25.06.2021 - 17:37 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Mähroboter: tückische Gefahr für Igel & Co

Dieses Monster kommt ganz leise und ist eigentlich ganz praktisch. Doch für den Igel kann der Mähroboter zum Mörder werden. Die BN-Kreisgruppe Schwandorf rät, den Einsatz zu begrenzen

Mähroboter sind für Igel eine schwer kalkulierbare Gefahr. Naturschützer raten deshalb, zumindest nachts auf den Einsatz zu verzichten.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Die automatischen Gartenwerkzeuge sind eine Gefahr für Kleintiere im Garten, verhindern die Entwicklung blühender Artenvielfalt und fördern den Ordnungswahn vieler Gartenbesitzer", warnt jetzt der Bund Naturschutz (BN) und bittet deshalb um mehr Mut zur Wildnis: "Je vielfältiger der Garten gestaltet ist und je mehr insektenfreundliche Pflanzen darin wachsen, umso wohler fühlt sich der Igel." Wer bereits einen Mähroboter besitzt, sollte die Geräte nur tagsüber arbeiten lassen und längere Zeitintervalle für den Einsatz wählen, so der Tipp der Naturschützer.

Sobald es dämmert, sind jetzt wieder unsere Igel unterwegs und gehen auf Nahrungssuche. Am liebsten fressen sie nachtaktive Laufkäfer – doch die werden immer weniger. „Manchmal müssen Igel weit laufen um satt zu werden. Da kommen pro Nacht schnell mal drei Kilometer und mehr zusammen“, erklärt Oskar Deichner, Biologe vom BN Schwandorf. Der Igel gilt als Insektenfresser, frisst im Frühjahr und Spätherbst aber auch gerne Regenwürmer. Die unglaublich feine Igelnase findet jeden Leckerbissen, auch dort, wo man das Symboltier für naturnahe Gärten nicht vermuten würde - nämlich auf Rasenflächen, die von einem Mähroboter gepflegt werden.

Durchqueren Igel einen von Robotern gepflegten Rasen oder gehen dort auf Beutefang, kann das gefährlich werden. „Igel sind keine Fluchttiere. Nähert sich ein Mähroboter, harren sie aus und warten ab. Einige rollen sich zusammen - doch auch diese Strategie hilft nur großen kräftigen Tieren, die von den Sensoren der automatischen Mäher erkannt werden“, sagt Deichner. Kleinere Igel, Lurche und Reptilien werden nicht als Hindernis erkannt und deshalb überrollt, verletzt oder getötet. „Auch, wenn viele Hersteller die Sicherheitsstandards ihrer Roboter-Modelle in den höchsten Tönen loben, bleiben die automatischen Mäher ein großes Risiko für unsere Wildtiere“, so Deichner weiter. Der BN bittet deshalb alle Igelfreunde: Wer nicht auf den Mähroboter verzichten kann, sollte die Mähzeiten unbedingt auf den Tag verlegen und vorab gründlich kontrollieren, ob Tiere gefährdet sein könnten. Das gelte auch für den Einsatz anderer motorisierter Gartengeräte wie Fadenmäher oder Motorsensen in unübersichtlichen Ecken des Gartens.

Obwohl das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ deutlich gezeigt habe, dass sich die Gesellschaft mehr Artenvielfalt wünscht, sind laut BN Blumenwiesen in bayerischen Gärten eher die Ausnahme. Fast überall sehe man normale Rasenflächen. Durch häufiges Mähen verschwinden Kräuter, Wildgräser oder Moose. Knospen werden weggemäht, bevor sie entstehen. Für viele kleine Lebewesen wie Bienen, Hummeln, Grillen oder Schmetterlinge bleibe dadurch der Rasen eine grüne Wüste.

„Insgesamt haben wir in Bayern eine Gartenfläche von 135.000 Hektar. Eine riesige Fläche, die wir als lebendigen attraktiven Lebensraum oder als langweilige Rasenfläche gestalten können. Es wäre so einfach, ein paar Blumen im ansonsten satten Grün zuzulassen, und schon hätte man Futter für viele Insekten“, erklärt Klaus Pöhler, Vorsitzender des BN Schwandorf. Die beste Lösung wäre deshalb, Mut zu etwas mehr Wildnis im Garten zu haben und zunächst durch weniger Mähen der Artenvielfalt eine Chance zu geben. Es gebe immer Ecken im Garten, die man in ein Naturparadies verwandeln könne. Blühränder an den gemähten Rasenflächen, naturnahe heimische Heckenpflanzen, Trockenmauern, Teiche oder Totholzhaufen. „Ein igelfreundlicher Naturgarten mit heimischen Blühpflanzen, Laub- und Reisighaufen zum Verstecken ist ein Paradies - nicht nur für Igel, sondern auch für viele andere Arten. Besonders jetzt dient dichtes Altgras an und unter Sträuchern Igeln oft als Schlafstätte oder auch Jungvögeln als Versteck“, so der Naturschützer.

Nächtliche Besucher sind manchmal ganz schön laut

Bayern
Vor allem nachts läuft der Igel Gefahr, von einem Mähroboter verletzt oder getötet zu werden.

Die automatischen Gartenwerkzeuge sind eine Gefahr für Kleintiere im Garten, verhindern die Entwicklung blühender Artenvielfalt und fördern den Ordnungswahn vieler Gartenbesitzer.

Biologe Oskar Deichner

 

 

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