gehen wird, dass sie die Lust verlieren und vielleicht einfach aufgeben werden.

Wie es weitergehen soll, gleiche derzeit einem Blick in die Glaskugel. Zwar betont der Experte, dass die steigenden Temperaturen dem Virus den Garaus machen könnten. "Das Virus stirbt ab, wenn es wärmer wird", erklärt er. Allerdings könne es trotzdem immer wieder passieren, dass das Virus auch bei einem kleinen Halter ausbricht. Denn selbst wenn alle die Auflagen minuziös einhielten und dem Geflügel zum Beispiel nur Grünfutter verabreichten, könne immer noch etwas schiefgehen.

Bislang keine Verstöße

Was die Einhaltung der Auftstallung und des Verkaufsverbots angeht, so teilt das Landratsamt mit: "Die Kontrollen zum Verbleib von gehaltenen Vögeln gab es durch das Veterinäramt und durch die KBLV." Der Geflügelexperte kann ebenfalls keine Kritik am Handeln des Veterinäramts feststellen. "Die machen einen guten Job", sagt er. Gleichzeitig betont er, dass die Geflügelhalter in der Region alles täten, um die Auflagen zu erfüllen. Das kann auch das Landratsamt bestätigen. Prechtl: "Bei unseren Kontrollen haben wir keine Verstöße festgestellt. Es wurde auch eine Reihe von Proben gezogen, die bis auf den einen Betrieb komplett negativ waren."

Auch die Probenahmen der KBLV bei den Betrieben, für die diese zuständig ist, hätten bis Anfang der Woche nur negative Ergebnisse gebracht. Allerdings führt inzwischen der Ausbruch neuer Infektionen dazu, dass es einen neuen Sperrbezirk gibt, in dem die Lage neu bewertet und ebenfalls überwacht werden muss.

Hintergrund:

Vogelgrippe: Geltende Regeln im Landkreis Schwandorf

  • Das Sperrgebiet umfasst nun die in Teilen Stadt Nittenau . Genauer die Ortsteile Annahaid, Bergham, Bleich, Holzheim, Holzseige, Hubhof, Lichtenhaid, Muckenbach, Nittenau, Stadl, Thann, Trumling, Waltenried. Ebenso betroffen ist der Markt Bruck mit den Ortsteilen Grabenberg, Grubmühl, Hinterthürn, Hoffeld, Kellerhof, Kobl, Ried, Sankt Hubertus, Sollbach, Sulzmühl, Vorderthürn und Wackenried.
  • Als Beobachtungsgebiet gelten fürderhin die Stadt Nittenau, die Gemeinde Bodenwöhr, den Markt Bruck, die Gemeinde Steinberg am See sowie die Gemeinde Wackersdorf.
  • Die im Sperrbezirk gehaltenen Vögel müssen in geschlossenen Ställen oder unter einer überstehenden, dichten Abdeckung und mit einer gegen das Eindringen von Wildvögeln gesicherten Seitenbegrenzung aufgestallt werden.
  • Gehaltene Vögel, frisches Gefügel-Fleisch, Eier sowie von Geflügel stammende Erzeugnisse und tierische Nebenprodukte dürfen im Beobachtungsgebiet nicht aus dem Betrieb gebracht werden.

 

 

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