06.07.2021 - 16:13 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Trotz Corona: Vereine im Landkreis Schwandorf verlieren kaum Mitglieder

Die Corona-Krise hat den Vereinen augenscheinlich nicht das Genick gebrochen. Die Mitgliederrückgänge sind im Landkreis Schwandorf, wenn überhaupt, nur leicht über dem, was zu erwarten wäre. Die Hoffnungen ruhen jetzt auf dem Spielbetrieb.

Sportvereine im Landkreis Schwandorf verzeichnen nur leichte Mitgliederrückgänge nach dem von der Corona-Pandemie geprägten Jahr 2020.
von Julian Seiferth Kontakt Profil

Es stehe dramatisch um die Sportvereine, vermeldet der Bayerische Landessportverband (BLSV). Tatsächlich hat der Verband im vergangenen, von der Corona-Krise so geprägten Jahr im Freistaat rund 70 000 seiner 4,5 Millionen Mitglieder verloren. Allerdings liegt der Wer zum Ende des vergangenen Jahres um rund 50 000 höher als noch Mitte 2019. Kein klares Bild – und auch in der Region ist die Lage nicht einheitlich.

Da gibt es zum Beispiel Gerhard Ibler. Der Vorsitzende des FC Wernberg sieht zwar einen leichten Rückgang, besonders bei Kindern und Jugendlichen, allerdings keine existenzbedrohlichen. „Das geht schon beim Kinderturnen los. Die jungen Leute haben einfach erkannt, dass sie sich beispielsweise auch auf dem Fahrrad fit halten können.“

Nicht mehr zum Sport

Besonders bei den Jugendmannschaften werde es nun stellenweise eng. Abmeldungen sieht Ibler allerdings nicht kommen, dafür seien die Kader in der Jugendfördergemeinschaft (JFG) mit dem TV Wernberg noch zu gut gefüllt. Sowieso würden sich die Abwesenheiten nicht in der Mitgliederzahl niederschlagen. „Die Leute melden sich nicht zwingend beim Verein ab, die kommen eben nicht mehr zum Sport.“ Während der Pandemie habe der Verein rund 20 seiner 700 Mitglieder verloren. „Für den Moment sind wir ok, aber die Pandemie ist noch nicht vorbei. Die Zukunft wird, besonders im Jugendbereich, schwierig.“ Doch gerade denen wolle man etwas bieten, sagt Gerhard Ibler: „Die Leute sollen ja sehen, wofür sie Mitgliedsbeiträge zahlen.“ Die Hoffnung ruhe nun auf dem hoffentlich bald wieder beginnenden regulären Spielbetrieb.

Auch in Nabburg gibt es einen leichten Mitgliederschwund zu verzeichnen. „Wir haben rund 1500 Mitglieder in zehn Sparten“, sagt der dritte Vorsitzende des TV 1880 Nabburg, Peter Haas. „Wir stellen einen Rückgang fest, doch der hält sich in Grenzen. Das ist in der normalen Sterberate inbegriffen, weil von den Jungen nicht ganz so viel nachkommt.“

Die Situation für Sportvereine habe sich geändert in den vergangenen Jahren. „Früher ging man in einen Verein und blieb lange. Mittlerweile ist der Trend ein anderer: Die Kinder haben Interesse an einem Sport, irgendwann flaut das ab und diese Leute bleiben dann den Vereinen nicht immer erhalten.“ In echter Gefahr seien weder die Finanzen noch einzelne Abteilungen, einzig bei den Keglern sei das Team recht klein. „Das bedeutet aber nicht, dass das aufgelöst wird, sondern dass es recht eng gestrickt ist.“

Auch Stefan Harmsen sieht den Mitgliederschwund bei seinem Verein vor allem im Jugendbereich. „Besonders dramatisch ist das allerdings nicht, die Mitglieder halten uns im Großen und Ganzen die Treue.“ Und doch: „Es ist natürlich schade um jeden jungen Sportler, den wir verlieren. Jugendmannschaften zusammenzubringen ist ja schon schwer genug.“

Eventuell müsse man darüber nachdenken, einzelne Mannschaften zu streichen oder weiter Spielgemeinschaften einzugehen, besonders in den Ballsportarten. Entgegenkomme den Schwarzenfeldern besonders die Struktur im ländlichen Bereich, so Harmsen: „Hier ist so ein Verein stabiler. Ich weiß von Kollegen aus den Großstädten, dass es da schon mal schwieriger wird.“ Momentan stehe der Verein mit seinen 1500 Mitgliedern allerdings recht stabil da, auch finanziell.

Eher in die richtige Richtung

Entspannter gibt man sich in Pfreimd. „Viele Abgänge haben wir nicht. Ich kann nicht behaupten, dass wir das spüren“, sagt Wolfgang Strehl. Die generelle Entwicklung sieht der Vorsitzende der SpVgg Pfreimd positiv: „Es geht nicht zurück, eher in die richtige Richtung.“

Strehl führt das besonders auf die Jugend- und Turnabteilung der SpVgg zurück, „da sind wir sehr stark aufgestellt und finden viele junge Leute“. Momentan gebe es im Verein 1200 Mitglieder, auch finanziell habe man die vergangenen Monate gut überstanden. „Wir stehen auf sicheren Beinen.“

Hintergrund:

So geht es den Sportvereinen in Bayern

  • Der Bayerische Landes-Sportverband (BLSV) rechnet für das Jahr 2021 mit finanziellen Schäden von 450 Millionen Euro. 2020 betrugen die Einbußen nach Verbandsangaben rund 200 Millionen Euro.
  • Der Verband fordert finanzielle Hilfen von der Politik. Ansonsten sei die Lage existenzbedrohend.
  • Auch BLSV-Präsident Jörg Ammon setzt auf die Öffnungen und Möglichkeiten für Amateurvereine.
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