28.11.2019 - 12:21 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Müllkraftwerk als Klimaschützer

Die Kamine rauchen kräftig, und trotzdem spart das Müllkraftwerk Schwandorf Millionen Tonnen Kohlendioxid ein. Wie sich dieser scheinbare Widerspruch auflöst, stellen zwei Fachleute der ZMS-Versammlung vor.

Der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) plant für kommendes Jahr mit einem Durchsatz vom rund 435000 Tonnen im Müllkraftwerk (im Hintergrund).
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Das 40-jährige Bestehen hat der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) nicht nur mit einem "Tag der offenen Tür" gefeiert. Der Verband ließ auch in einer Studie von Diplomingenieur Werner Bauer und Professor Mario Mocker die Klimarelevanz des Kraftwerks ergründen. Am Mittwoch stellten die Wissenschaftler ihre Ergebnisse der Verbandsversammlung vor.

Das Ergebnis: Von 1982 bis 2018 hat das Kraftwerk Kohlendioxid-Äquivalente von 8,25 Millionen Tonnen eingespart. Bauer und Mocker legten zugrunde, dass die VAW beziehungsweise später die Nabaltec ihren Energiebedarf ohne das Müllkraftwerk (MKW) wie vorher über ein Braunkohlekraftwerk gedeckt hätten. Der Brennstoff Müll gilt zu 50 Prozent als regenerativ, weil er zu diesem Anteil aus nachwachsenden Rohstoffen besteht. Das ergibt eine erhebliche Einsparung gegenüber der Dampferzeugung aus Braunkohle. Außerdem wurde die Stromerzeugung im MKW gewertet, die Fernwärme und der Mülltransport ins Kalkül gezogen, ebenso die Rückgewinnung von Metallen. Dagegen gerechnet wurden die CO2-Äquivalente, die das Kraftwerk im Betrieb ausstößt. Alleine diese Bilanz ergibt über die Jahre eine Einsparung von 3,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Dazu kommt ein weiterer Effekt: Bis 2005 hätte der Müll deponiert werden dürfen. Auch Müllhalden stoßen Klimagase aus, in erheblicher Menge. Der Vermeidung der Deponierung ergibt weitere rund 5,15 Millionen Tonnen Einsparung, insgesamt also 8,25 Millionen Tonnen.

Mit Blick auf die Klimadiskussion meinte Bauer, dass Deutschland gut daran täte, sein Wissen und seine Technik in Länder zu exportieren, in denen der Müll weiter deponiert und nicht energetisch verwertet wird. "Das bringt viel mehr, als Strohhalme zu sammeln", sagte Bauer. EU-weit werden noch 25 Prozent des Mülls deponiert, in der Tschechischen Republik beispielsweise noch rund die Hälfte, in Griechenland über 80 Prozent. Hier liege also noch viel Potenzial. Der ZMS am meisten dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen, wenn er sein Konzept und sein Wissen in die Welt trage. Die Ergebnisse der Studie werden als Broschüre und im Netz (www.z-m-s.de) veröffentlicht.

Die Verbandsversammlung beschloss auch den ZMS-Haushalt 2020. Im laufenden Geschäft werden Einnahmen von 66,3 Millionen und Ausgaben von 64,3 Millionen Euro erwartet, der Überschuss von 2 Millionen dient neben Eigenmitteln und Rücklagenentnahmen zur Finanzierung der Investitionen von rund 31,1 Millionen Euro. Sie umfassen die Aufstockung des Technikgebäudes und die laufenden Ersatz-Investitionen für Kraftwerk, Ferntransport und Deponie. Die Durchsatzmenge ist mit 435 000 Müll Tonnen angesetzt. Das Entsorgungsentgelt, das die Verbandsmitglieder für die Tonne Hausmüll bezahlen müssen, liegt weiter bei 115 Euro. Verbandsvorsitzender Landrat Thomas Ebeling sprach von einer leichten Entspannung auf dem Entsorgungsmarkt. Die konjunkturelle Delle macht sich auch in den Gewerbemüllmengen bemerkbar.

Professor Mario Mocker (rechts) und Diplomingenieur Werner P. Bauer stellten eine Studie zur Klimarelevanz des Müllkraftwerkes vor.
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