14.07.2021 - 18:21 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schwandorfer Müllkraftwerk liefert absoluten Spitzenwert beim Verbrennen

Noch nie wurde im Müllkraftwerk so viel verbrannt wie im letzten Jahr: 459 809 Tonnen Abfälle. In der über 40-jährigen Geschichte des Zweckverbandes Müllverwertung ist das der historisch höchste Durchsatz, der jemals erreicht wurde.

Im Müllheizkraftwerk Schwandorf wurden im Jahr 2020 insgesamt 459 809 Tonnen Abfälle verbrannt. Das ist der höchste Wert in der über 40-jährigen Geschichte des Zweckverbandes Müllverwertung Schwandorf.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Bei der Covid-19-Pandemie habe sich im Jahr 2020 „die absolute Systemrelevanz der Schwandorfer Anlage für eine geordnete Abfallwirtschaft in Bayern eindrucksvoll bestätigt“, betonte der Schwandorfer Landrat Thomas Ebeling in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Zweckverbandes Müllverwertung Schwandorf. Der Betrieb des Müllheizkraftwerkes konnte das ganze Jahr 2020 über fast uneingeschränkt aufrechterhalten werden.

Die Lieferketten für Verbrauchsmaterial, aber auch etwa der Abtransport der Schlacken und Rauchgasreinigungsrückstände, war zwar laut Ebeling immer wieder erheblich angespannt, konnte aber letztendlich doch sichergestellt werden.

Tumult vor dem Werk

Die Müllmengen schwankten das ganze Jahr über erheblich. Nach Verhängung des ersten Lockdowns brachen insbesondere die Gewerbemüllmengen fast vollständig ein. Gleichzeitig stiegen aber die in den Privathaushalten erzeugten Abfallmengen deutlich. Nach den ersten Lockdown-Lockerungen kam es bei den Müllumladestationen und am Müllkraftwerk selbst zu einem regelrechten Run der Privatanlieferer. Zeitweise brach der Straßenverkehr im Umfeld der Anlieferbereiche vollständig zusammen, es war von „tumultartigen Zustände“ die Rede. „Offensichtlich kamen alle Bürgerinnen und Bürger im Verbandsgebiet gleichzeitig auf die Idee ihre Keller, Garagen und Dachgeschosse zu entrümpeln.“

Letztendlich wurden im Müllheizkraftwerk Schwandorf im Jahr 2020 insgesamt 459 809 Tonnen Abfälle thermisch behandelt. Dies sei in der über 40-jährigen Geschichte des Zweckverbandes Müllverwertung Schwandorf der historisch höchste Durchsatz, der jemals erreicht wurde.

Umlage sinkt erneut

Der deutlich über dem Haushaltsansatz für das Jahr 2020 liegende Mülldurchsatz in Schwandorf wirkt sich auch positiv auf den von den Verbandsmitgliedern zu zahlenden Umlagesatz aus. Das Entsorgungsentgelt wurde somit auf 106,26 Euro pro Tonne Haus- und Sperrmüll festgesetzt. Damit könnten rund 2,74 Millionen Euro Vorauszahlungen an die Verbandsmitglieder rückerstattet werden. „Die neue Entgeltfestsetzung wäre dann die fünfte Senkung des Entsorgungsentgelts in Folge“, so Ebeling.

Nachdem das Stromsteuergesetz thermische Abfallbehandlungsanlagen anders bewertet, führt das zu einer erheblichen finanziellen Mehrbelastung. Nach dem Stromsteuergesetz ist es so, dass Strom, der zur Stromerzeugung benötigt wird, von der Stromsteuer befreit ist. Nun heißt es, dass thermische Abfallbehandlungsanlagen eigentlich keine Kraftwerke seien und insbesondere Aggregate wie die Rauchgasreinigung oder die Kräne zur Beschickung der Müllkessel als "Nebenanlagen" nicht der Stromerzeugung dienen würden. Ebeling grollte: „Angesichts der Tatsache, dass das Müllheizkraftwerk Schwandorf als Industriekraftwerk auf Braunkohlebasis entstanden ist und erst 1982 sukzessive auf den Brennstoff Müll umgestellt wurde, halte ich diese Rechtsauffassung mehr als kritikwürdig.“

Bescheid wird angefochten

Auch die Tatsache, dass die Steuerbehörden die Rauchgasreinigungsanlage, die erhebliche Mengen Strom verbraucht, um ein gereinigtes Abgas zu erzeugen, als "unwesentliche und damit unbeachtliche Nebenanlage" charakterisieren, ist für den Juristen Ebeling „vollkommen unverständlich“. So will der Zweckverband gegen den Stromsteuerbescheid 2020, der mit Mehrkosten in Höhe von rund 700 000 Euro daherkommt, rechtlich vorgehen.

Die Bundesregierung hat in den letzten Wochen ein deutlich verschärftes Klimaschutzgesetz verabschiedet. Für die einzelnen Sektoren wurden dabei unterschiedliche CO2-Minderungsziele bis 2045 aufgenommen. Das Müllheizkraftwerk Schwandorf fällt dabei nicht, wie eigentlich zu erwarten war, unter den Sektor Abfallwirtschaft, sondern wird in diesem Fall der Energiewirtschaft zugeordnet, die erhebliche CO2-Reduktionsziele einhalten muss. Da der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf selbst keinen Einfluss auf seine Brennstoffe (Abfälle) hat, will man sich für den Standort Schwandorf verstärkt um die Themen Kohlenstoffspeicherung, Kohlenstoffnutzung und natürlich auch dem Thema Wasserstoffproduktion widmen.

Werk erzeugt „grünen Strom“

„Umso erfreulicher ist es, dass der Bundestag den Empfehlungen des Umweltausschusses gefolgt ist und nun Wasserstoff aus Biomasse oder aus dem Strom von Müllverbrennungsanlagen auf die Kraftstoffquote angerechnet werden kann“, sagte Ebeling. Dies wurde im Gesetz zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungsquote festgehalten.

Nun wird ausdrücklich der Strom aus thermischen Abfallbehandlungsanlagen, der aus dem biogenen Anteil des Abfalls resultiert, mit Strom aus Windenergie und Photovoltaik gleichgestellt. Die im Müllheizkraftwerk Schwandorf erzeugte „grüne“ Strommenge betrug im Jahr 2020 rund 88,56 Millionen Kilowattstunden.

„Dieser Strom wird nach dem EEG nicht gesondert vergütet und bietet daher eine äußerst wirtschaftliche Grundlage für die klimagerechte Weiterentwicklung des Energiestandortes Schwandorf“, so Ebeling weiter. Sollte, wie in den Klimaschutzgesetzen angedacht ist, der Weitertransport des Stroms zu anderen Einrichtungen ohne Netznutzungsentgelt erfolgen, wären auch grundsätzlich grüne Wasserstoffprojekte im gesamten Verbandsgebiet möglich.

Energie bringt 11 Millionen

Schwerpunkt der Sitzung in der Oberpfalzhalle, zu der Verbandsräte aus halb Bayern gekommen waren, war die Abrechnung der letzten Jahre. So schloss das Wirtschaftsjahr 2019 mit einer Bilanzsumme von 190 Millionen Euro. Rund 60 Millionen Euro wurden an Umsätzen erlöst, davon 11 Millionen durch den Verkauf von Energie. Unter dem Strich bleibt ein Jahresüberschuss von 1,1 Millionen Euro übrig.

Müllkraftwerk Schwandorf steht vor einem gewaltigen Umbau

Schwandorf
Hintergrund:

Müllkraftwerk und Zweckverband

  • Im Müllheizkraftwerk Schwandorf wurden im Jahr 2020 insgesamt 459 809 Tonnen Abfall verbrannt (Rekordmenge!)
  • Die Müllmenge setzte sich zusammen aus 313 750 Tonnen Haus- und Sperrmüll, sowie 146 069 Tonnen Gewerbemüll (davon rund 30 Tonnen freigemessene Abfälle)
  • Der Energiegehalt der verbrannten Abfälle ersetzt ungefähr 141 Millionen Liter Heizöl
  • Das Entsorgungsgebiet des Zweckverband Müllverwertung Schwandorf ZMS umfasst rund ein Fünftel der Fläche Bayerns; im Müllheizkraftwerk Schwandorf wird der Müll von 1,9 Millionen Menschen verbrannt
  • Insgesamt 17 Verbandsmitglieder umfasst der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf, unter ihnen viele Städte und Landkreise

"Zeitweise brach der Straßenverkehr im Umfeld der Anlieferbereiche vollständig zusammen"

ZMS-Vorsitzender Thomas Ebeling

ZMS-Vorsitzender Thomas Ebeling

Die Verbandsräte gedachten des im Januar Verstorbenen, ehemaligen Verbandsvorsitzenden Rupert Schmid. Schmid war von 1990 bis 1999 Verbandsvorsitzender des Zweckverbandes Müllverwertung Schwandorf
Der Betrieb des Müllheizkraftwerkes, links das Verwaltungsgebäude des Zweckverbands, konnte das ganze Pandemie-Jahr 2020 über fast uneingeschränkt aufrechterhalten werden.

 

 

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