14.03.2021 - 13:43 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Im Schwandorfer Testzentrum von Abstrich zu Abstrich fast im Minutentakt

Das Wattestäbchen mit dem Nasen- oder Rachenabstrich ins Röhrchen. Zusammen mit Codes und Daten in die Box fürs Labor und: "Der Nächste bitte." Steigende Fallzahlen lassen auch die Corona-Tests nach oben schnellen.

Hier lang geht’s zum Testzentrum im Sepp-Simon-Stadion. Dr. Michael Heidrich (links) und Jochen Manz vom Landratsamt sind die Verantwortlichen dafür, dass das Corona-Testen wie am Schnürchen läuft.
von Irma Held Kontakt Profil

Nahezu im Minutentakt - fast wie am Fließband, auch wenn der Begriff in diesem Zusammenhang unschön klingt - streicht Dr. Michael Heidrich die Probanden im Testzentrum im Schwandorfer Sepp-Simon-Stadion ab. Mit der Infektionszahl geht auch die Zahl der Tests wieder nach oben. 300 an einem Tag kurz vor Weihnachten sind nach den Worten von Heidrich und Jochen Manz, der das Testzentrum aufgebaut und auch am Landratsamt für das Testzentrum zuständig ist, Spitze.

Inzwischen werden täglich etwa 250 Abstriche gezählt. Und es werden eher mehr. "Im März haben wir fast die Kapazität der beiden Vormonate erreicht", sagt Michael Heidrich. Alle diese Zahlen beziehen sich nur auf das Testzentrum. Darüber hinaus testen unter anderen niedergelassene Ärzte. Doch hinter jedem Abstrich im Testzentrum steckt eine ausgefeilte und gut funktionierende Logistik. Stehen die Leute vor Doktor Heidrich sind im Hintergrund unbemerkt einige Prozesse abgelaufen. Nach der Registrierung über das Labor Kneißler in Burglengenfeld werden Mitarbeiterinnen des Landratsamtes aktiv. Sie vergeben die Termine. Neben Name und Geburtsdatum ist die Identifikationsnummer wichtig, denn nur so lassen sich die Ergebnisse online abrufen.

Klebesoldat

Derzeit sind zwei Mitarbeiterinnen mit der Terminvergabe beschäftigt. Da kann ein Arbeitstag auch mal zehn Stunden und länger dauern. Im Landratsamt sitzt außerdem der sogenannte Klebesoldat. Dieser bereitet die Röhrchen samt Tütchen vor. Ist diese Vorarbeit erledigt, werden die Kisten mit Laufzettel und Röhrchen für die jeweiligen Personen, die an diesem Tag eingebucht sind, ins Sepp-Simon-Stadion gebracht. Vor dem Eingang ist an diesem Tag einiges los, die Wartenden wechseln jedoch schnell durch. Es herrscht ein permanentes Kommen und Gehen. Ein Soldat empfängt die zu Testenden und überprüft die Identität. Zwischen 70 und 100 Personen streicht Michael Heidrich in der Sunde ab. Das sei straff organisiert. "Die zeitintensiven Arbeiten sind vorgeschaltet." Nach dem Einlass kommt eine Wartezone. Doch es flutscht. "Wir versuchen die Bereiche drinnen so frei wie möglich zu halten."

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An einer zweiten Station gleicht ein weiterer Soldat Identifikationsnummer und Geburtsdatum ab, "denn nur über diese Kombination - wobei die Identifikationsnummer willkürlich vergeben wird - lässt sich das Ergebnis abrufen", erklärt Jochen Manz. Aus der Hand eines weiteren Soldaten erhält die Testperson das vom Klebesoldaten vorbereitete Tütchen mit dem Röhrchen. Jetzt erst kommt sie zum Arzt mit dem Wattestäbchen. "Kinder teste ich vorzugsweise über den Rachenabstrich. Ob Rachen oder Nase entscheidet der Arzt. Im Rachen gibt es einen Würgereiz, in der Nase kitzelt es. Beides zusammen muss nicht sein", sagt Michael Heidrich. Im Arztzimmer steht ein Stuhl, doch "hinsetzen lohnt sich nicht". Danach verlässt der Proband begegnungsfrei das Testzentrum.

Ohne Dienstleister

Acht Soldaten, sagt Manz, könne das Landratsamt abrufen. Vier sind derzeit im Einsatz. Es wird parallel gearbeitet. Während im Testzentrum Abstrich auf Abstrich folgt, läuft im Landratsamt die Terminvergabe. Jochen Manz ist stolz - auf zweierlei. Zum einen, dass das Landratsamt mit eigenem Personal, abgestellt aus den verschiedenen Abteilungen, und den Bundeswehrsoldaten das Testzentrum stemmt. In anderen Landkreisen seien Dienstleister engagiert worden. Zum anderen ist er stolz auf die Mitarbeiter. "Wir sind ein kleines Team, aber leistungsfähig." Die Chemie stimme. Es schaue auch keiner auf die Uhr, wenn Aufgaben erledigt werden müssen.

Mit Notarzt Dr. Michael Heidrich steht Manz ein Mediziner zur Verfügung, der flexibel ist. Natürlich unterstützt das Testzentrum auch ein Kreis weiterer Ärzte, "aber ein niedergelassener Arzt, kann zum Beispiel nicht am Montagvormittag testen, weil er seine Praxis offen hat." Um den Testpersonen entgegenzukommen wird zeitlich variiert. Es gibt Termine vormittags, nachmittags und auch abends. Und es werde sicherlich an Ostern getestet.

Heidrich hat inzwischen auch "Stammkunden", Grenzpendler zum Beispiel oder Außendienstler, ebenso Altenpfleger, die einmal pro Woche getestet werden müssen. Manz zufolge bietet das Testzentrum über das BRK Firmen, besonders denen, die viele Grenzpendler haben, wöchentliche Tests im Betrieb an. Zwischen 6 und 15 Prozent der Tests pro Tag fallen positiv aus.

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„Wir sind ein kleines Team, aber leistungsfähig.“

Jochen Manz

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Dr. Michael Heidrich

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Hintergrund:

Daten und Fakten zum Testzentrum

  • Start am 31. August 2020
  • Bis 12. März 2021 rund 30 000 Tests
  • Dr. Michael Heidrich bis 12. März knapp 13 500 Abstriche stationär im Sepp-Simon-Stadion.
  • Testungen für jedermann: Vor der Terminvergabe ist für jede Person/jede Testung zwingend eine Registrierung mit persönlichen Daten unter https://corona.labor-kneissler.de notwendig. Die Koordinierungsstelle am Landratsamt ist dann unter der Telefonnummer 09431/471-922 erreichbar. Diese ruft auch Personen an und vergibt Termine.
  • Geimpfte sind bislang nicht von der Testpflicht befreit.
  • Schnelltests macht das Testzentrum nicht.

 

 

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