13.08.2020 - 19:27 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schwandorf: Schulamtsdirektor geht in Ruhestand

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Die Leidenschaft fürs Lehramt hat er an seine beiden Söhne weitergegeben, auch die Schwiegertöchter sind im Boot. Schwandorfs Schulamtsdirektor Georg Kick meisterte in seinem Berufsleben viele Wellen. Nun tritt er in den Ruhestand.

Schulamtsdirektor Georg Kick räumt seinen Stuhl im Schulamt und tritt in den Ruhestand. Als Leiter hat er zwölf Jahre die Entwicklung der Schullandschaft im Landkreis geprägt.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Schulamtsdirektor Georg Kick sagt dem Schwandorfer Schulamt Adieu. Seine Nachfolge tritt am 1. Oktober Johann Hilburger an. Die Verabschiedung Mitte Juli war corona-bedingt nur einem kleinen Kreis vorbehalten. Für Kick kein Problem. Hochtrabende Lobesreden sind ohnehin nicht sein Ding. "Ich wollte einfach immer für die Kinder viel herausholen", fasst er rückblickend im Gespräch mit Oberpfalzmedien zusammen.

Eigenverantwortlichkeit stärken

Georg Kick ist ein Teamplayer. Nicht anordnen, aber "Zielklarheit vorgeben", auf ein starkes Miteinander und Eigenverantwortlichkeit setzen, aber den großen Draufblick bewahren", so skizziert Kick seinen Führungsstil. "Damit bin ich gut gefahren". Den Fokus "auf das Wesentliche richten", das war ihm wichtig in einer Bildungslandschaft, die immer im Umbruch ist. Als Kick 2008 fachlicher Leiter des Schulamtes wurde, gab es im Landkreis 12 800 Grund- und Mittelschüler, jetzt sind es 8500 an 49 Grund- und Mittelschulen mit rund 750 Lehrern. Zum Schulamt gehören fünf Psychologen und die unabhängige Beratungsstelle Inklusion.

Wechsel im Schulamt Schwandorf: Johann Hilburger folgt auf Georg Kick

Schwandorf

Als Lehrer und Leiter durchlebte Kick viele Umbrüche in der bayerischen Schulpolitik: 2001 der Wandel zum kompetenzorientierten Unterricht: Einfach ausgedrückt: Kindern sollte Wissen nicht mehr "eingetrichtert" werden, sie sollten Lernen lernen. "Der Grundansatz stimmt", so Kick, "doch das ist wie bei einem Fußballspiel. Man braucht Basiswissen, auf dem man dann aufbauen kann". Das sei zeitweise wohl etwas vernachlässigt worden. Er beobachtet aber eine gewisse Trendwende, denn es könne nicht angehen, "dass Unternehmen für Azubis Nachhilfeunterricht in Mathematik oder Deutsche geben müssen".

Dann das Thema Digitalisierung und Home-Schooling: Es soll ja wieder so viel Regel- und Präsenzunterricht wie möglich geben. Geht es mit Maske zurück in die Schule? "Wie es damit auf Dauer weiter geht, das wäre ein Blick in die Glaskugel", meint Kick zur Coronasituation. Der Schulamtsdirektor mutmaßt, dass sich Home-Schooling in der Zukunft zu gewissen Teilen integrieren wird. Grundschüler bräuchten zugegeben mehr den Klassenverbund und auch für die Eltern sei die Zeit oft eine große Herausforderung gewesen. Doch vor allem die älteren Kinder hätten auch "konzentrierter, selbstständiger, verantwortungsbewusster und zielorientierter" gelernt. Georg Kick möchte die Zahlen noch exakt vergleichen, hat aber bei den Entlassfeiern den Eindruck gewonnen, dass die Schulabschlüsse sogar besser geworden seien.

Home-Schooling: Erfahrungen auswerten

Seit Jahren werde viel Potenzial in die Lehrerfortbildung gesteckt. Kick räumt freimütig ein, dass es natürlich auch bei Lehrern eine unterschiedliche Affinität zur Digitalisierung gebe. "Und das ist keine Frage des Alters". Nun, nach den Abschlussprüfungen, lässt er sich ein Feedback darüber geben, "was geklappt hat und was nicht". Welche Plattformen, ob Teams oder Google, haben sich bewährt, was kann man voneinander lernen? "Lehrer müssen heute Digitalprofis sein", betont Kick. Das heißt auch Lernen von Kollegen und mit externen Fachleuten, die das Schulamt anbietet.

Profi war man verständlicherweise nicht,als vor fünf Jahren die Flüchtlingswelle rollte. Flüchtlingskinder ohne Deutschkenntnisse, damit sind die Schulen von heute auf morgen konfrontiert worden. Flexibilität punktete: Mit Lernspielen, speziellen Datenbanken, viel eigenem Zuschnitt hatten Lehrer die hinzugekommenen Kinder mit Migrationshintergrund in der deutschen Sprache zu fördern, ohne die Klasse zu vernachlässigen. "Und wir mussten auch die Eltern mitnehmen".

Mehrwert für Kinder

Angesicht all dieser Entwicklungen "öffnet sich Schule mehr und mehr nach außen". Der Landkreis bewarb sich beim Ministerium als Digitale Bildungsregion und Georg Kick steht voll dahinter: "Das ist nicht nur eine Urkunde, die man bekommt". Er streicht den Wert dieser Plattform für Lehrer, Schulen, Freizeit- und Bildungeinrichtungen, Landkreis, Gemeinden und Wirtschaft heraus: "Wissen, was der andere braucht, was an Potenzial da ist. Da eröffnen sich Möglichkeiten und ein Mehrwert für die Kinder".

Über allem steht die "große Schulpolitik". Die Lehrerzuteilung ist abgeschlossen. "Es kann natürlich immer mehr sein. Der Ruf wird immer da sein und ist wahrscheinlich auch berechtigt", meint Kick. In seinem Wirkungsbereich versuchte er immer den Spagat "zwischen Wünschenswertem und Machbaren" hinzubekommen. "Wir sind versorgt", meint er mit Blick auf die neuen Lehrergesichter im Landkreis. Pensionierte Lehrer ließen sich kaum reaktivieren. Zwei Meldungen für sieben bis neun Wochenstunden lagen vor.

Gute Ausstattung

Georg Kick hat gerne im Landkreis und mit dem Landkreis gearbeitet. Bauliche Substanz, Ausstattung: "Landkreis und Kommunen kümmern sich hier um die Kinder". Am ersten Tag im Ruhestand wird er mit Ehefrau Sieglinde gepflegt essen gehen. Die gelernte Industriekauffrau sorgt in der Lehrerfamilie für die "Außensicht". Kick freut sich auf die gemeinsame Zeit, aufs Motorradfahren mit der 750er BMW, handwerkliche Arbeiten und die Zeit mit den vier Enkelkindern. Sein Fazit: Es war eine schöne Zeit im Landkreis Schwandorf. "Ich habe mich gefreut mitzuarbeiten, anzuregen, manches zu bewirken. Ich hoffe, es ist gelungen".

Lehrer müssen heute Digitalprofis sein.

Schulamtsleiter Georg Kick

Schulamtsleiter Georg Kick

Info:

Hintergrund

  • Verabschiedung im kleinen Kreis: Als „tatkräftig, fachkompetent, immer schülernah und diskussionsfreudig, engagiert und führungsstark“ bezeichnete Thomas Unger, Bereichsleiter für Schulen an der Regierung der Oberpfalz, Schulamtsdirektor Georg Kick (64) bei der Verabschiedung im kleinen Kreis. In den Jahren im Schulaufsichtsdienst habe er sich durch Organisationsgeschick, Klarheit, Geradlinigkeit und einen Blick für das Wesentliche ausgezeichnet. Der „gute Unterricht“, das Kerngeschäft des Lehrers, habe Kick seine gesamte Laufbahn hinweg beschäftigt. Er sei kein Administrator gewesen, „dem die Linien der Verwaltung die Grenzen des Horizonts bedeuten.“ Unger bezeichnete Kick als einen „menschlichen Grenzzieher, der nicht ablassen will, „vernunftorientierte – und mitunter auch pragmatische – Lösungen für die Schullandschaft und die Schüler zu finden.
  • Werdegang: Seinen ersten Unterricht hielt Georg Kick 1981 an der Grundschule in Pirk (Luhe). Nach mehreren Stationen wurde er 1993 Konrektor der Grundschule Vohenstrauß und wechselte dann in die Seminarleitung. In Pfreimd folgten die ersten Berührungspunkte mit dem Landkreis Schwandorf. Georg Kick wurden die Koordinatorenaufgaben für die Seminarausbildung übertragen. Es ging dann wieder zurück in den Nachbarlandkreis, an die Weidener Clausnitzerschule. Georg Kick gehörte zu den ersten Evaluatoren Bayerns. Er war Schulentwicklungsmoderator mit Schwerpunkt Unterricht. 2007 wechselte er an das Staatliche Schulamt Schwandorf, wo er 2008 zum Fachlichen Leiter ernannt wurde.
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