03.03.2021 - 16:34 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Robert Heinfling: Abschied nach fast 50 Jahren Feuerwehrdienst

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Am 16. Mai endet Robert Heinflings Dienstzeit als Kreisbrandrat im Landkreis Schwandorf aus Altersgründen. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien lässt er fast 50 Jahre Feuerwehrdienst Revue passieren und wagt einen Blick in die Zukunft.

Robert Heinfling - hier vor dem Eingang zur Gerhardingerschule, wo er arbeitet - wird am 16. Mai aus Altersgründen aus dem Amt des Kreisbrandrates ausscheiden.
von Benjamin Tietz Kontakt Profil

Will man Robert Heinfling beschreiben, geht man am besten elf Jahre in der Zeit zurück und denkt an eine schwierige Einsatzlage: Bei Schwandorf krachen nach einem heftigen Schneeschauer Anfang März 2010 auf der Autobahn 40 Autos und drei Lastwagen zusammen.

Mehrere Verletzte, unzählige Autowracks, chaotische Zustände auf der Autobahn: Robert Heinfling, damals seit kurzem Kreisbrandrat, behält in dem Trümmerfeld nicht nur die Übersicht und koordiniert routiniert den Einsatz, sondern zeigt auch viel Menschlichkeit: Eine "gestrandete" Familie aus dem Raum Dresden lässt er kurzerhand mit dem Feuerwehrauto zu sich nach Hause bringen, wo seine Frau und er die Gäste über Nacht aufnehmen.

Menschlichkeit und Zusammenhalt bedeuten dem Kreisbrandrat seit jeher viel: "Ich gebe nichts auf meine Person, wichtig ist das Miteinander und das Kameradschaftliche", macht er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien deutlich. Bald räumt "Florian Schwandorf Land 1" – so sein Funk-Rufname – den Sessel des Kreisbrandrats. Seine Dienstzeit endet am 16. Mai diesen Jahres, seinem 65. Geburtstag. Dann hat er die Altersgrenze erreicht.

Anfang in Taxöldern

Einen großen Teil dieser 65 Jahre spielte die Feuerwehr für den scheidenden Kreisbrandrat eine zentrale Rolle: 1956 in der Gemeinde Bodenwöhr geboren, tritt er später der Jugendfeuerwehr Taxöldern bei, wird dort Jugendwart. Zusammen mit seiner Ehefrau zieht Heinfling dann nach Schwandorf - des Berufs wegen. Seine Gattin arbeitet im Schwandorfer Krankenhaus, er in einem Elektrobetrieb.

Zunächst vier Nachfolge-Kandidaten

Schwandorf

Zurück zur Feuerwehr kommt er mehr oder weniger durch einen Zufall – und zwar auf dem Fußballplatz. Dort schaut er bei einem Spiel zwischen der örtlichen Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk zu und wird gefragt, ob er nicht zu den Floriansjüngern kommen möchte.

Mitte der 80er Jahre schließt er sich der Schwandorfer Feuerwehr an. Er macht zahlreiche Lehrgänge und engagiert sich in der Truppe, wird schließlich Kreisausbilder für den Atemschutz. 1992 wird Heinfling schließlich Stadtbrandinspektor und behält dieses Amt für insgesamt 17 Jahre.

Seit 2009 Kreisbrandrat

Als der damalige Kreisbrandrat Siegfried Hammerer ebenfalls aus Altersgründen sein Amt im Jahr 2009 niederlegen muss, beweisen die Feuerwehrkameraden ihr großes Vertrauen in Robert Heinfling und wählen ihn zu Hammerers Nachfolger.

In seinen Jahren als aktiver Feuerwehrmann hat der heute 64-Jährige vieles erlebt, von Großbränden über schwere Unfälle bis hin zu Hochwasserkatastrophen. Er wird nachdenklich und denkt dabei zum Beispiel an einen katastrophalen Unfall auf der Autobahn, bei dem drei Menschen ihr Leben verloren.

Im Jahr 2009 kam dann der Wechsel vom aktiven Feuerwehrmann zu eher repräsentativen Aufgaben eines Kreisbrandrates. Viele Entwicklungen fielen in die Dienstzeit von Robert Heinfling, wie zum Beispiel die Zusammenfassung der Zentrale mit der Integrierten Leitstelle in Amberg, die Einführung des Digitalfunks sowie die Umstellung auf die digitale Alarmierung.

Heinfling ist als Kreisbrandrat nicht mehr oft "draußen", hat eher organisatorische oder repräsentative Aufgaben. Er fungiert als Bindeglied zwischen den Feuerwehren und dem Landkreis Schwandorf, sorgt dafür, dass Aus- und Fortbildungen laufen und berät Kommunen im Brandschutz. Wenn es Großeinsätze erfordern, kommt der Kreisbrandrat auch selber an den Unglücksort und übernimmt die Einsatzleitung.

Noch zwei Kandidaten im Rennen

Schwandorf

Das Amt des Kreisbrandrats ist für Heinfling, der hauptberuflich bei der Stadt Schwandorf angestellt ist, ein reines Ehrenamt – das aber viel Zeit einfordert: 400 bis 500 Termine im Jahr, viele davon am Wochenende oder in der Nacht, bestreitet er. „Gottseidank“, sagt er nun, „hat meine Frau das mitgespielt“ – zum Beispiel dann, wenn während Familienfesten der „Piepser“ ging und Heinfling zu einem Einsatz ausrücken musste. „Es waren schöne Zeiten, an die ich sehr gerne zurückdenke. Es gab aber auch traurige Zeiten, wo man den Leuten nicht mehr helfen konnte“, blickt er nun etwas nachdenklich auf die Zeit bei der Feuerwehr zurück.

Der Terminkalender ist in den vergangenen Monaten wegen der Coronakrise deutlich leerer geworden. "Seit einem Jahr kann ich mich auf den Ruhestand vorbereiten", sagt Heinfling ein bisschen wehmütig, weil er sich eigentlich noch richtig verabschieden wollte. Das, verspricht er aber, wird sicherlich in einem anderen Rahmen noch nachgeholt - sobald es die Situation wieder zulässt.

Unverzichtbar in solchen Gesprächen ist natürlich die Frage nach der Zukunft. Heinfling ist sich sicher, dass er sich auch künftig in irgendeiner Weise einbringen will, hat aber noch keine konkreten Pläne: "Ich lasse das langsam auf mich zukommen". Jetzt ist erst mal mehr Zeit für die Familie, zu der auch eine kleine Enkelin gehört. "Die freut sich, wenn sie den Opa jetzt öfters sieht".

"Ich gebe nichts auf meine Person, wichtig ist das Miteinander und das Kameradschaftliche".

Kreisbrandrat Robert Heinfling

"Es waren schöne Zeiten, an die ich sehr gerne zurückdenke. Es gab aber auch traurige Zeiten, wo man den Leuten nicht mehr helfen konnte".

Kreisbrandrat Robert Heinfling

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