12.08.2020 - 15:09 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Müllkraftwerk Schwandorf: Künftig nur noch drei Öfen

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Das Müllkraftwerk Schwandorf steht vor einem gewaltigen Umbau: "Triphönix" heißt das Projekt. An dessen Ende wird der Abfall nur noch in drei Öfen brennen. Dafür effektiver.

Drei der vier bestehenden Ofenlinien im Müllkraftwerk werden in den kommenden Jahren ersetzt.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) bringt die größte Investition seiner jüngeren Geschichte auf den Weg: Das Projekt "Triphönix". Zunächst wird ein Teil der Rauchgasreinigung der Ofenlinie 4 auf den allerneusten Stand gebracht. Dann werden die drei ersten, kleineren Ofenlinien ersetzt - durch nur noch zwei neue Kessel. Das bestätigte Verbandsdirektor Thomas Knoll im Gespräch mit den Oberpfalz-Medien.

Wartungsaufwand steigt

"Wir haben uns einen juristischen Berater ausgesucht. Jetzt sind wir gerade über der eurpoaweiten Ausschreibung, um den Planer auszuwählen", sagte Knoll im Gespräch mit der Redaktion. Kommendes Jahr soll das Projekt starten. Die Ofenlinien 1 bis 3 haben nach rund 40 Jahren Betrieb das Ende ihrer technischen Betriebszeit erreicht. Der Verband habe nun mehrere Varianten geprüft und kam zur Lösung mit dem Namen "Triphönix".

Neue Rauchgasreinigung

Die teilweise Erneuerung der Rauchgasreinigung der Linie 4 soll sicherstellen, dass sie ohne Wartungs-Pause ein Jahr durchlaufen kann. "Wenn das gewährleistet ist, folgt der Ersatz der Kessel", sagte Knoll. Zuerst werden dann die alten Ofenlinien 1 und 2 durch einen Kessel ersetzt. Wenn auch der läuft, ist die Ofenlinie 3 dran. "Wir haben uns auch überlegt, die Kessel eins zu eins zu ersetzen. Das ist wegen der engen Verhältnisse schwierig." Von außen wird sich am Kesselhaus nicht viel ändern.

Blick ins Feuer: Wo heute noch vier Ofenlinien laufen, sollen es künftig nur noch drei sein. Die drei ältesten werden durch zwei neue Kessel ersetzt.

Von der Erneuerung der Kessel erwartet sich der Verbandsdirektor vor allem eine höhere Verfügbarkeit des Kraftwerks. Unplanmäßige Stopps wegen Schäden in der Peripherie wie etwa undichte Leitungen bremsen das Werk immer wieder tageweise aus. Beschädigte Teile werden zwar regelmäßig ausgetauscht, aber: "Es wird einfach Zeit, das jetzt strukturell anzugehen", sagte Knoll. Dazu kommen die Revisionen, die teilweise mehrere Wochen dauern und dann auch seltener nötig werden. "Ich hoffe, dass sich die Verfügbarkeit deutlich erhöht". Weniger Stopps, das bedeutet auch weniger Ab- und Abfahrvorgänge der Kessel. Dafür sind jeweils 20 bis 40000 Liter Heizöl nötig. "Der Standard bei modernen Kesseln ist, dass man nur noch einmal im Jahr ab- und auffährt."

Verbandsvorsitzender Ebeling kündigt Investition an

Schwandorf

Laut den Ausschreibungsunterlagen sollen die beiden neuen Kessel (beim aktuellen Müll-Heizwert) eine Kapazität von jeweils 26 Tonnen pro Stunde, gesamt also 52 Tonnen Müll pro Stunde haben. Die drei alten Linien haben eine Kapazität von insgesamt etwa 36 Tonnen pro Stunde. "Die Tagesdurchsatzleistung wird trotzdem gleich bleiben," sagte Knoll, sie liegt im Schnitt bei 1500 Tonnen Müll. Der Grund dafür: "Darauf ist die ganze Peripherie angelegt, wie Müllbunker, Anlieferung und so weiter." Auch die Dampfturbinen limitieren die Verbrennungsmenge. Letztere hängt auch entscheidend vom Heizwert ab.

ZMS-Verbandsdirektor Thomas Knoll.

Übers Jahr gesehen könnte die Vebrennungsmenge dennoch steigen - wegen der höheren Verfügbarkeit der Anlage. Die Verbrennungsmengen in Müllkraftwerk sind immer wieder Anlass für politische Diskussionen, sowohl im Kreistag wie im Schwandorfer Stadtrat. Die Kraftwerkskritiker werden ein genaues Auge drauf haben, wie sich die Mengen im Müllkraftwerk entwickeln. 2019 wurden knapp 449000 Tonnen durchgesetzt, das lag im langjährigen Schnitt. Etwa zwei Drittel davon sind Haus-, ein Drittel Gewerbemüll aus dem Verbandsgebiet zwischen Hof und Landshut.

Ziel: Abschluss bis 2028

Die Ausschreibung für die Planungsleistungen läuft bereits, 2021 dürfte mit planen und Genehmigungsverfahren vorüber gehen. 2022 ist der Start der ersten Baumaßnahmen vorgesehen. Bis 2028 soll "Triphönix" aus der Asche der alten drei Ofenlinien erstanden sein, "wenn alles klappt," wie der Verbandsdirektor sagt. "Die nächsten sechs, acht Jahre werden hart. Aber da müssen wir durch." Was die Kosten anbelangt, hält sich Knoll noch bedeckt. Es wird aber sicher ein dreistelliger Millionenbetrag sein, der fällig wird.

Drei der vier bestehenden Ofenlinien im Müllkraftwerk werden in den kommenden Jahren ersetzt.

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