07.07.2020 - 16:03 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Mutmaßlicher Doppelmörder von Schwandorf wartet auf Auslieferung nach Deutschland

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Eine große Trauergemeinde nahm am Montag Abschied von der ermordeten 57-Jährigen, die am 27. Juni ums Leben kam. Der mutmaßliche Täter, ihr Ex-Mann, sitzt noch immer in Haft in Tschechien.

Den gesuchten Schwandorfer Karlheinz R., der des Doppelmordes verdächtigt wird, haben tschechische Polizeikräfte vor einigen Tagen nicht weit von Taus (Domažlice) entfernt aufgegriffen und in Haft genommen.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Vier Tage war Karlheinz R., der des Doppelmordes verdächtigt wird, auf der Flucht, bevor in Tschechien die Handschellen klickten. Denn kaum war am 1. Juli die Öffentlichkeitsfahndung auf das Nachbarland ausgedehnt worden, meldete sich bereits ein Zeuge bei der Polizei, er habe am Novodvorský-Fischweiher in Nový Dvur fünf Kilometer vor Taus (Domažlice) einen Mann mit der angegebenen Beschreibung gesehen. Die dortige Streifenpolizei und Männer der Verkehrspolizei kamen sehr schnell und nahmen den Verdächtigen, der sich hinter einer Wohnung in der Nähe des Damms versteckte, umgehend fest.

Seitdem sitzt der 57-Jährige in Tschechien in Gewahrsam. Ihm wird laut dem Pressesprecher der Amberger Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Stefan Täschner, zweifacher Mord vorgeworfen. "Er ist noch nicht in Deutschland", versicherte Täschner, "und das dauert auch noch ein paar Tage". Das sei aber auch nicht außergewöhnlich.

Eine ähnliche zeitliche Prognose gibt Polizeioberrat Christian Kiener vom Gemeinsamen Zentrum für die deutsch-tschechische Polizei- und Zollzusammenarbeit (GZ) auf dem Weinberg in Schwandorf. Das Zentrum war von Anfang an in die Fahndung nach dem Flüchtigen mit eingebunden, auch weil die hiesige Kriminalpolizei über das GZ schnell Kontakt mit den tschechischen Kollegen aufnehmen konnte. "Wir sind ein Bindeglied", verdeutlichte Kiener eine Funktion seiner Behörde: "Wir haben alle Fahndungs- und Ermittlungsersuchen an die Tschechen weitergeleitet." Nach Karlheinz R. wurde mit einem europäischen Haftbefehl gesucht und der Erfolg stellte sich relativ rasch ein, wie sich zeigen sollte.

"Die gewohnt enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit der bayerischen und der tschechischen Polizei waren ein wichtiger Baustein bei der Ergreifung des Verdächtigen," betonte Polizeihauptkommissar Florian Beck als Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Noch immer stünden die Ermittler in engem Austausch mit den tschechischen Behörden. Beck lobte den Beitrag der Kollegen in Schwandorf: "Über das Gemeinsame Zentrum der deutsch-tschechischen Polizei- und Zollzusammenarbeit in Schwandorf wurden sämtliche Informationen in Echtzeit nach Tschechien übermittelt. Gleiches galt für die Weitergabe der Öffentlichkeitsfahndung dorthin."

Der inhaftierte Schwandorfer wird nach dem Abschluss der juristischen Auslieferungs-Formalitäten vermutlich in etwa einer Woche nach Deutschland überstellt werden. Laut Kiener vom GZ könnte es sein, dass polizeiliche Spezialkräfte aus Bayern den Gesuchten am Grenzübergang Waidhaus von den tschechischen Ordnungshütern in Empfang nehmen. Danach wird Karlheinz R. nach Amberg gebracht, wo er einem Ermittlungsrichter vorgeführt wird. Dieser wird aller Voraussicht nach den 57-Jährigen in Untersuchungshaft schicken.

Vorgeworfen wird dem Mann, den manche als "Mexiko-Heinz" kennen, nicht nur die Tötung seiner früheren Frau, sondern auch die Ermordung von deren 69-jährigen Lebensgefährten. Nach dem Stand der Ermittlungen betrat der Beschuldigte am Samstag, 27. Juni, in den frühen Abendstunden unvermittelt die Terrasse des Wohnhauses der 57-Jährigen im Schwandorfer Ortsteil Büchelkühn. Zu dieser Zeit hielten sich der 69-Jährige und die 57-Jährige dort auf. Er griff das Paar mit einem Messer an, wobei sich die Attacke in Gebäudeinnere verlagerte. Die Tat wurde teilweise durch eine Wildtierkamera aufgezeichnet, weshalb sich der Tatverdacht früh gegen Karlheinz R. richtete.

Ermittlungsgruppe "Kreuzfeld" hat den 57-Jährigen schnell im Visier

Schwandorf
Hintergrund:

Gemeinsames Zentrum für die deutsch-tschechische Polizei- und Zollzusammenarbeit

Das Gemeinsame Zentrum für die deutsch-tschechische Polizei- und Zollzusammenarbeit auf dem Weinberg in Schwandorf (GZ) ist Teil des europäischen Netzwerks der polizeilichen Kooperationszentren und stellt an den Standorten Schwandorf und Petrovice (Nordböhmen) eine Brücke über rechtliche, organisatorische und sprachliche Barrieren in der täglichen Zusammenarbeit zwischen den deutschen und tschechischen Polizei- und Zollbehörden dar.

Das Gemeinsame Zentrum mit insgesamt rund 101 deutschen und tschechischen Mitarbeitern, davon ungefähr 65 in Schwandorf, unterstützt die Sicherheitsbehörden beispielsweise bei Halteranfragen, bei kriminalpolizeilichen Ermittlungsersuchen, bei Fahndungs- und Einsatzmaßahmen und in Rechtshilfefällen der Justiz.

Polizeioberrat Christian Kiener ist im GZ der deutsche Koordinator und Kontingentleiter der Bayerischen Polizei.

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