11.06.2021 - 16:33 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Markante Einzelwörter im Oberpfälzer Dialekt: Göll

Es gibt im Dialekt eine Reihe von kurzen, prägnanten Wörtern, die sehr häufig gebraucht werden und nur in bestimmten Zusammenhängen einen Sinn ergeben. Eines der bekanntesten ist „göll (Höflichkeitsform „göllns“).

„Göll, des is a schejner Buusch?“ Wer so fragt, erwartet eine Bestätigung.
von Autor SLUProfil

Bei dem Dialektwort „göll“ handelt es sich – wissenschaftlich formuliert – um eine affirmative Interjektion, die in ihrer Form unveränderlich ist und keine Bedeutung im engeren Sinn hat. Als eine die Satzaussage verstärkende Partikel kann „göll“ sowohl in Aussage- als auch in Frage- oder Aufforderungssätzen verwendet werden, und zwar – je nach Betonung und Sinn – am Wortanfang oder am Wortende.

Etymologisch liegt hier eine idiomatisierte Konjunktiv-I-Form zu „gelten“ vor: es möge gelten. Diese ursprüngliche Form ist jedoch nicht mehr zu erkennen. Heute wird „göll“ in der Bedeutung „nicht wahr?“ bzw. „wirklich/tatsächlich“ verwendet, und zwar nicht selten in der Absicht, Zustimmung zu erheischen.

So heißt es zum Beispiel „Göll, des howe niad gsaggt?“, wenn jemand sein Gegenüber auffordert, ihm zu bestätigen, dass er einen bestimmten Sachverhalt nicht artikuliert hat. Verwendet er jedoch denselben Satz als Aussagesatz „Göll, des howe niad gsaggt.“ bringt der Sprecher zum Ausdruck, dass er nicht möchte, dass etwas Gesagtes weitererzählt wird.

Noch deutlicher wird der Nachdruck in einem Satz wie „Göll, des wülle fẽi nimmer hern.“ Hier schwingt latent sogar eine gewisse Drohung mit. Anders ist der Fall bei „Schejns Weder heind, göll.“ gelagert. Auf diese Aussage hin, die auch als (rhetorische) Frage gestellt werden kann, wird vom Adressaten an sich keine Antwort erwartet, da die Sachlage klar ist. Es geht (meist) lediglich darum, ein Gespräch in Gang zu bringen. Gleichwohl wird der Angesprochene (in der Regel) das Thema aufgreifen und möglicherweise genauso nichtssagend antworten: „Göll, daou iss Zeid woan.“

Grundsätzlich bringen Interjektionen von Seiten des Sprechers Folgendes zum Ausdruck: eine bestimmte Empfindung, Bewertungs- oder Willenshaltung, eine an den Empfänger gerichtete Aufforderung und ein Signal der Kontaktaufnahme oder -vermeidung. In diesem Spektrum ist auch „göll“ anzusiedeln.

Mehr zum Oberpfälzer Dialekt

Schwandorf

Mehr zu Dialektfachmann Ludwig Schießl

Oberviechtach
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.