03.07.2020 - 14:19 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Teure Posten zahlen sich durch die Mehrwertsteuersenkung aus

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Jetzt lässt sich Geld sparen – beim Autokauf etwa. Die Reduzierung der Mehrwertsteuer soll Kauflaune machen. Händler und Handwerker im Kreis Schwandorf üben sich eher in Zurückhaltung. Einem wäre mit der Abschaffung der Maske mehr geholfen.

Wer bei einem Einkauf vier Euro sparen will, darf größer ansetzen. Genau dann zahlt sich bis zum Jahresende die verringerte Mehrwertsteuer, womit die Bundesregierung zum Konsum animieren will, aus.
von Irma Held Kontakt Profil

Für Finanzminister Olaf Scholz ist die Senkung der Mehrwertsteuer ein Mittel, damit der durch Corona zum Teil voll gebremste Handel wieder floriert. Für alle Händler, Handwerker und Anbieter ist er mit einem Mehraufwand verbunden. Für jeden Verbraucher ein Einsparpotenzial, wenn auch manchmal nur im Cent-Bereich. Je größer die Anschaffung, desto höher die Ersparnis. Das macht Autoverkäufer zuversichtlich. Darin, dass viele "die drei Prozent mitnehmen wollen", liegt die Hoffnung des Schwarzenfelder Autohändlers Herbert Manz.

Er setzt dabei auf die Nachfrage nach jüngeren Fahrzeugen bis zu drei Jahren oder Tageszulassungen. Seit Juni spüre er, "dass das Geschäfts wieder anzieht". Allerdings würde bei Neuwagen im privaten Bereich immer noch Zurückhaltung geübt. Den Aufwand der Umstellung bezeichnet er als enorm.

"Die einzigen, die profitieren, sind die Kunden, die ein Auto brauchen", sagt der Verkaufsleiter VW bei Maschek Automobile in Wackersdorf, Christian Dull. Bei Pkws und dem Multivan würde dem Käufer die Mehrwertsteuer geschenkt. Auch bei größeren Reparaturen lasse sich bis zum Jahresende Geld sparen. Dull verhehlt allerdings nicht, dass es zu einer Verschiebung in der Nachfrage kommen könne, das heißt ein Fahrzeugwechsel werde vorgezogen.

Bei großen Reparaturen am oder im Haus rentiert es sich jetzt zu investieren. Doch viele Handwerker wollen noch keine Prognose abgeben, wie sich die Steuersenkung auswirke. Die meisten haben, so der Tenor, volle Auftragsbücher. Manfred Becher, Metallbau Becher, in Pullenried, erwartet sich keinen Schub. Bei den meisten Aufträgen handle es sich um keine Kleinigkeiten. Sie bräuchten einen gewissen Vorlauf.

Steuersenkung auf alles stimmt, aber nicht alle geben sie an den Kunden weiter. Die Bäckerei Scherl verzichtet stattdessen auf eine Preiserhöhung und Friseur Bernhard Dräxler auf einen Hygieneaufschlag.

"Viele Handwerker sind jetzt wirklich gut ausgelastet", bestätigt die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, Claudia Mendel, gegenüber Oberpfalz-Medien. Sie könnten deshalb auch nicht mehr Umsätze generieren. Es sei ein Versuch und versuchen müsse man es, spielt sie auf die Mehrwertsteuersenkung an. Sie hoffe auf einen Effekt "und ich lasse mich positiv überraschen.

Kassenumstellung Pflicht

Egal ob die Senkung an den Kunden weitergereicht wird oder nicht, laut Mendel müssen alle Kassensysteme umgestellt werden. Das passiert im Friseursalon von Bernhard Dräxler in Nabburg am 10. Juli. Vorher habe der betreffende Fachmann keine Zeit. Für die Kunden ändere sich nichts. Er verlange keinen Hygieneaufschlag und lasse weiterhin preislich alles beim Alten.

Das sagen Händler aus der Region

Weiden in der Oberpfalz

Bei der Bäckerei Scherl in Schwandorf ist das ebenso. Kurt Scherl rechnet vor, dass eine Kaisersemmel für 30 Cent seit dem 1. Juli auf rund 29,6 Cent käme. Statt die Preise um Centbeträge zu senken, werde auf die fällige Preiserhöhung um rund zwei Cent pro Semmel verzichtet. Die enorm gestiegenen Rohstoffpreise, so Scherl, hätten dies notwendig gemacht.

Gute Geschäfte

Wurden bereits die Fahrradgeschäfte zu Krisengewinnlern erklärt, dämpft Robert Kostner diesen Optimismus. Der Nabburger Zweiradhändler gibt zu: "Die Geschäfte laufen gut, das stimmt." Er gibt aber auch zu Bedenken: "Ein Monat fehlt uns durch den Lockdown ganz." Er gehe davon aus, dass sich dieses Jahr am Ende nicht wesentlich von den anderen unterscheide. "Jammern brauche ich nicht." Bei ihm würden in der Regel Endpreise ausgehandelt, ganz gleich ob mit 16 oder 19 Prozent Mehrwertsteuer. Was zu Buche schlage, sei das Wetter. "Wenn es heute Nachmittag regnet, kommt keine Mensch mehr. Ist es im Oktober schön, werden noch Fahrräder gekauft."

Modehäuser kämpfen

Krisengeschüttelt sind nach wie vor Bekleidungshäuser vor Ort. Beim Shoppen mit Maske hält sich nun einmal der Spaß in Grenzen. Der Oberviechtacher Modehausbesitzer Maximilian Mehler ist einer der Betroffenen. Am Dienstagabend wurden dort die Kassen umgestellt, aber dem Kunden kann das egal sein. Der Modehausbesitzer wirbt: "Statt Mehrwertsteuer gesenkt - Mehrwertsteuer geschenkt". Das werde auf jeden Fall den ganzen Sommer über gelten. Man sei froh, wenn Kunden kämen. Die Umsätze sind seinen Angaben zufolge drastisch zurückgegangen. Er befürchtet, dass im Herbst viele Modeläden schließen müssen. Wenn die Maske fallen würde, gäbe das der stationären Modebranche Hoffnung. Die Beraterinnen müssten den Kunden sehen, "auch seine Mimik, wenn er aus der Umkleidekabine kommt."

Es ist ein Versuch. Wir müssen es versuchen und ich lasse mich positiv überraschen.

Claudia Mendel, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft

Claudia Mendel, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft

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