24.11.2020 - 14:45 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schwandorf - aus Schutt und Asche zu neuer Blüte

Das dunkelste Kapitel der Geschichte Schwandorfs liegt 75 Jahre zurück. 1250 Menschen fielen in der Nacht vom 16. auf den 17. April 1945 dem Bombenhagel der englischen und kanadischen Luftstreitkräfte zum Opfer. Davon handelt nun ein Buch.

Stadtarchivar Josef Fischer stellte das Buch "Schwandorf 1945" vor, das an die Monate nach der Bombardierung der Stadt erinnert.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Innerhalb einer Viertelstunde lag Schwandorf kurz vor Kriegsende in Schutt und Asche. Wie das "Leben in der zerstörten Stadt" weiterging, beschreiben die Autoren Josef Fischer und Erich Zweck in ihrem neuen Buch "Schwandorf 1945".

Zwei Jahre lang hat der pensionierte Studiendirektor und Historiker Erich Zweck Bild- und Textmaterial aus dem Stadtarchiv ausgewertet und es auf 330 Buchseiten zusammengefasst. "Es ging uns diesmal nicht um die Zerstörung der Stadt, sondern um das Leben danach", erklärte Stadtarchivar Josef Fischer bei der Vorstellung des Werkes, das in einer Auflage von 1500 Stück erschienen und für 29,90 Euro im Buchhandel zu haben ist. Das Buch soll an die "beispiellose Wiederaufbauarbeit" erinnern, mit der die Nachkriegsgeneration den heutigen Wohlstand ermöglicht habe, so Fischer. Oberbürgermeister Andreas Feller würdigte die Leistung der Autoren als "Beitrag zur Schärfung des Geschichtsbewusstseins".

Die 200 Bekanntmachungen der amerikanischen Besatzungsmacht dienten für Historiker Erich Zweck als Gliederung. Die Dokumente verdeutlichen das Problem der Militärregierung, "Leute aus der Bevölkerung für Führungsaufgaben zu finden, die unbelastet waren". Der Existenzkampf habe die Menschen zu Dieben und Plünderern werden lassen. Bisher unveröffentlichte Polizeiberichte dokumentieren die schwierige Lage.

Weiteres Buch zur Schwandorfer Nachkriegsgeschichte

Schwandorf

An manchen Tagen wurden bis zu 15 Personen wegen unterschiedlicher Vergehen inhaftiert, jedoch oft am nächsten Tag wieder freigelassen. Für die Polizei war es in den ersten Monaten nicht leicht, ohne Waffen und Uniform für Ruhe und Ordnung in einer total überfüllten und beengten Stadt zu sorgen. Erschwerend kam hinzu, dass die deutschen Polizisten oft keine Handhabe gegen Ausländer hatten. Sie waren auf die Unterstützung der amerikanischen Militärpolizei angewiesen. Schwierigkeiten gab es auch im Zusammenleben auf engsten Raum. Mehrere Familien teilten sich eine Wohnung oder gar ein Zimmer. Eine zu 70 Prozent zerstörte Stadt mit vielen Flüchtlingen, ehemaligen Zwangsarbeitern und befreiten KZ-Insassen habe es dennoch geschafft, "ein einigermaßen humanitäres Zusammenleben zu organisieren und gemeinsam den so wichtigen Wiederaufbau der Gebäude, Verkehrswege und Versorgungsanlagen zu bewerkstelligen", schreibt Josef Fischer in seinem Vorwort.

Am Beispiel des ehemaligen KZ-Insassen Oskar Albert veranschaulichen die Autoren die Schrecken, die Unmenschlichkeit und die Sinnlosigkeit des Krieges und dessen Folgen. "Dieses Buch soll ein Dank an die beispiellose Wiederaufbauleistung unserer Großeltern und Eltern sein, die es durch ihre Entbehrungen und ihren Willen, eine zerstörte Stadt wieder wohn- und lebenswert zu gestalten, geschafft haben, den Nachkriegsgenerationen ein Leben in Wohlstand und Frieden zu ermöglichen", schreibt Stadtarchivar Josef Fischer. Die Aufgabe der nachfolgenden Generationen sei es, dieses Erbe weiterzugeben. Das Buch wolle dazu einen Beitrag leisten.

Die Menschen hausten nach Kriegsende in völlig zerstörten Häusern auf engstem Raum.
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