20.12.2020 - 09:48 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Sport während der Pandemie: Leere Hallen und leere Studios

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Der Sportverband hat Angst, dass Vereine während der Pandemie massig Mitglieder verlieren. Der Deutsche Sportstudio Verband befürchtet eine Pleitewelle der Fitnessstudios. Wie sieht es im Kreis Schwandorf aus? Oberpfalz-Medien hakt nach.

Ein Bild, das sich so mancher Fitnessstudio-Gänger zurück wünscht: Im Studio drehen sich die Laufbänder heiß. Doch bis es wieder soweit ist, dürfte noch einige Zeit vergehen. Die Fitnessstudios legen eine Zwangspause ein.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Thomas Fink ist Bezirksgeschäftsstellenleiter des Bayerischen Sportverbandes in der Oberpfalz. Er sagt, dass die Coronakrise zu Mitgliederverlusten bei den Vereinen geführt hat. "Die teilen sich aber unterschiedlich auf die jeweiligen Sportarten auf." Der höchste Anteil an Mitgliederrückgängen liegt laut Fink im Kinder- und Jugendbereich. Der Grund dafür ist schnell genannt. Fink: "Es kommen einfach keine neuen Mitglieder in diesem Bereich hinzu, die sonst über das ganze Jahr verteilt kommen würden." Das seien in der Regel die meisten Neuzugänge. Doch straucheln die Vereine nun durch die Krise oder stehen sie mit beiden Beinen fest am Boden? Fink: "Das ist sehr unterschiedlich. Es kommt ganz drauf an, ob der Verein eine Sportstätte zu unterhalten hat und ob ihm wichtige Einnahmen weggebrochen sind." Andere Vereine ohne eigene Sporthalle haben lediglich das Problem, dass sie ihr Angebot wegen der zweiten Corona-Beschränkungen absagen mussten.

Was aber ist, wenn die Menschen, die sonst im Verein tätig waren, plötzlich merken, dass es auch ganz gemütlich ist, keine zusätzlichen Verpflichtungen zu haben? Stirbt das Ehrenamt? Soweit will Fink freilich nicht gehen. Aber auch er kennt die Geschichten von Menschen, die das ehrenamtsfreie Leben geschnuppert haben. "Solche Berichte sind auch schon an mich herangetragen worden", sagt er. Doch ganz so düster ist die Lage laut Fink nicht. "Die ehrenamtlichen Strukturen sind nicht so anfällig. Vereine sind robuster als andere Betriebe, die unter dem Lockdown leiden", sagt er.

"Das Stimmungsbild momentan ist natürlich eine Katastrophe. Gerade in den Bereichen, wo wir höherklassig unterwegs sind."

Stefan Harmsen, erster Vorsitzender des 1. FC Schwarzenfeld

Stefan Harmsen, erster Vorsitzender des 1. FC Schwarzenfeld

Krise eine Chance für Vereine?

Auch Manuel Lischka, der Sportreferent im Landkreis, glaubt, dass die Krise eine Chance bietet. "Viele Menschen werden jetzt erst merken, wie sehr ihnen etwas fehlt, wenn der Verein plötzlich nicht mehr so präsent im Alltag ist", sagt er. In der Tat scheinen viele Vereine die Zwangspause zu nutzen. Laut Fink hat die Pandemie der Digitalisierung einen riesigen Schub versetzt. Was derzeit wirklich boomt, sei das Sonderförderprogramm für Sportstättenbau des Freistaats. Fink: "Die bauen ohne Ende." Seien es in der Regel um die 300 Anträge im Jahr, so sind es nun um die 1000.

Banger Blick in die Zukunft

Einen Mitgliederschwund gibt es beim 1. FC Schwarzenfeld derzeit noch nicht. Vereinsvorsitzender Stefan Harmsen sieht die Lage dennoch nicht total entspannt. "Was natürlich problematisch ist, ist, dass der gesamte Trainings- und Sportbetrieb eingestellt ist. Das trifft die Sparten besonders hart, die sich eh nicht so oft sehen", sagt er. Die Schachabteilung falle derzeit "komplett auseinander". Wie es weitergeht, kann Harmsen nicht genau einschätzen. Harmsen: "Auch unsere Turner tun sich schwer, weil dort etliche selbst zur Risikogruppe gehören." Bislang aber hätten die Mitglieder ihrem Verein die Treue gehalten.

Seit dem Frühjahr hat es der Verein nur einmal geschafft, alle zusammenzubekommen, um eine Vereinsausschusssitzung zu halten. "Das Stimmungsbild momentan ist natürlich eine Katastrophe. Gerade in den Bereichen, wo wir höherklassig unterwegs sind. Die Sportler wollen ihren Sport machen, teilweise haben wir da auch Trainer, die auf geringfügiger Basis bezahlt werden", sagt Harmsen. Wie es funktionieren wird, die Mitglieder im Jugendbereich wieder auf den Platz oder in die Halle zu bringen, darüber steht für Harmsen ein "riesiges Fragezeichen". Harmsen: "Die Neueintritte sind natürlich komplett weggebrochen. Wenn es keine Angebote gibt, kommt auch keiner neu dazu." Beim TV Nabburg hat man bislang auch noch nicht bemerkt, dass mehr Mitglieder als sonst abgesprungen wären. Dritter Vorsitzender Peter Haas sagt, dass sich das eventuell im Januar ändern könnte. Haas: "Da gehen unsere Beitragsbescheide raus. Erfahrungsgemäß gibt es da dann immer ein paar Austritte."

Lesen Sie hier alle Infos rund um das Virus aus der Oberpfalz

Weiden in der Oberpfalz

Fitnessstudios kreativ

Thomas Albang ist Trainer im "Dailyfit" in Oberviechtach. Er sagt, dass sich die Schließung besonders an der Kasse bemerkbar macht. "Wir spüren, dass die Einnahmen durch die 10er Karten und die Tagestickets wegfallen", erklärt er. Weil das Studio sehr familiär sei, hätten die Mitglieder vor der Schließung noch alles Equipment mit nach Hause nehmen dürfen, was sich eben tragen ließ. Albang: "Das dürfte den eisernen Kern zumindest eine Weile beschäftigt halten." Onlinevideos gibt es im Studio nicht. "Da bin ich so ehrlich. Es gibt eine Vielzahl von hochwertigen Videos auf Youtube. Ich würde mich mit meiner Handykamera nur zum Affen machen", sagt der Trainer.

Die Betreiberinnen des Nabburger Fitnessstudios "NaabFit", Martha Jauernig und Elke Wilhelm, haben ihr Onlineangebot ausgebaut. Jauernig: "Wir geben Online-Kurse für die Mitglieder und haben einen wöchentlichen Newsletter mit Infos, Rezepten, Tipps, wie sie sich gesund halten können und was sie beim Sport im Freien beachten sollten." Zusätzlich gibt es einen digitalen Adventskalender. Die Betreiberinnen hätten einen Teil der unbürokratischen Hilfe bekommen und daher auf den Beitrag für November verzichtet. Jauernig: "Für Dezember haben wir jeden angeschrieben und mitgeteilt, dass wir Dezember wieder abbuchen." Wem das aus seiner finanziellen Situation heraus nicht möglich war, konnte sich bei den Betreiberinnen melden. "Das war eine gute Handvoll", sagt Jauernig. Durch das Schreiben habe es einige Austritte gegeben. Jauernig: "Ich würde sagen, das waren nicht die Riesenmengen. Aber es hat wohl den ein oder anderen Schläfer geweckt, der dann gekündigt hat."

Info:

Die Lage der Fitnessstudios bundesweit

  • Der Deutsche Sportstudioverband (DSSV) hat einen Überblick über die Zahlen in den Fitnessstudios in Deutschland. Dem Verband zufolge waren 2019 11,6 Millionen Deutsche mit einem Vertrag in einem Fitnessstudio angemeldet.
  • Laut DSSV sind 217 000 Menschen in der Bundesrepublik in der Fitnessbranche tätig. Dabei handelt es sich um Personen, die im Service-Bereich arbeiten, aber auch um hauptberufliche Fitnesstrainer sowie um Menschen, die eine Trainer-Lizenz besitzen, aber nur stundenweise oder auf 450-Euro-Basis in dem Bereich arbeiten.
  • Über die Anzahl der durch die Coronapandemie bedingten Kündigungen insgesamt oder in den einzelnen Studios gibt es bislang noch keine genauen Informationen.

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