01.08.2019 - 17:33 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Tödlicher Klimastress

Dem Wald bei Traunricht geht'es nicht gut. Licht ist er. Viele Kiefern haben rote Gipfel. Forstdirektor Alwin Kleber hat ein Foto dabei. Da sieht dieser Wald eindeutig besser aus. Forstleute und Waldbesitzervereinigung (WBV) sind alarmiert.

Der Wald stirbt. Schädlinge setzen Fichten und Kiefern zu. Schnelle Maßnahmen müssen folgen, sagen der stellvertretender Leiter des Bereichs Forsten Jens Haertel, WBV-Geschäftsführer Alfons Vogel, Forstdirektor Alwin Kleber, WBV-Geschäftsführerin Yvonne Wolf, Anton Zizler, landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft, und Revierleiter Dieter Ernst (von links).
von Irma Held Kontakt Profil

Die Situation für den Wald im Landkreis bezeichnet der Bereichsleiter Forsten im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie stellvertretende Amtsschef als kritisch. Kleber vergleicht sie mit dem Waldsterben Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre. Mit Luftreinhaltung wurde damals geholfen. Jetzt sei die Ursache, sagt er bei einem Pressetermin, weltweite Klimaerwärmung. Die Temperaturen steigen und liegen 2018 um 3,3 Grad über dem Mittel von 1961 bis 90, wobei ein zu warmer Januar für den Wald nicht so entscheidend sei, wie 40 Grad im Juli. Was den Regen betreffe, rangiere die Oberpfalz unter dem Bayernschnitt. "Es regnet weniger, vor allem im Sommer", beweist er mit Grafiken.

Befall geht rasend schnell

Viele Baumarten litten unter Klimastress und diese Schwäche nutzten Schädlinge gnadenlos aus. "Was mir Sorge macht, ist heuer die explosionsartige Vermehrung." Zum Beispiel beim Kiefernprachtkäfer, der im ersten Halbjahr 2019 für über 5000 Festmeter Schadholz verantwortlich ist. Befallen seien ganze Flächen, nicht einzelne Bäume. So früh wie möglich müsse eingegriffen werden, "dann bleiben die Schäden so klein wie möglich". Er appelliert an die Waldbesitzer, Bestände zu kontrollieren. Der Kiefernprachtkäfer, der eigentlich in absterbendem Holz lebt,, gehe auf vitale, aber Hitze gestresste Bäume über. Für Yvonne Wolf, Geschäftsführerin der WBV Nabburg-Burglengenfeld, gilt vorrangig, die Wälder von kranken Kiefern frei zu kriegen. Kollege Alfons Vogl, WBV Neunburg-Oberviechtach, mahnt ebenfalls schnelles Handeln an.

Neue Baumarten

Keine Illusionen machen sich die Fachleute darüber, dass Kiefern Sommer wie 2018 und 2019 nicht lange durchhalten. Sie empfehlen Elsbeere, Roteiche Douglasie, Esskastanien oder Libanonzeder. Waldverjüngungen und Aufforstungen sollten mit dem Revierleiter abgesprochen werden. Damit der Wald nachwachsen könne, müsse sich der Wildverbiss in Grenzen halten. Westlich von Schwarzenfeld, beim neuen Wasserbrunnen, zeigt Kleber die Ausbreitung des Borkenkäfern. Waren im vorigen Jahr zwei Fichten betroffen, sind es heuer mindestens 20. Zu erkennen ist der Befall durch kaffeeähnliches Pulver am Fuß der Fichte und grüne Nadeln auf dem Waldboden. Yvonne Wolf sieht angesichts der Schäden im Waldschutz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. "Den Waldbesitzern muss unter die Arme gegriffen werden." Alle diese Schutzarbeiten rufen Anton Zizler von der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft auf den Plan, denn noch etwas ist alarmierend: die Unfallzahl. 20 tödliche Waldunfälle gab es bis zum Juli, im gesamten vorigen Jahr waren es zehn. Sein dringender Rat, Arbeit delegieren. Viele seien überfordert, weil sie nicht oft im Wald arbeiteten. "Es ist keine Schwäche, wenn man Profis ran lässt."

Gesunde Kiefern sehen anders aus.
Insektenbefall:

Bestände kontrolliern

Zwei Insekten machen sich daran, Waldbäume großflächig zu zerstören. Bei den Fichten ist es seit Jahren der Borkenkäfer. Den hitzegestressten und geschwächten Kiefern macht zunehmend der Kiefernprachtkäfer zu schaffen. Forstdirektor Alwin Kleber appelliert an die Waldbesitzer die Bestände ständig zu kontrollieren und unverzüglich zu handeln. Egal, ob befallene Fichte oder Kiefer, der Baum muss sofort raus und mindestens 500 Meter vom Wald entfernt gelagert und entrindet werden, damit die Käfer nicht wieder einen Angriff auf gesunde Bäume starten können.

Nach den Worten von Klebers Stellvertreter Jens Haertel wird eine insektizidfreie Borkenkäferbekämpfung mit bis zu zwölf Euro pro Festmeter Stammholz gefördert. Zwölf Euro gibt es dann, wenn auch Restholz, wie Gipfel oder kleine Äste, nicht an Ort und Stelle liegen bleibt, sondern verbrannt oder so zerstückelt wird, dass die Insekten keinen weiteren Schaden mehr anrichten können. Die Waldbesitzervereinigungen Nabburg-Burglengenfeld und Neunburg-Oberviechtach suchen nach geeigneten Lagerplätzen für Käferholz. Diese For der Borkenkäferbekämpfung muss vom Revierleiter begleitet und ein Antrag vor Beginn der Maßnahme gestellt werden. Weil die Bagatellgrenze bei 250 Euro liegt, organisiert die Waldbesitzervereinigung für Waldbauern mit kleineren Beständen Sammelanträge.

Die Made eines Kiefernprachtkäfers
Zeigt sich am Fuß von Fichten ein kaffeeähnliches Pulver, ist dies ein Indiz, dass sich im Stamm der Borkenkäfer eingenistet hat.

 

 

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